Schizophrenie

Boehringer baut Forschung in Biberach aus

Biberach / Lesedauer: 2 min

Boehringer baut Forschung in Biberach aus
Veröffentlicht:30.01.2012, 19:40
Aktualisiert:25.10.2019, 12:00

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„Schizophrenie“ diagnostizierte Boehringer Ingelheims Landesleiter Deutschland , Engelbert Günster, bei der deutschen Politik: Zur Eröffnung des neuen Boehringer Forschungsgebäudes beschrieb er am Montag, wie widersprüchlich es sei, Deutschland als Industriestandort zu feiern und zugleich Innovationen wie die der forschenden Pharmaunternehmen nicht zu schätzen – schließlich würden immer höhere Steuern verlangt, zugleich wolle man weniger für neue Medikamente zahlen. Der Kritik zum Trotz eröffnete Boehringer sein neues Gebäude. Es hat 26 Millionen Euro gekostet.

120 Mitarbeiter sollen in den neuen Laboren und Büros arbeiten. Familienfotos und Pflanzen neben den Computern zeigen, dass die meisten das Gebäude schon bezogen haben. „Es ist wichtig, für die Forscher optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen“, sagte der Sprecher der Unternehmensleitung, Andreas Barner. Die meisten Mitarbeiter arbeiteten bisher in anderen Gebäuden, einige wurden neu eingestellt. Bei Boehringer in Biberach arbeiten 4500 Menschen.

Im neuen Gebäude erforschen Wissenschaftler Richtungen Wirkstoffe, die die Grundlage für Medikamente bilden können: Einige untersuchen chemische, andere biologische Substanzen. Weitere Mitarbeiter berechnen am Computer Wechselwirkungen mit den Proteinen, die Krankheiten auslösen, oder stellen Modelle dazu her. Ein Informationszentrum samt Bibliothek soll an alle Boehringer-Standorte Informationen weitergeben. „Das Ziel ist es, aus verschiedenen Blickrichtungen ein Thema zu bearbeiten und daraus neuen Nutzen zu gewinnen“, sagte Barner .

Im neuen Gebäude wird auch der Bereich New Biological Entities Discovery (NBE Discovery, englisch für: Entdeckung neuer biologischer Wesen) neu in Deutschland etabliert. Seine Mitarbeiter erforschen Proteine und Antikörper, die Krankheiten therapieren könnten. Mit dieser Abteilung baut Boehringer die Biotechnologie in Biberach weiter aus. Schon jetzt besteht ein großer Teil der Arbeit vor Ort in der Erforschung und Herstellung von Biopharmazeutika.

Doch aufgrund mehrerer politischer Neuerungen stellte Landesleiter Günster Deutschland als Standort in Frage. Er kritisierte etwa das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG). Auf dessen Grundlage wird seit 2011 der Preis für neue Medikamente festgelegt. Nach einem Streit mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss hat Boehringer sein Diabetes-Medikament Trajenta nicht auf den deutschen Markt gebracht – das Unternehmen fürchtet, es würde für einen zu geringen Preis verkauft. Baden-Württembergs stellvertretender Ministerpräsident Nils Schmid (SPD) sagte gestern, er nehme nach Stuttgart den Punkt mit, „dass sich Innovation lohnen muss“. Die Landespolitik könne Entscheidungen auf Bundesebene aber kaum beeinflussen.