Gericht

Biberacher Urlauberinnen zahlen Lehrgeld

Biberach / Lesedauer: 3 min

Schmuckhändler aus der Türkei wird freigesprochen
Veröffentlicht:27.11.2014, 15:58
Aktualisiert:24.10.2019, 08:00

Von:
Artikel teilen:

Der wegen des Verdachts auf gemeinschaftlichen Betruges und Unterschlagung angeklagte 41-jährige türkische Schmuckhändler ist am Dienstag vom Schöffengericht der Strafkammer am Amtsgericht Biberach freigesprochen worden.

In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwältin bereits eingeräumt, dass dem Angeklagten keine Beteiligung an jenen betrügerischen Geschäften nachzuweisen sei, bei denen Biberacher Urlauberinnen abgezockt worden sind: „Es ist nicht gelungen, dem Angeklagten die Vorwürfe und einen eigenen Tatbeitrag nachzuweisen. Partnerschaftliche Geschäfte hin oder her.“

Der Angeklagte Sedat D. hatte somit wohl das Pech, quasi in Sippenhaft genommen worden zu sein: Drei Biberacher Freundinnen kauften bei Urlauben in den Jahren 2012 und 2013 im türkischen Badeort Kusadasi gleich mehrfach typisch türkischen Goldschmuck bei seinem Juwelierkollegen Taskin B. Die Frauen ließen sich von schmeichelnden Worten und großzügigen Einladungen blenden und ganz nebenbei das Geld aus der Tasche ziehen (Die SZ berichtete am 13. November).

Eine dieser „Frauen, die im Schmuck aufgehen“, wie sie der Verteidiger in seinem Plädoyer nannte, wollte den erlittenen Schaden von insgesamt 18 000 Euro nicht ohne weiteres hinnehmen. Als sie alleine mit guten Worten und immer hartnäckiger werdenden E-Mail-Aufforderungen nicht mehr weiterkam, erstattete sie schließlich im Frühjahr dieses Jahres Anzeige.

Ursprünglich sogar nur gegen Taskin B. , den Mann, der sich als Jurist mit Juweliergeschäft ausgegeben hatte. Der 41-jährige Angeklagte war zwar meist gemeinsam mit dem flüchtigen Taskin B. aufgetreten, er habe jedoch von den Machenschaften seines Kollegen erst im Nachhinein erfahren, so die Verteidigung.

Nach der Verlesung mehrerer Seiten aus dem umfangreichen E-Mail-Verkehr zwischen den Urlauberinnen und den Schmuckhändlern zeichnet sich ab, was der Angeklagte von Anfang an behauptet hat: Dass er den Frauen helfen wollte, selbst aber auch Opfer seines betrügerischen Geschäftsfreundes geworden ist. „Je mehr ich mich bewege, desto mehr sinke auch ich in den Sumpf“, so schrieb Sedat D. an eine der Geschädigten und auch, dass er nun nach seinem Grundstück sogar noch seinen Wagen verkaufen müsse, um Taskin B.s Schulden bei nervösen Edelsteinhändlern zu tilgen. Letztlich hatte er sogar dazu geraten, einen Anwalt in Izmir einzuschalten, der die gemeinsamen Interessen wahrnehmen sollte.

Sedat D. hatte auch Geschäfte mit den Urlauberinnen gemacht. Altgold abgekauft beispielsweise, für 1100 Euro. Aber ob seine Kundin dabei den Kürzeren gezogen hat, das kann im Nachhinein nicht mehr eruiert werden. Vielmehr haben die Ermittlungen ergeben, dass der Angeklagte sogar versuchte, das bei den gutgläubigen Urlauberinnen erbeutete Geld und Teile des unterschlagenen Schmucks wieder beizubringen. Ergebnislos.

Nun bleibt zu hoffen, dass die Suche nach Schmuckhändler Taskin B. erfolgreich verläuft. Allerdings gibt es widersprüchliche Angaben zu dessen Aufenthaltsort, einmal soll er sich in Kasachstan befinden, jemand anderer meint, er sei in der Türkei. Und sein ehemaliger Geschäftsfreund Sedat D. wähnt ihn sogar in Deutschland. Den geschädigten Frauen bleibt eigentlich nur, den erlittenen Schaden als „Lehrgeld“ zu verbuchen. Der Weg über eine Zivilklage, die sich wieder gegen beide Juweliere richten könnte, scheint ebenso wenig erfolgversprechend.