Friedenskirche

Bach und Händel in der Friedenskirche

Biberach / Lesedauer: 2 min

Der Kammerchor „Tritonus“ gab ein Konzert in der voll besetzten Biberacher Friedenskirche
Veröffentlicht:29.06.2022, 12:50

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Einen Monat nach den erfolgreichen Aufführungen von Händels Oratorium „Israel in Egypt“ in Rot an der Rot und Ummendorf hatte der Kammerchor „Tritonus“ schon wieder Kraft und Willen, ein Konzert in der Biberacher Friedenskirche zu gestalten - alles im Rahmen des 30-jährigen Chorjubiläums, zu dem es im Herbst weitere Überraschungen gibt. Nach dem großartigen Eindruck, den diese Aufführungen in der Region hinterließen, wunderte es nicht, dass auch die Friedenskirche nahezu voll besetzt war.

Den ersten Teil aus dem großen Oratorium isoliert von den beiden folgenden und auch bekannteren aufzuführen, ist nicht nur praktisch, sondern auch historisch legitimiert. Händel verzichtete hier auf (obligat geführte) Bläserstimmen und übernahm diesen Teil aus einer zuvor komponierten Trauerode zum Tod von Königin Caroline notengetreu. Nur den Text passte er seinem neuen Oratorium an – nun ein Klagegesang der Israeliten auf den Verlust ihres Anführers Joseph. Für die gekürzte Fassung genügte also eine reine Streicherbesetzung, die ein exzellentes Quintett um Günter Luderer zusammen mit dem Continuospieler Wolfgang Gentner besorgte. Sie hielt dem kraftvollen Chor adäquat stand, dessen Markenzeichen klangliche Strahlkraft, musikalische Wendigkeit und vor allem die empathische Darbietungsgabe sind.

In der folgenden Bachkantate hatte das um die Bratsche reduzierte Ensemble nicht nur Begleitfunktion, sondern auch konzertante Aufgaben, so das virtuos geführte Cello (Anja Korsmeier) in einem anmutigen und chorisch ausgeführten Terzett und die Soloviolinen (Günter Luderer und Dace Salmina Fritzen) in der einzigen Solonummer des Konzerts, die Verena Gropper wunderschön interpretierte. Bei der Auswahl der Kantate Nr. 150 „Nach dir, Herr, verlanget mich“ spiegelt sich, wie so oft, eine Intention von Klaus Brecht wider, Werke abseits des gängigen Repertoires zu suchen: diese frühe Kantate wird sehr selten aufgeführt und die Bachsche Autorenschaft sogar angezweifelt. Aus dem Munde des Tritonus spricht aber bester und echter Bach. Schließlich ist die Idee, das musikalische Geschehen künstlerisch - grafisch zu kommentieren, Brechtscher Natur: Die Live-Illustrationen von Jule Ginsbach sorgten schon bei den ersten Aufführungen für Aufsehen und in Biberach für einen besonderen Applaus.

Auch das ist Tritonus: Schon „Am Morgen desselbigen Tages“ gestalteten sie in der Friedenskirche den Gottesdienst musikalisch mit und überraschten eine Nachkonfirmandin mit Mendelssohns wunderbarer Vertonung des 91. Psalms „Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir“ - ihrem Wahlspruch zum Fest. Das war die Morgengabe, der am Nachmittag das Konzert folgte und dessen Spendenerlös komplett der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt wurde. Freude und Dank von Pfarrerin Birgit Schmogro paarten sich mit der Einladung an „Tritonus“, in diese auch akustisch und räumlich ideale Kirche wiederzukommen.