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Beliebte Webseite vor dem Aus?

Wetterwarte Süd streikt - keine Warnmeldungen und Vorhersagen

Bad Schussenried / Lesedauer: 3 min

Keine kostenlose Wettervorhersage mehr bei der Wetterwarte Süd. Roland Roth klagt über fehlende Anerkennung und steigende Kosten. 
Veröffentlicht:11.02.2024, 16:54

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Die Wetterwarte Süd streikt seit Sonntag. Bis auf Weiteres gibt es keinen kostenlosen Wetterbericht und keine Warnmeldungen mehr auf der beliebten Website von Roland Roth und seinem Team.

Wie lange der Wetterexperte und seine Kollegen streiken, ist offen. Vorsorglich wünschen sie den Nutzern „Frohe Ostern“. Auch die Seite ganz stillzulegen, ist ein Gedanke.

Auskünfte wichtig bei Versicherungsschäden

„Seit 25 Jahren stellen wir mit unserer Internetpräsenz für die Allgemeinheit, aber auch für Verwaltungen, Vereine und Verbände, Versicherungen und Veranstalter mit viel ehrenamtlichen und immensem finanziellen Aufwand eine Wetterplattform zur Verfügung“, ist unter www.wetterwarte-sued.com aktuell lesen.

Die Seite sei für etliche User von großem Nutzen, beispielsweise, um der Versicherung zu belegen, dass bei einem Schadensfall eine versicherungsrelevante Windstärke erreicht wurde.

Finanziell „mit dem Rücken zur Wand“

„Wir können diese Kosten nun aber nicht mehr alleine stemmen und stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand.“ Die umfassende notwendige Erneuerung der Seite und der Unterhalt der Internetpräsenz koste das Team einen höheren fünfstelligen Betrag. Die Kosten für den Um- und Ausbau der Wetterzentrale hätten sich seit Beginn der Planungen vor vier Jahren verdoppelt.

Roland Roth persönlich leiste einen nicht unerheblichen Beitrag, das Defizit zu tilgen. Das Honorar für seine beliebten Vorträge fließen in die Wetterwarte, erklärt er im SZ-Gespräch.

Bei der Wetterwarte Süd kommen Daten aus 300 Messstationen zwischen Stuttgart, der französischen Grenze, der Schweiz und Vorarlberg zusammen, berichtet Roth. Auch die wachsende Speicherkapazität im World-Wide-Web schlägt auf Kostenseite zu Buche, erklärt er.

Sponsoren oder Werbebanner-Kunden gesucht

Die Wetterwarte agiert ohne Rechtsform, sie ist weder Verein noch GmbH. Nun sucht sie „dringend weitere finanzkräftige Werbepartner und Sponsoren, sieben Millionen Seiten-Aufrufe im Jahr sind doch ein Argument“. Auf Werbepartner setzt Roth. „Kleinere Spenden, so gut und wohlwollend sie auch gemeint sind, machen wenig Sinn, zumal wir keine Spendenquittungen ausstellen können.“

Roth ist den Firmen dankbar, die langfristig auf der Seite werben. „Aber wir brauchen weitere Unternehmen, die drei bis vier große Werbebanner langfristig schalten.

Warme Worte von der Politik

Von politischer Seite gebe es von „warmen Worten mal abgesehen, kaum Unterstützung“.

Frustrierend findet Roth: „Für Wetterauskünfte beispielsweise zum Nachweis eines Versicherungsschadens gibt es in den allermeisten Fällen noch nicht einmal ein Dankeschön“. Die Gesellschaft habe sich grundlegend verändert. „Dass Leute ehrenamtlich für andere etwas tun, wird nicht anerkannt und es finde sich dafür auch niemand mehr.“

Streikende - unbekannt

Bis vor einigen Jahren, berichtet Roth, hätten Bauernverband Biberach/Sigmaringen pro Jahr und Hof zwei Euro für den Wetterbericht bezahlt. Die Vereinbarung wurde aufgekündigt, im Netz sind die Daten ja kostenfrei zu haben.

Zwar gab es mündliche Vereinbarungen, dass man Firmen aus dem Landwirtschaftssektor dazu bewegen wolle, auf der Wetterwarte-Seite Werbebanner zu schalten. Geschehen ist aber nichts. Das stößt Roth heute noch auf.

Wie lange der aktuelle Streik dauern wird, vermag er nicht zu sagen. Dass die Seite ganz abgestellt wird, schließt er ebenfalls nicht aus.

Der Wetterbericht, den die Wetterwarte der Schwäbischen Zeitung zur Verfügung stellt, bleibt vom Streik unberührt.