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Kritische Lage

Hat diese Bank sich beim Immobilienkauf verzockt?

Bad Schussenried / Lesedauer: 4 min

Keine Dividende für die Kunden der Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf - und es könnte noch schlimmer kommen. 
Veröffentlicht:01.12.2023, 18:00

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Schlechte Nachrichten für die Kunden der Raiffeisenbank Bad Schussenried-Aulendorf: Mehrere Immobiliengeschäfte der Bank scheinen sich im Nachhinein als Fehlgriff herausgestellt zu haben. Die Genossenschaft kann ihren Kunden daher aktuell keine Dividende zahlen - und es könnte sein, dass sie erneut fusionieren muss.

Die Mitglieder der Bank, die Ende November zur Generalversammlung nach Bad Schussenried gekommen waren, gingen mit vielen Fragen nach Hause. Die Entscheidung, den Vorstand und den Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2022 zu entlasten, wurde daher vertagt. Die „Schwäbische Zeitung“ hatte zu der Versammlung keine Einladung erhalten.

Warum nahm Vorstand Norbert Gaisbauer an der Versammlung nicht teil?

Auch knapp zwei Wochen nach der Generalversammlung gibt es einige Fragezeichen bezüglich dessen, was zu dem schlechten Bilanzergebnis geführt hat und wer dafür die Verantwortung trägt. Vorstand Norbert Gaisbauer ist auf unbestimmte Zeit krank geschrieben, beantwortet keine Presseanfragen und war am 21. November auch nicht anwesend. Gaisbauer vertritt im Vorstand die Aulendorfer Seite, aus Bad Schussenried sitzen Reinhold Rehm und Thorsten Krug in dem Gremium. Auf Nachfrage teilten Rehm und Krug mit, ihr Vorstandskollege Gaisbauer sei zu der Versammlung fristgerecht eingeladen, seine Teilnahme als Vorstand vorbereitet gewesen. Warum er nicht teilgenommen habe, entziehe sich ihrer Kenntnis.

Um was für Immobiliengeschäfte geht es?

Die beiden zuvor eigenständigen Raiffeisenbanken fusionierten im Jahr 2021. Wie bei einer Fusion vorgeschrieben, wurden vor dieser die Bilanzen beider Banken geprüft und von den Verantwortlichen für gut befunden. Nach SZ-Informationen wurde zumindest ein Teil der Immobiliengeschäfte, die nun in der Kritik stehen, bereits vor der Fusion getätigt. Warum diese erst jetzt, zwei Jahre später, als Fehlinvestitionen eingestuft wurden, ist unklar.

Wie Vorstand Thorsten Krug diesen Freitag der „Schwäbischen Zeitung“ bestätigte, habe man die Mitglieder der Bank bei der Generalversammlung informiert, dass eine von der Bank beauftragte gesonderte Prüfung „bestimmter Immobiliengeschäfte durchgeführt wird“. Diese Prüfung sei aber noch nicht vollumfänglich abgeschlossen. „Sie beinhaltet insbesondere auch die Frage nach etwaigen Verantwortlichkeiten einzelner Organmitglieder (Vorstand und Aufsichtsrat)“, so Krug. Unbeantwortet blieb die Frage der „Schwäbischen Zeitung“, um was für Immobiliengeschäfte es sich konkret dabei handelt und wann welche getätigt wurden.

Ein Indiz findet sich auf der Tagesordnung der Versammlung. Dort ging es in Punkt 7 eigentlich um die anstehende Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2022. In dem Schriftstück werden dabei vier Adressen genannt. Diese befinden sich in Tettnang, Weingarten, Isny und Friedrichshafen. Es ist daher anzunehmen, dass diese vier Immobilien eine Schlüsselrolle in dem ganzen Prozess spielen. Ob diese jedoch vor oder nach der Fusion erworben wurden, ist unklar.

Warum kann keine Dividende gezahlt werden?

Die negative Geschäftsentwicklung der Bank hat nun dazu geführt, dass für 2022 tatsächlich kein ausschüttungsfähiges Kapital zur Verfügung stand. Damit war eine Dividendenzahlung nicht möglich. Dies wurde den Kunden bei der Versammlung so mitgeteilt. Die Bank bestätigte, dass aufgrund der andauernden Prüfung der Immobiliengeschäfte die Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2022 auf das nächste Jahr vertagt wurde. Die Bank betont, dass die Kunden sich aber keine Sorgen um ihr Geld machen müssten. Die Raiffeisenbank Schussenried-Aulendorf gehöre zum Sicherungsverbund. Eine Genossenschaftsbank in Deutschland könne nicht ausfallen.

Muss die Bank erneut fusionieren?

Ob die Raiffeisenbank Schussenried-Aulendorf nun tatsächlich ein weiteres Mal fusionieren muss, steht noch in den Sternen. Vorstand Krug blieb bei der Beantwortung dieser Frage vage. „Vorstand und Aufsichtsrat sind in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage gehalten sämtliche verfügbaren Handlungsmöglichkeiten zu prüfen. Eine naheliegende Alternative kann eine Fusion sein. Hierzu wurde bereits Kontakt mit Nachbarbanken zu Sondierungsgesprächen aufgenommen.“

Warum wurde die Sitzung nicht vom Vorstand geleitet?

Wie kritisch die Gesamtsituation vom Vorstand und Aufsichtsrat wahrgenommen wird, zeigte sich daran, dass die Generalversammlung weder von Krug noch Rehm, sondern von einem Anwalt des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands geleitet wurde. Diesen drastischen Schritt erklären die Verantwortlichen so: „Die Leitung der Generalversammlung durch einen neutralen Dritten, den baden-württembergischen Genossenschaftsverband, wurde beauftragt, um im Hinblick auf den Tagesordnungspunkt Entlastung schon im Ansatz jeden Anschein einer Befangenheit des Versammlungsleiters zu vermeiden.“