Heiligkreuztal

Ernst Jünger als moderner Denker

Altheim, bei Riedlingen / Lesedauer: 2 min

Symposium im Kloster Heiligkreuztal über Jüngers Ansichten zur Technik
Veröffentlicht:27.03.2018, 17:56
Aktualisiert:22.10.2019, 20:00

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Bereits zum 19. Mal lud die Ernst-und-Friedrich-Georg Jünger-Gesellschaft ins Kloster Heiligkreuztal zu ihrem Jahressymposium. Unter dem Leitmotiv „Technik und Medien bei den Brüdern Jünger“ beschäftigten sich die rund 130 Teilnehmer ein Wochenende lang mit dem literarischen Werk der beiden Schriftsteller Ernst und Friedrich-Georg Jünger.

„Wir hatten eine sehr gute Resonanz“, resümierte Alexander Pschera , Vorsitzender der Gesellschaft. Die Teilnehmer seien das schwierige Thema gut mitgegangen, erklärte er und lobt die „konzentrierte Atmosphäre“. Pschera selber hielt einen Vortrag, in dem er über Friedrich Georg Jüngers „Perfektion der Technik“ referierte. Als einer der ersten habe sich Friedrich Georg Jünger das moderne „grüne Bewusstsein“ und die Debatte um Ökologie vorgenommen, so Pschera.

Ein Höhepunkt des Wochenendes war Michael Königs Lesung aus Ernst Jüngers „Waldgang“. König, der hauptberuflich Schauspieler am Wiener Burgtheater ist, besuchte das Symposium bereits zum dritten Jahr in Folge. In den Kapiteln 10 bis 14, die König vorlas, macht Jünger neben dem Arbeiter und dem Unbekannten Soldaten mit dem „Waldgänger“ eine dritte große Gestalt der Geschichte aus. Ein Waldgänger sei ein unabhängig denkender Mensch, der sich einer übermächtigen Gewalt in Form eines unterdrückenden Staates gegenübersieht und sich zum Widerstand entschließt. In seiner Kritik der Technik sei Jüngers Werk heute sogar noch aktueller als zu seinem Erscheinen 1951.

Den Lektor Michael König beschrieb Alexander Pschera als „Schauspieler, der die Sprache noch ehrt“; nicht zu Unrecht, wie sich am Samstagabend zeigte. „So etwas habe ich noch nie laut gelesen“, hatte König zu Beginn erklärt; er betone auch die auf den ersten Blick recht schweren Gedankengänge Jüngers intuitiv, auch wenn der „Waldgang“ einem „stilistischen Stonehenge“ ähnle. Trotzdem meistert Michael König den Text mit Bravour und begeistert seine Zuhörer: „Wunderbar, einwandfrei, das war ein Kunstgenuss“, schwärmte etwa Gerhard Schaffner aus Oldenburg, der extra für das Wochenende nach Heiligkreuztal angereist ist. Seit 1999 habe er an allen Symposien der Jünger-Gesellschaft teilgenommen.

Das passt in das Bild, das der erste Vorsitzende Alexander Pschera von den Besuchern des Treffens zeichnet. Aus ganz Deutschland und aus allen Berufssparten kämen die Teilnehmer. „Auch im Ausland wird Jünger mittlerweile sehr geschätzt“, meint Pschera. Und es sind nicht nur alte Menschen, die sich auf den Weg nach Heiligkreuztal gemacht haben, auch jüngere Jünger-Jünger wie einige Schüler aus Wetter an der Ruhr seien unter den Symposiumsteilnehmern, ergänzt Thomas Bandle, zweiter Vorsitzender des Vereins. Ernst Jünger und sein Erbe seien stark mit der Region um Riedlingen verbunden, hatte der Schriftsteller doch viele Jahrzehnte bis zu seinem Tod in Wilflingen gelebt.