Stressbewältigung

Stressbewältigung der anderen Art: Rudelkuscheln zum Abschalten

Achstetten / Lesedauer: 5 min

Stressbewältigung der anderen Art: In Achstetten kann man Zeit mit einem Rudel Huskys verbringen
Veröffentlicht:01.06.2022, 17:00
Aktualisiert:02.06.2022, 15:00

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Lautes Gejaule schallt über eine Wiese in der Nähe von Achstetten. Der Grund: Die Huskys von Dagmar Wojcik und Ralf Seiffert sind bereit für ihr letztes Training der Saison. Denn ab jetzt wird es für die Schlittenhunde zu warm, um den Trainingswagen mit etwa 30 Kilometern pro Stunde über die Felder zu ziehen. Langweilig wird es den 14 Hunden im Sommer aber nicht: Wer schon immer mal seine Freizeit mit einem Rudel Huskys verbringen wollte, kann das nun tun.

„Wir hatten uns von der Saison mehr erhofft“, erzählt Dagmar Wojcik. Eigentlich waren einige Schlittenrennen geplant gewesen, darunter die Weltmeisterschaft in Schweden oder auch ein großes Rennen in Italien ( SZ berichtete). „In einigen Fällen sind entweder die Corona-Regeln verschärft worden oder das Wetter war zu schlecht“, zieht Wojcik ein ernüchtertes Fazit. Bei fünf Tagen Reisequarantäne lohne es sich beispielsweise nicht, extra in ein anderes Land zu reisen.

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Mit zwölf Huskys unter einem Dach - und erfolgreich bei Turnieren

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Dennoch gibt es auch erfreuliche Neuigkeiten: Ralf Seiffert erreichte bei den Deutschen Meisterschaften im Dryland – dem Fahren auf normalem Boden statt Schnee – den dritten Platz. „Da haben sich die Hunde wirklich gut geschlagen, obwohl wir zwei ältere Hunde dabei hatten, die seitdem nicht mehr mitlaufen“, erzählt Wojcik.

Schwierige Bedingungen beim Schlittenrennen

Und auch in ihrer Königsdisziplin, dem Schlittenfahren auf Schnee, gab es einen Erfolg zu verzeichnen: „In Unterjoch haben wir ebenfalls den dritten Platz belegt.“ Und das trotz schwieriger Bedingungen: Beim ersten Start war die Strecke plötzlich verändert, wodurch die Teilnahme ungültig wurde. „Beim zweiten Start hatte es vorher geregnet, da fährt es sich auf Schnee natürlich schlecht“, sagt Wojcik. Außerdem waren die Hunde nicht bei der Sache: Sie hätten lieber eine für sich interessante Spur verfolgt, als die Strecke weiterzulaufen. „Letztendlich hat alles geklappt. Aber daran sieht man: Hunde sind keine Maschinen, mal läuft es gut und mal eben nicht.“

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Die Anstrengungen der Saison gehören aber nun der Vergangenheit an. „Jetzt steht nur noch eines auf dem Programm: Spiel, Spaß und Entertainment“, sagt Wojcik und schmunzelt. Spazieren gehen, schwimmen, spielen und faulenzen gehört nun über die Sommermonate zum Alltag der 14 Huskys. Auf ihrer eingezäunten Wiese haben sie viel Platz – toben und auspowern ist dort kein Problem. „Je nachdem wie der August ist, fangen wir dann oder im September wieder langsam mit dem Training an“, erklärt Wojcik.

Huskykuscheln für 30 Euro buchen

Bis dahin genießt Wojcik mit Partner Ralf Seiffert und Töchterchen Mia die ruhige Zeit mit ihren Huskys. „Das tut unheimlich gut. Und deshalb wollen wir das auch anderen Menschen ermöglichen“, sagt sie. Und das funktioniert so: Über ihre Website kann man „Huskykuscheln“ für 30 Euro pro Person buchen. „Die Leute können dann beim Füttern dabei sein, mit den Hunden spielen und uns natürlich alles fragen, was sie interessiert“, sagt Wojcik.

Das Konzept ist noch neu, kommt aber gut an, erklärt Ralf Seiffert: „Schon nach 15 Minuten sind die Menschen total entspannt und man merkt ihnen an, dass sie hier abschalten können“, erzählt er. Auch mit behinderten Kindern haben sie bereits Erfahrungen gesammelt. „Das ist einfach schön, wenn man sieht, wie die Kinder mit den Hunden interagieren und spielen.“

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Die Hunde reagieren auf Fremde ganz unterschiedlich, erzählt Wojcik. „Nala und Mika sind beispielsweise ganz vorsichtig und schauen sich den Mensch erst einmal an. Andere sind ein bisschen forscher, aber alle sind fremde Menschen gewöhnt“, sagt sie. Nach einem Gespräch mit den Besuchern schätzt sie deshalb zunächst ein, ob alle Hunde oder nur bestimmte zum Kuscheln gelassen werden. „Wir achten natürlich darauf, dass eher ängstliche Menschen nicht gleich vom ganzen Rudel bedrängt werden.“

Auch Junggesellinnenabschiede oder Kindergeburtstage waren bereits in Achstetten bei den „Speed Junkies“ zu Besuch. Und wer nach dem Kuscheln Lust auf mehr Abenteuer hat, kann ab September auch zum Training dazustoßen. „Wir nehmen auch Besucher mit auf unsere Trainingstour“, verrät Wojcik. Da ist dann aber durchaus wetterfeste Kleidung und gutes Festhalten gefragt, denn bei diesen Geschwindigkeiten kann der Matsch schon mal spritzen.

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„Wir haben so ein Glück, hier unseren Traum leben zu dürfen“, sagt Ralf Seiffert. „Das kann man gar nicht in Worte fassen.“ Dagmar Wojcik stimmt ihm zu: „Die Zeit geht so schnell vorbei, wenn wir mit den Hunden zusammen sind“, sagt sie. „Diesen Erholungseffekt wollen wir auch anderen zeigen. Das ist schon eine Art Therapie.“