Ortsdurchfahrt

Achstetten bekommt Teilzeit-Tempo-30

Achstetten / Lesedauer: 3 min

Geschwindigkeitsbegrenzung in der Ortsdurchfahrt auf Höhe der Schule gilt nur an Schultagen
Veröffentlicht:30.08.2017, 19:15
Aktualisiert:23.10.2019, 02:00

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In der Ortsdurchfahrt von Achstetten gilt bald auf Höhe der Schule Tempo 30. Einem entsprechenden Antrag der Gemeinde hat die Stadt Laupheim als zuständige Verkehrsbehörde zugestimmt – allerdings mit Einschränkungen. Die reduzierte Höchstgeschwindigkeit gilt nur an Schultagen von 7 bis 17 Uhr.

Für etwas Verwunderung hat in der jüngsten Gemeinderatssitzung die Information gesorgt, dass „Klappschilder“ angebracht werden müssen, damit Mitarbeiter des Bauhofs die Verkehrszeichen in den Ferien verdecken können. Das Wort „Schildbürgerstreich“ fiel, ein Ratsmitglied regte an, Zusatzzeichen mit dem Hinweis „nur an Schultagen“ zu montieren, damit der Bauhof nicht ständig tätig werden müsse.

Das gehe aber nicht, erklärte Dorothee Jerg von der Verkehrsbehörde der Stadt Laupheim auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. „Auswärtige Autofahrer wissen vielleicht nicht, wann hier Ferien sind“, sagt sie. Auch im Regierungspräsidium, bei dem sie sich rückversichert habe, sehe man das so. Ein Zusatzhinweis „Mo - Fr, 7 - 17 Uhr“ könne angebracht werden, der Ausschluss für die Ferientage müsse aber durch das Zuklappen der Schilder geregelt werden.

Neue Verordnung erleichtert Geschwindigkeitsbegrenzung

Dass auf diesem innerörtlichen Streckenabschnitt der Kreisstraße 7523 überhaupt über eine Länge von 300 Metern die zulässige Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden könne, sei auf eine relativ neue Verwaltungsvorschrift der Bundesregierung zurückzuführen, meint Jerg. Bis Mai dieses Jahres habe auf Kreis- und Landesstraßen „eine besondere Gefahrenlage“ nachgewiesen werden müssen, seit Mai funktioniere es unter gewissen Voraussetzungen auch ohne. „Etwa an Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern, Senioren- oder Behindertenzentren“, erklärt Dorothee Jerg. Allerdings müsse laut Verordnung die jeweilige Einrichtung einen Eingang zur Straße hin haben oder im Nahbereich starker Ziel- und Quellverkehr mit all seinen Begleiterscheinungen vorhanden sein. Eine dehnbare Beschreibung.

Feneberg beklagt Umsetzung

Achstettens Bürgermeister Kai Feneberg freut sich darüber, dass mit der beschränkten Geschwindigkeitsbegrenzung ein schon lange gehegter Wunsch aus der Bevölkerung zumindest teilweise umgesetzt werde. „Wie es dann in der Praxis aussieht, ob sich die Autofahrer daran halten und der Kreis regelmäßig Kontrollen macht, muss man abwarten“, fügt er an.

Gar nicht einverstanden ist er derweil mit der Umsetzung. Die wegen der zeitlichen Begrenzung notwendigen Klappschilder, die nun von der Biberacher Straßenmeisterei montiert werden müssten, benötigten aufgrund ihrer Größe und des hohen Gewichts „ein Riesenfundament“, sagt Feneberg. Weil nicht an allen vier Stellen, an denen die Schilder platziert werden sollen, ausreichend Gemeindegrund vorhanden sei, müsse man teilweise Privatgrund mitnutzen und entsprechende Grundstücksverhandlungen führen. „Ich frage mich, warum man nicht einfach grundsätzlich Tempo 30 festlegen kann?“, sagt Feneberg, zumal die Gemeinde auch ein Kinderferienprogramm anbiete, das teilweise auf dem Schulgelände stattfinde. „Es ist also nicht so, dass die ganzen Ferien über nichts los ist an der Schule.“

Dennoch ist es vorstellbar, dass Achstetten mit dieser Geschwindigkeitsbegrenzung Vorreiter für andere Gemeinden, auch im Raum Laupheim, ist. Denn Bildungs- und Sozialeinrichtungen an Durchgangsstraßen gibt es sicher einige.