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Schuljahresende

Verband beklagt drastischen Lehrermangel

München / Lesedauer: 4 min

Bis zu 500 Lehrkräfte fehlen laut BLLV – Kultusminister Piazolo beschwichtigt
Veröffentlicht:25.07.2019, 06:00

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Zum Schuljahresende hat der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) am Mittwoch in München vor einem bevorstehenden Personalmangel an bayerischen Grund-, Mittel- und Förderschulen gewarnt. „Die Hütte brennt“, sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann – und erntete Widerspruch von Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler). „Das Bild von brennenden Hütten passt nicht in die bayerische Kultuslandschaft“, sagte Piazolo am Mittwoch in München. „Die Unterrichtsversorgung zum Schuljahresbeginn im September ist sichergestellt.“

Alarmstimmung bei den Lehrerverbänden und beschwichtigende Worte des Kultusministeriums zur Unterrichtsversorgung haben in Bayern zum Schuljahreswechsel eine lange Tradition. Doch diesmal ist es wirklich dramatisch, versicherte BLLV-Präsidentin Fleischmann. Zu Schuljahresbeginn fehlten in den Grund-, Mittel- und Förderschulen 500 Lehrer. Der Mangel werde in den kommenden Jahren dramatischer und Dimensionen annehmen, die man noch nie gesehen habe. Diese Wahrheit werde „erstmalig auch von niemandem mehr geleugnet“.

Ähnlich drastisch äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft ( GEW ) Bayern. Landesvorsitzender Anton Salzbrunn schlug als Notlösung die Reduzierung der Stundentafel vor, „bis die Situation entschärft“ sei. Im letzten Schuljahr habe ein massiver Unterrichtsausfall nur durch das große Engagement der Lehrer verhindert werden können. Der Personalmangel an Grund-, Mittel- und Förderschulen in Bayern ist nach Ansicht der GEW hausgemacht und Folge einer verfehlten Planung. Geburtenraten, Ruhestandsversetzungen und Ausbildungskapazitäten seien Größen, die bekannt sind und in Planungen einbezogen werden können.

Piazolo: Genug Lehrer da

Kultusminister Piazolo kam der Forderung Fleischmanns nicht nach, genaue Zahlen zu nennen. Die Situation an den Grund-, Mittel- und Förderschulen kann man heute nicht exakt beziffern, sagte der Minister. Zu Schuljahresbeginn würden jedoch in jedem Fall „genug Lehrer da sein, um den Unterricht sicherzustellen“.

Sobald die erste Grippewelle komme, werde sich die Lage ändern, sagte BLLV-Präsidentin Fleischmann. Im auslaufenden Schuljahr seien 8,5 Prozent des Unterrichts jede Woche nicht planmäßig gehalten worden. 1,7 Prozent oder 40 000 Stunden seien pro Woche komplett ausgefallen. Über die Pflichtstundentafel hinausgehende Angebote würden von den Schulleitungen oft erst gar nicht geplant.

„Es gibt Herausforderungen“, räumte Piazolo ein. Gleichwohl würden viele neidvoll auf die Bildungslandschaft im Freistaat schauen. Gegen den personellen Engpass an Grund- und Mittelschulen setzt der Minister unter anderem auf die Zweitqualifizierung von ausgebildeten Gymnasial- und Realschullehrern, bei denen man einen Überhang habe. Jeder Teilnehmer daran erhalte die Zusicherung der Verbeamtung. 95 Prozent der mehr als 100 000 Lehrer in Bayern seien verbeamtet.

Für die anderen seien im Doppelhaushalt des Freistaats mehr als 800 Stellen in einem Sonderprogramm vorgesehen. Die Forderung des BLLV, Grund-, Mittel- und Förderschullehrer gleich mit der Besoldungsstufe A 13 zu bedienen (bisher A 12) stieß bei Piazolo auf Bedenken. Immerhin aber sei bei der Eingangsbesoldung die erste Altersgruppe gestrichen und Tausende „funktionslose Beförderungen“ geschaffen worden, was für die Lehrer ebenfalls mehr Geld bedeute.

SPD stützt Forderungen

Die SPD im bayerischen Landtag stellte sich hinter die Forderungen der Lehrer nach mehr Anerkennung, besseren Arbeitsbedingungen und höherer Bezahlung der Lehrer. Andere Länder seien längst dazu übergegangen, die Lehrämter an den verschiedenen Schulen gleich wertzuschätzen, erklärte die bildungspolitische Sprecherin Margit Wild. In Bayern glaube die Regierung immer noch, die schöne Landschaft und die netten Kinder reichten aus, um für das Lehramt an Grund- und Mittelschulen zu begeistern, so Wild.

Auch die SPD geht davon aus, dass in diesem Bereich zu Beginn des Schuljahrs 500 Stellen unbesetzt sein werden und sich der Lehrermangel verschärfen werde. Von den Nachwuchslehrkräften, die im vergangenen Jahr die zweite Staatsprüfung bestanden haben, hätten sich nur ein Fünftel für das Grundschullehramt und zehn Prozent für die Mittelschulen entschieden. Daher müssten entweder die vorhandenen Lehrer noch mehr arbeiten oder Pflichtunterricht könne nicht gehalten werden.

Die Einstellungspolitik der Staatsregierung ist nach Ansicht des bildungspolitischen Sprechers der FDP im Landtag, Matthias Fischbach, gescheitert. Der Liberale forderte mehr Leistungsanreize: „Wer eine Klasse spürbar voranbringt, muss auch selbst spürbar vorankommen.“ Beförderungen sollten stärker an die individuelle Leistung gekoppelt werden. Statt zentraler Lehrerzuteilung sollten die Schulen nach eigenen Kriterien ausschreiben und einstellen dürfen, sagte Fischbach. Damit entscheide nicht mehr nur die Examensnote und der Abschlussjahrgang über die Einstellung einer Lehrkraft, sondern auch ihre Motivation und Eignung für die konkrete Schule.