Mehrheitsgesellschaft

Islamwissenschaftler: Deutsche müssen offener werden

Nürnberg / Lesedauer: 1 min

Islamwissenschaftler: Deutsche müssen offener werden
Veröffentlicht:24.07.2012, 08:30
Aktualisiert:25.10.2019, 07:00

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Aus Sicht des Erlanger Islamwissenschaftlers Jörn Thielmann muss die deutsche Gesellschaft bei der Integration stärker auf Muslime zugehen. Diese müssten zwar auch ihre eigene Identität in Deutschland klären. Aber auch die Mehrheitsgesellschaft müsse sich fragen, welche Politik sie verfolge, um eine bessere Integration zu ermöglichen, sagte Thielmann anlässlich einer Fachtagung zu muslimischen Gemeinschaften außerhalb Europas in Nürnberg.

Als Beispiele nannte er rechtliche Regelungen für islamische Vereine, ein liberaleres Aufenthaltsrecht und die Möglichkeit, den eigenen Glauben ausüben zu können. „Der Islam gehört zu Deutschland“, wiederholte er ein Zitat von Ex-Bundespräsident Christian Wulff. Andere Länder seien da schon viel weiter.

Als Beispiel nannte der Geschäftsführer des Zentrums Islam und Recht in Europa (EZIRE) an der Uni Erlangen-Nürnberg unter anderem die USA und auch Brasilien. Dort seien Unterschiede in der Lebensweise oder Religion nicht so wichtig. Auch in Japan gebe es kleinere muslimische Gemeinden, die „teils mehr als 100 Jahre alt und gut integriert“ seien. Möglicherweise könne man in Deutschland davon lernen.

Die Diskussion um eine „Leitkultur“ sei verheerend für die Integration der Muslime in Deutschland. „Wir erwarten die bedingungslose Loyalität und Solidarität mit unserem Wertesystem, ohne genau sagen zu können, was das bedeuten soll“, kritisierte er. „Was sollen die machen? Samstags die Straße kehren oder Mülltrennung betreiben?“