Damenwahl

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München / Lesedauer: 3 min

Frauen schaffen bei den Kommunalwahlen in Bayern die meisten Sensationen
Veröffentlicht:31.03.2014, 20:10
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Bayerns Kommunalpolitik ist nach dem Stichwahlsonntag nicht nur ein wenig bunter geworden, sondern vor allem auch weiblicher: Frauen schafften die meisten Sensationen, auch bei der CSU. Zum Beispiel im Ostallgäu, wo die Ministerialrätin Maria Rita Zinnecker den Freien Wählern aus dem Stand den Landratsposten wegschnappte.

Die im württembergischen Leutkirch geborene Spitzenbeamtin Zinnecker sorgte für die größte Wahl-Überraschung der Stichwahlen im Regierungsbezirk Schwaben. Amtsinhaber Johann Fleschhut von den Freien Wählern galt bis vor zwei Wochen als unangefochtener Platzhirsch.

Trost für die Freien Wähler: Auch ihren Sensationserfolg verbucht eine Frau. Tanja Schweiger , bisher FW-Landtagsabgeordnete wird neue Landrätin im Kreis Regensburg, liegt nach der Stichwahl rund 20 Prozent vor ihrem CSU-Konkurrenten. Für Hubert Aiwanger, den Chef der Freien Wähler, ein besonderer Grund zur Freude: Frau Schweiger ist die Mutter seines Erstgeborenen Laurenz.

Frauen-Power auch bei der SPD : Mit ganz langem Atem schaffte es die Ärztin Sigrid Meierhofer mit 67,5Prozent auf den symbolträchtigen Bürgermeistersessel von Garmisch-Partenkirchen. Mindestens so spannend wie die SPD-Männer-Siege in Regensburg und Passau. In Garmisch ist die CSU auch den Landratsposten los – allerdings an einen Mann von den Freien Wählern.

Auch im noblen Starnberg regiert künftig eine Frau: Eva John war bisher Stadtkämmerin und früher mal bei der CSU. Nun kandidierte sie für das Bündnis „Mitte Starnberg“ und holte gut 67 Prozent. Auch sonst geht ohne Frauen nicht viel im Landkreis Starnberg: In Gauting siegte Brigitte Kössinger (CSU), in Wörthsee Christel Muggenthal (SPD). Nicht zu vergessen auch Sabine Nallinger, die in München als OB-Kandidatin der Grünen 15 Prozent holte und damit auch den Weg für den neuen SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter bereitet hat. Mit dem Patt im Münchner Stadtrat behält Frau Nallinger eine Schlüsselposition.

Vor allem bei der CSU schauen sie jetzt nach Rosenheim: Dort ist schon länger eine Frau Platzhirsch. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer galt schon vor der Wiederwahl als ziemlich unangreifbar und holte gut 69Prozent. Da werden viele Männer blass: Siegfried Balleis zum Beispiel, der nach 18 Jahren CSU-Herrschaft das Zepter im Erlanger Rathaus an die SPD abgeben muss.

Gleicher Trend in Franken

Und auch in Franken jede Menge Damenwahl: In Dietfurt im Altmühltal zum Beispiel gibt es erstmals eine Bürgermeisterin, noch dazu von der SPD. In Ebermannstadt regiert künftig die parteilose Bauingenieurin Christiane Meyer, der CSU-Kandidat schaffte es dort nicht einmal in die Stichwahl.

Noch bunter wird’s in Bayern auch: Die Grünen stellen erstmals Landräte, und zwar gleich zwei davon. Im Kreis Miesbach, wo der Skandal-Landrat Jakob Kreidl krachend niedergewählt wurde, war die Wahl des grünen Trachten-Trägers Wolfgang Rzehak keine große Sensation. Aber in Miltenberg, wo Jens Marco Scherf als gemeinsamer Kandidat von Grünen und SPD erfolgreich ins Rennen ging, war die Überraschung dann doch ziemlich groß.

„ Für uns Grüne ist das ein historischer Abend“, findet die Grünen-Landesvorsitzende Sigi Hagl. Und manche erinnern schon an den legendären und früh verstorbenen Sepp Daxenberger, der vor 18 Jahren überraschend Bayerns erster Bürgermeister mit grünem Parteibuch wurde, in Waging, mitten im Oberland. Damit, hieß es damals, seien die Grünen endgültig in Bayern angekommen.