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Zahl junger Flüchtlinge in Baden-Württemberg hat sich verdoppelt

Baden-Württemberg / Lesedauer: 2 min

Nach Baden–Württemberg flüchten immer mehr unbegleitete Minderjährige. Der Südwesten hat sogar mehr aufgenommen, als er müsste. Was das Land unternimmt.
Veröffentlicht:05.09.2023, 16:44

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Nach Baden–Württemberg flüchten immer mehr unbegleitete minderjährige Ausländer (Uma). Ende August dieses Jahres waren mit rund 4500 Kindern und Jugendlichen mehr als doppelte so viele von ihnen im Land untergebracht als zum selben Zeitpunkt 2022. Damit hat der Südwesten im Vergleich mit anderen Bundesländern aktuell mehr junge Flüchtlinge aufgenommen als er müsste.

Nach Angaben des Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden–Württemberg (KVJS) hat das Land etwa 800 mehr Uma mehr aufgenommen, als es gemäß dem bundesweiten Verteilschlüssel müsste.

Deshalb und weil einige Jugendämter völlig überlastet sind, werden ab sofort junge Flüchtlinge auf andere Länder verteilt. Das geht aus einem Brief des baden–württembergischen Sozialministeriums an die Behörden im Land hervor. Er liegt der „Schwäbischen Zeitung vor.

Für eine weitergehende Integration und Betreuung der Uma fehlen insbesondere das Personal und geeignete Unterkünfte. Das System ist hier bereits über seine Grenzen belastet.

Alexis von Komorowski, Geschäftsführer des Landkreistages

Derzeit erfüllen unter anderem Bayern und Rheinland–Pfalz die Aufnahmequoten nicht und könnten demnächst unbegleitete Kinder und Jugendliche aus dem Südwesten aufnehmen müssen.

Die Zahl der Uma ist zuletzt stark gestiegen. In den vergangenen vier Wochen kamen laut KVJS wöchentlich mehr als 200 Uma an. Allein im August waren es knapp 840, im Juli 550.

Zum Vergleich: Im Juli 2022 kamen insgesamt 170 Uma nach Baden–Württemberg. Mit 9000 Jugendlichen betreuten die baden–württembergischen Jugendämtern 2017 und 2018 die meisten Uma. Auch damals wurden einige von ihnen auf andere Länder verteilt.

Unterbringung und Betreuung müssen die Jugendämter in dKreisen organisieren. In Lörrach, Freiburg, Ulm, Stuttgart, Karlsruhe und Mannheim ist die Lage derzeit besonders angespannt.

Der Geschäftsführer des Landkreistages, Alexis von Komorowski, warnt vor den Folgen: „Für eine weitergehende Integration und Betreuung der Uma fehlen insbesondere das Personal und geeignete Unterkünfte. Das System ist hier bereits über seine Grenzen belastet.“

Die Kinder– und Jugendhilfe sei ohnehin überlastet, die Uma–Lage verschärfe das Problem. „Immer häufiger können Aufgaben und Auftrag nicht mehr vollumfänglich erfüllt werden“, so von Komorowski.

„Die Überlastung der gesamten Kinder– und Jugendhilfe hat nicht nur mit der steigenden Zahl von Geflüchteten zu tun. Wir sprechen hier über ein gesamtgesellschaftliches Problem und ob wir Kindern und Jugendlichen noch gerecht werden können“, so Benjamin Lachat vom Städtetag.

Ein Sprecher von Baden–Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) sagte: „Wenn nicht genügend Plätze mit qualifizierter fachlicher Betreuung vorhanden sind, wird die Integration zweifellos erschwert.“