Seligsprechung

Vatikan entscheidet nun über Seligsprechung Max Josef Metzgers

Freiburg / Lesedauer: 3 min

Der katholische Priester und Friedensaktivist aus dem badischen Schopfheim wurde ein Opfer der nationalsozialistischen Terrorjustiz
Veröffentlicht:31.03.2014, 17:50
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Was sich am 14. Oktober 1943 vor dem Volksgerichtshof in Berlin abspielte, war unter dem berüchtigten Gerichtspräsidenten Roland Freisler eigentlich Routine. Und doch hob der NS-Richter das Verfahren gegen den katholischen Priester Max Josef Metzger in besonderer Weise hervor: „Die Handlung Metzgers ist so abartig und verbrecherisch, dass der Angeklagte ausgemerzt werden muss. Ich habe in meinen Verhandlungen noch nie das Wort 'ausgemerzt' gebraucht. Hier aber gebrauche ich es: Eine solche Pestbeule muss ausgemerzt werden.“

Der aus dem badischen Schopfheim stammende Max Josef Metzger hatte sich 1914/15 als Felddivisionspfarrer an der französischen Front zum radikalen Pazifisten gewandelt und sich seitdem in zahlreichen Initiativen und Aktionen für weltweiten Frieden nach den Vorgaben der Bergpredigt aus dem Evangelium eingesetzt. Eine wesentliche Voraussetzung sah er in einer Überwindung der Spaltung zwischen den christlichen Kirchen.

Bereits unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers wurde er wegen seiner öffentlichen Kritik überwacht und wiederholt verhaftet. Schon früh war Metzger überzeugt, dass der Wahnsinn des Krieges mit einer totalen Niederlage Deutschlands enden werde, und er befürchtete, dass das Land dann zerschlagen und aufgeteilt werde. So verfasste er eine Denkschrift über ein neues Deutschland, das nach dem Krieg in ein vereintes, christlich fundiertes Europa eingebunden sein sollte.

Verrat durch Gestapo-Agentin

Dieses Memorandum übergab Metzger einer aus Schweden stammenden Frau namens Dagmar Imgart, die sich scheinbar für die von ihm gegründete ökumenische Una-sancta-Bewegung interessiert hatte, in Wirklichkeit aber Gestapo-Agentin war. Sie sollte die Denkschrift dem Primas der protestantischen Staatskirche von Schweden übergeben. Als sich Imgart am 29. Juni 1943 von Metzger verabschieden wollte, wurde der Geistliche aber von der Gestapo verhaftet.

Bestellte Zuhörer

Als Freisler beim rasch folgenden Schauprozess vor 400 bestellten Zuhörern aus dem Memorandum vorlas, kam es im Publikum zu lautstarken Unmutsäußerungen. So etwa, als Freisler in einer Umwertung aller Werte die Friedenspolitik Metzgers verhöhnte, welche die Lebensrechte fremder Völker achte. Besonders angekreidet wurden Metzger auch die von ihm vorgeschlagene Abrüstung zugunsten einer überstaatlichen Armee im Dienste der „Vereinigten Staaten von Europa“ oder die Forderung des Geistlichen, jedem Bürger die Unantastbarkeit der persönlichen Würde und Rechtssicherheit, die Freiheit des Gewissens, der Religionsausübung, der Meinungsäußerung und des persönlichen Eigentums zu gewährleisten.

Als besonderes Verbrechen wurde dem Angeklagten die Friedensarbeit angelastet. Dem immer mehr in Wut geratenden Freisler antwortete Metzger in geradezu provozierender Ruhe, er habe „im Krieg die Not, das Elend und den Schrecken des Krieges kennengelernt, so dass es für mich keine vornehmere Aufgabe gab, als für die Völkerverständigung und den Frieden zu arbeiten“. Freisler verhängte über Metzger „als für alle Zeit ehrlosen Volksverräter“ erwartungsgemäß die Todesstrafe. Am 17. April 1944 wurde Max Josef Metzger in Brandenburg-Görden durch das Fallbeil hingerichtet.

6000 Seiten Akten

70 Jahre danach hat der 2006 begonnene kirchliche Seligsprechungsprozess ein wichtiges Etappenziel erreicht. Das komplizierte Verfahren ist auf der Ebene der Erzdiözese Freiburg abgeschlossen. Alle Akten – mehr als 6000 Seiten – gehen nun in einer versiegelten Kisten nach Rom, wo die zuständige vatikanische Behörde über eine Seligsprechung entscheiden wird. Bis dahin kann es indes Jahre dauern.