Kriegsfolgen

Trübe Aussichten auf dem Bau

Baden-Württemberg / Lesedauer: 2 min

Die Bauwirtschaft im Südwesten kämpft mit den Folgen des Ukraine-Kriegs. Erholung ist nach Verbandsangaben erst 2024 in Sicht. Die Branche fordert von der Politik weniger Regulierung - und will mehr Frauen in die Betriebe holen.
Veröffentlicht:26.01.2023, 22:49
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Teure Rohstoffe, eine hohe Inflation und steigende Bauzinsen: Die Folgen des Ukraine-Kriegs haben nach Verbandsangaben im vergangenen Jahr die Aussichten für die Bauwirtschaft im Südwesten getrübt. Auch Entscheidungen der Politik, etwa bei Förderprogrammen, dämpften die Erwartungen. 2022 sei der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr preisbereinigt um sieben Prozent gesunken, sagte der Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, Markus Böll, am Mittwoch in Stuttgart. Angesichts der großen Hoffnung der Branche für 2022 sei das eine «dramatische Entwicklung». Dem Optimismus zu Jahresbeginn sei Ernüchterung zum Jahresende gefolgt, hieß es laut Mitteilung.

Für das laufende Jahr prognostizierte der Verbandspräsident ein preisbereinigtes Umsatzminus von acht Prozent. Er geht davon aus, dass sich der Bau erst ab 2024 von dieser «konjunkturellen Delle» erholen werde. Der Bedarf an Wohnraum und an Investitionen in die Infrastruktur sei gewaltig.

Die Preisentwicklung sei sehr oft bei den Unternehmen hängen geblieben, weil Preise mit den Bauherren bereits vereinbart wurden und Bauprojekte schon in der Ausführung waren. Dies habe bei verschiedenen Projekten zu erheblichen Defiziten in den einzelnen Unternehmen geführt, sagte Böll. Insgesamt habe sich die Versorgungslage beim Baumaterial mittlerweile aber deutlich entspannt. Auch bei den Preisen scheine die Spitze erreicht, dennoch blieben die Preise auf einem hohen Niveau.

Um das Bauen attraktiver zu machen, forderte Böll die Vorschriften abzuspecken: «Diese Überregulierung schnürt allen die Luft ab.» Die Politik dürfe nicht noch mehr Vorgaben machen, die das Bauen verteuerten.

Die Branche kämpfe zudem mit dem Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren durch den Abgang der Babyboomer-Jahrgänge weiter verschärfen könnte. Deshalb wolle die Branche künftig auf deutlich mehr Frauen in den Betrieben setzen. «Das Gesicht der Bauwirtschaft muss weiblicher werden», sagte Böll. In den Unternehmen müsse deshalb umgedacht werden. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ortsnahe Baustellen und ein Betriebsklima ohne Diskriminierung seien wichtige Aspekte, um den Bau für Frauen attraktiver zu machen. «Hier haben wir noch ein gutes Stück Arbeit vor uns», sagte Böll.