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Schluss mit Ausweichen

Autobahnmaut-Umgehung ade: Österreich bittet deutsche Urlauber zur Kasse

Region / Lesedauer: 5 min

Wir können bald nicht mehr kostenfrei über die Landstraße von Bayern nach Tirol fahren. Denn mit dem Bau neuer Tunnel wird eine Maut fällig. Was Autofahrer dazu wissen müssen.
Veröffentlicht:09.02.2024, 15:00

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Für Urlauber aus Württemberg und Bayerisch-Schwaben ist die Autostraße über den Fernpass eine wichtige Verkehrsachse in den Süden. Bislang ist die Landstraße, die Füssen und das Außerfern mit dem Inntal bei Innsbruck verbindet, kostenfrei nutzbar.

Ab 2028 ist das vorbei, dann soll die einfache Fahrt im Pkw auf dieser Strecke 14 Euro kosten. Das hat die Tiroler Landesregierung kürzlich bekannt gegeben, als Teil eines sogenannten „Fernpass-Pakets“. Die bayerische Regierung reagiert wenig begeistert.

Erst vor zwei Wochen ist wieder ein Lkw auf der Passstrecke hängen geblieben, da hatten wir sieben Stunden Chaos.

Christian Molzer

Die Straße über den 1216 Meter hohen Fernpass ist immer wieder ein Nadelör, gerade bei winterlicher Witterung. „Erst vor zwei Wochen ist wieder ein Lkw auf der Passstrecke hängen geblieben, da hatten wir sieben Stunden Chaos“, berichtet der Tiroler Landesbaudirektor Christian Molzer im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“.

Deswegen will seine Landesregierung nun die Straße ausbauen. Am Scheitelpunkt der Straße soll ein 1,4 Kilometer langer Tunnel die Passage über den Pass überflüssig machen. Ein weiterer, bereits bestehender Tunnel bei Lermoos wird um eine zweite Röhre ergänzt, sodass es im Tunnel keine entgegenkommende Fahrzeuge mehr gibt. Damit soll ein Unfallschwerpunkt entschärft werden. Beide Tunnel sollen bis 2028 fertig sein, sagt Molzer. Und wenn es so weit ist, werden nördlich und südlich der Passstraße, am Blindsee und bei Nassereith, neue Mautstellen eingerichtet.

Kapazität wird nicht erhöht

Mehr Autofahrer soll die ausgebaute Straße aber nicht anlocken, verspricht die Regierung in Innsbruck ihren Bürgern - beim Thema Durchgangsverkehr reagieren die Tiroler schon lange sensibel. „Die Grundprämisse ist: Wir bleiben bei der bisherigen Kapazität“, bekräftigt Baudirektor Molzer. Allerdings solle die Störanfälligkeit der Strecke sinken.

Derzeit rollen täglich bis zu 30.000 Autos, Lastwagen und Motorräder über den Pass. Mehr als die Hälfte davon kommt - bei großen saisonalen Schwankungen - aus dem Ausland, und zwar ganz überwiegend aus Deutschland. Mit ein wenig Ortskenntnis können Italienreisende auf dieser Route sogar das österreichische Pickerl umgehen, indem sie von Füssen über den Fernpass kommend, im Inntal auf der Landstraße bleiben und erst hinter Innsbruck auf die Brennerautobahn auffahren - diese kostet schon jetzt eine Extra-Maut, die von der normalen österreichischen Autobahnvignette nicht abgedeckt wird.

Weitere Abfahrverbote kommen

Solcherlei Mautflucht kommt bei den Tirolern allerdings gar nicht gut an. Sie reagieren mit der Sperrung von Ausfahrten für Durchreisende. Diese Abfahrverbote, die es an vielen Wochenenden in der Urlaubszeit unter anderem im Raum Innsbruck, bei Kufstein und auch im Außerfern bereits gibt, sollen entlang der Fernpass-Strecke noch ausgeweitet werden. Aktuell prüfe man ein Abfahrverbot für Heiterwang, sagt Molzer. Es dürfte nicht das letzte bleiben. Für Italienreisende könnte es nach Molzers Worten eine kombinierte Vignette für Fernpass und Brenner geben.

Die Nachbarn in Bayern reagieren wenig erfreut auf die Tiroler Maut-Pläne. Nachdem es in der Vergangenheit mit der Blockabfertigung von Lastwagen im Inntal, den Abfahrverboten für Urlauber und dem langsamen Vorankommen der Deutschen Bahn bei der Zulaufstrecke für den Brennerbasistunnel mehr als genug verkehrspolitischen Ärger gab, steht nun womöglich neuer Zwist ins Haus.

Ich habe großes Verständnis für die Verkehrsprobleme in Österreich, aber diese dürfen nicht zu Lasten Bayerns gehen.

Christian Bernreiter

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) fürchtet wie auch der ADAC Ausweichverkehr über Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald. Bernreiter zieht außerdem die europarechtliche Zulässigkeit des Vorhabens in Zweifel. Sein Kabinettskollege Eric Beißwenger (CSU), Europaminister und Abgeordneter aus dem Allgäu, äußert sich zurückhaltender. „Ich habe großes Verständnis für die Verkehrsprobleme in Österreich, aber diese dürfen nicht zu Lasten Bayerns gehen.“ Es brauche künftig bessere Absprachen, um Lösungen zu finden, mit denen alle Seiten leben können.

Kleiner Grenzverkehr bleibt frei

Als gutes Zeichen bewertet Beißwenger im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ die Bereitschaft der Tiroler, ihr nördliches Mauthäuschen erst am Blindsee aufzustellen: „Der kleine Grenzverkehr bleibt frei.“ Auch Pendler, die zwischen dem Ostallgäu und Garmisch die kürzeste Strecke durch Österreich nehmen, müssen nicht zahlen.

Jede Maßnahme, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, ist vernünftig.

Alexander Kreipl

Alexander Kreipl, Leiter des Bereichs Verkehr beim ADAC Südbayern, bedauert die zusätzliche Belastung für Autofahrer. Er sagt aber auch: „Jede Maßnahme, um die Verkehrssicherheit zu verbessern, ist vernünftig.“ Vor allem der Bau der zweiten Tunnelröhre bei Lermoos sei sinnvoll, er entschärfe den gefährlichen Begegnungsverkehr im Tunnel.

Erneut Sperre des Arlbergtunnels

Während die Neuerungen am Fernpass für Autofahrer erst in einigen Jahren greifen, ist eine andere, für deutsche Urlauber ebenfalls wichtige Verkehrsachse schon sehr bald nicht mehr befahrbar, und das für mehrere Monate. Der Arlbertunnel an der Landesgrenze zwischen Vorarlberg und Tirol wird das zweite Jahr in Folge während des Sommerhalbjahres komplett gesperrt - heuer von Ostern und bis Mitte November.

Die in die Jahre gekommene Betonfahrbahn im fast 14 Kilometer langen Arlbergtunnel werde komplett ersetzt, berichtet Alexander Holzedl, Sprecher der Autobahngesellschaft Asfinag. Auch Beschichtungen und Entwässerung würden erneuert. Während im vergangenen Sommer laut Holzedl vor allem der Tiroler Teil des Tunnels saniert wurde, ist in diesem Jahr die Vorarlberger Seite an der Reihe. Außerdem wird bei St. Jakob die Mautstation erneuert. Ab November herrscht wieder freie Fahrt.

Auch am Arlberg werden Autofahrer zusätzlich zum Pickerl ein weiteres Mal zur Kasse gebeten: Eine einfache Passage durch den Tunnel kostet 11,50 Euro.