Kommentar

Schule vor dem Kollaps

Stuttgart / Lesedauer: 2 min

Freiwillige sollen Schulen in Baden-Württemberg entlasten. Das ist eine gute Idee, doch sie löst das Problem der Schulen nicht: den gravierenden Lehrermangel.
Veröffentlicht:17.01.2023, 01:00

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Die Idee ist gut, der Grund für ihre Umsetzung niederschmetternd: Baden-Württemberg will Lehrkräften mehr Pädagogische Assistenten und erstmals auch junge Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr zur Seite stellen. Tragisch ist dies, weil es hierbei nur bedingt um eine Stärkung des Unterrichts und damit der Bildung der Schüler geht. In erster Linie geht es darum, das Bildungssystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Am Mittwoch wird dem Bundestag der aktuelle nationale Bildungsbericht vorgestellt. Überraschungen wird es wohl nicht geben. Dafür ist das Lagebild der Bildung in Deutschland zu klar.

Von den Küsten bis zum Bodensee grassiert ein Lehrermangel, der seit Jahren besteht und viel zu zaghaft bekämpft wird. Ohne Seiteneinsteiger, Pensionäre und hyperengagierte Lehrer wären Unterrichtsausfälle vielerorts längst normal.

In fast allen Bundesländern sind die Leistungen der Kinder und Jugendlichen laut jüngster Bildungsstudien weiter gesunken. Allein in Baden-Württemberg, dem ehemaligen Bildungsmusterland, erreicht jeder fünfte Viertklässler nicht mal die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik.

Das hat etwas mit den Schulschließungen und Einschränkungen während der Corona-Pandemie zu tun – aber längst nicht nur. Bereits beim Pisa-Schock im Jahr 2000 wurde ein Grundübel erkannt: Viel zu sehr hängt Bildungserfolg in Deutschland von der Herkunft und dem sozialen Stand der Eltern ab.

Es gibt also kein Erkenntnisproblem. Seit fast einem Vierteljahrhundert liegen die wissenschaftlichen Fakten auf dem Tisch, die Jahr für Jahr, Studie um Studie bestätigt werden.

Bitter dabei: Mit Bildungspolitik lassen sich keine Wahlen gewinnen, lautet eine Binsenweisheit unter Politikern. Und noch dazu ist Bildung eben extrem teuer.

Dabei ist jeder Euro, der für Bildung ausgegeben wird, extrem gut investiertes Geld. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind die Ingenieure, Ärzte, Pflege- und Lehrkräfte von morgen.

Schon heute bescheinigt das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Deutschland einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Damit dieser sich nicht verschärft, braucht es die klügsten Köpfe.

Die entstehen nicht einfach so, sie wollen ab den jüngsten Jahren gefördert und gefordert werden. Dafür braucht es viel mehr als das politische Lippenbekenntnis „Auf den Anfang kommt es an“.