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Mängelliste

S 21: Land reagiert gereizt auf Mängelliste

Stuttgart / Lesedauer: 3 min

Bahn leitet Expertise zum Brandschutz beim Projekt Stuttgart 21 an Partner nicht weiter
Veröffentlicht:11.10.2012, 22:55

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Die Diskussion um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 hat wieder an Schärfe gewonnen. Eine in der Schweiz erstellte Expertise listet Brandschutz-Mängel beim Neubau des Bahnhofs auf.

Der Befund: Die Planungen entsprächen nicht den Erfordernissen für Neubauten dieser Größenordnung. Nicht nur Stuttgart-21-Gegner reagieren empört.

Mit „freundlichen Grüßen“ unterzeichnen die Absender der Basler Gruner AG das Schreiben an die Bahn, das auch der „Schwäbischen Zeitung vorliegt. Der Inhalt ist für den Konzern weniger erfreulich: Im Kern kritisieren die Autoren, dass die geplanten Evakuierungszeiten für den Tiefbahnhof nicht zu halten seien. Unklar sei auch, ob die vorgesehenen Absaugeeinrichtungen ausreichten. Flüchtende könnten zu früh „kontaminierter Luft“ ausgesetzt sein.

Schon seit der Schlichtung zu Stuttgart 21 nimmt das Thema Brandschutz einen breiten Raum in der Diskussion ein. Die Stuttgarter Feuerwehr wartet seit fast zwei Jahren auf eine tragfähige Lösung. Noch 14Punkte seien nicht geklärt. Insbesondere bei den Tunnelbauten hat die Feuerwehr schon mehrfach auf Risiken hingewiesen. So fordert sie für den fast zehn Kilometer langen Fildertunnel, der zum Flughafen führt, eine Leitung, die bereits mit Wasser gefüllt ist. Die bislang geplante trockene Leitung führe im Katastrophenfall zu einem Zeitverlust von bis zu einer halben Stunde, bis Rettungsmaßnahmen anlaufen könnten.

Die Schweizer Experten, die das Gutachten eines von der Bahn beauftragten Düsseldorfer Büros bewerten sollten, gaben für die Tunnelstrecken noch keine eindeutige Bewertung ab. „Schnellstmöglich durch die Vorlage entsprechender Simulationsergebnisse“ müsse geklärt werden, ob die vorgesehenen Maßnahmen ausreichten.

Die Landesregierung ist empört darüber, dass sie erst über die Medien über den Inhalt des Gutachtens informiert wurde. „Beim Brandschutz geht es um Leib und Leben, da gibt es keine Rabatte. So ein wichtiges Gutachten über die Zeitung zu erfahren, das ist in hohem Maße ärgerlich“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). In einem Brief an Bahnchef Rüdiger Grube schreibt er von „erheblichen Irritationen“. Auch der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster ( CDU ) reagierte sauer: „Ich erwarte von der Bahn, dass sie zum Stand des Brandschutzkonzeptes schnell und umfassend aufklärt.“

In der Endphase des Stuttgarter OB-Wahlkampfs könnten die Bedenken die Chancen des von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützten Kandidaten Sebastian Turnier weiter schmälern. Der reagierte mit der Forderung, „die Bahn muss besser planen und der Stadt besser zuhören“. CDU-Verkehrsexpertin Nicole Razavi sagte, die Diskussion sei „ein durchsichtiges Manöver und erneute taktische Panikmache“.

Die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Bahn wachsen unterdessen. Der Konzern wertet die Schweizer Aussagen allerdings nicht als generelle Absage an die Planungen. Änderungen am Brandschutzkonzept seien „ein ganz normaler Vorgang bei Bauprojekten dieser Dimension“. Zudem sei die Expertise noch nicht belastbar. Aus diesem Grund sei sie auch nicht an die Projektpartner weitergeleitet worden.

Zuletzt war die Bahn schon wegen dreier Zugentgleisungen im Stuttgarter Bahnhof massiv in die Kritik geraten. Derzeit ist deshalb der Zugverkehr beeinträchtigt.