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Bahnprojekt

S-21-Befürworter greifen Deutsche Bahn an

Stuttgart / Lesedauer: 3 min

S-21-Befürworter greifen Deutsche Bahn an
Veröffentlicht:09.02.2013, 17:10

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Zu teuer und zu langwierig: Nach Zweifeln an der Zukunft des Bahnprojekts Stuttgart 21 trommeln Befürworter nun umso lauter für das Bauvorhaben - und kritisieren die Deutsche Bahn.

Nach den Debatten um das Bauvorhaben Stuttgart 21 in den vergangenen Tagen haben Befürworter des Projekts die Deutsche Bahn scharf kritisiert. „Man kann mit Fug und Recht die Frage stellen, ob die Bahn bei der Planung und Durchführung des Milliardenprojekts gut aufgestellt ist“, sagte der Amtsleiter des baden-württembergischen Verkehrsministeriums, Hartmut Bäumer, der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart . „Es liegt nicht an den Landesbehörden, wenn es nicht beim vorgesehenen Zeitplan bleibt.“

Im Laufe der Woche waren Zweifel an der Zukunft des Bahnprojektes aufgekommen. Auslöser war ein internes Papier aus dem Bundesverkehrsministerium . Knackpunkte sind demnach Mehrkosten in Milliardenhöhe und der Zeitplan.

Auch der neue Chef der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart, Georg Fichtner, kritisierte den Konzern. „Die Bahn muss künftig alles tun, den skizzierten Kostenrahmen einzuhalten, der im Dezember dem Bahnaufsichtsrat vorgelegt wurde, und dazu endlich ihre Hausaufgaben machen.“ Zugleich warnte er vor einem Scheitern des Projekts: „Die Wirtschaft ist auf einen leistungsfähigen Bahnknoten, gute Erreichbarkeit und moderne Logistik angewiesen.“

Kretschmann verstimmt

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) bezeichnete die Ungewissheit über den Weiterbau in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ als „schwer erträglich“. Wenn sich der Aufsichtsrat des Konzerns zur Übernahme der Mehrkosten durch die Bahn entscheide und damit grünes Licht für den Weiterbau gebe, „verlange ich eine klare und unmissverständliche Erklärung, dass die Durchfinanzierung das Projekts unter allen Umständen von dem Bauherrn, der Bahn, sichergestellt ist“.

Der bundeseigene Konzern hatte im Dezember mitgeteilt, dass sich der Finanzierungsrahmen für das Bauvorhaben um 1,1 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro erhöhe. Die Mehrkosten will die Bahn stemmen. Hinzu kämen Risiken von 1,2 Milliarden Euro, für die das Unternehmen nicht die Verantwortung übernehmen will. Der Termin der nächsten regulären Aufsichtsratssitzung, bei der über die Übernahme der Mehrkosten entschieden werden soll, ist noch unbekannt.

Bahn will werben

Die Bahn will den Blick künftig mehr auf die Chancen des Vorhabens lenken und nicht nur die Risiken sehen, wie Projektsprecher Wolfgang Dietrich am Samstag erklärte. Baden-Württemberg sei ein Land, das nicht davon lebe, den Status quo zu zementieren, sondern vielmehr von seinem Ruf, die Welt durch Innovation und Ingenieurskunst zu bereichern. Dies müsse auch und gerade durch Großprojekte wie Stuttgart 21 sichtbar werden, um die Spitzenposition des Landes auch in Zukunft zu halten.

Bestätigt sieht sich Dietrich durch eine Emnid-Umfrage, nach der 62 Prozent der Baden-Württemberger den Weiterbau von S 21 und nur 26 Prozent einen Stopp wollen. „Das Votum der Bürger ist eindeutig. Das freut mich umso mehr, als dass die Nachrichten der vergangenen Tage, die auch von interessierten Kreisen befeuert worden sind, nicht dazu beigetragen haben, den Glauben an dieses Projekt zu stärken.“

Die am Freitag bekanntgewordenen Zahlen der im Auftrag des Fernsehsenders N24 ausgeführten Umfrage zeigen bundesweit zwar etwas geringere Zustimmung, allerdings ist die Zahl der Befürworter auch dort höher als die der Gegner: 48 Prozent der rund 1000 Befragten stimmten für einen Weiterbau, 37 Prozent dagegen.