Schienenprojekt

Runder Tisch zu Stuttgart 21 steht vor dem Scheitern

Stuttgart / Lesedauer: 2 min

Runder Tisch zu Stuttgart 21 steht vor dem Scheitern
Veröffentlicht:29.09.2010, 21:00
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

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Die Deutsche Bahn und die Landesregierung Baden-Württembergs wollen mit neuen Köpfen das wichtigste Schienenprojekt in Süddeutschland vorantreiben. Doch mit der Offensive in der Öffentlichkeitsarbeit steht der gerade begonnene Dialog von Gegnern und Befürwortern bereits vor dem Scheitern, bevor er überhaupt richtig begonnen hat.

Eigentlich sollte ab heute das konstruktive Miteinander zwischen Gegnern und Befürwortern so richtig Fahrt aufnehmen: Nach dem ersten Abtasten am Freitag hatten die Kontrahenten sich vorgenommen, mit dem Dialog über mögliche Kompromisse die verhärteten Fronten im Kampf um das größte Bahnprojekt des Südens aufzubrechen. Doch danach sieht es jetzt eher nicht aus.

Im Gegenteil: Der erste direkte Dialog könnte der letzte gewesen sein – und der Kampf vor dem Bauzaun schon bald weiter eskalieren. Der Initiator des ersten Treffens, Stadtdekan Michael Brock, glaubt zwar, es könne weitere Treffen geben. Doch die Fakten sprechen dagegen. Denn die Projekt-Gegner haben der Bahn nun faktisch ein Ultimatum gesetzt. Bis in einer Woche sollen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof ruhen, sonst wird es keine weiteren Gespräche geben.

Genau das aber lehnen Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus ( CDU ) und der Bahnchef Rüdiger Grube kategorisch ab – und schließen zugleich mit einer symbolträchtigen Neubesetzung die Reihen der Befürworter: Mappus und Grube haben – fast zeitgleich und abseits der ersten Dialog-Gespräche – am Flughafen ein neues Führungsduo bei der Kommunikation für S21 präsentiert: Der ehemalige Stuttgarter Regierungspräsident Udo Andriof (CDU) und der Leonberger IT-Unternehmer Wolfgang Dietrich ersetzen den SPD-Politiker Wolfgang Drexler. Er hatte das Handtuch geworfen, weil seine Partei inzwischen den Baustopp fordert.

Derweil sorgt die Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Landtagswahl im März quasi zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 zu machen, für Unruhe in der CDU. Volker Kauder, Chef der Unionsfraktion im Bundestag, relativierte die Aussagen. „Die Landtagswahl ist beileibe keine Abstimmung über Stuttgart 21. Die Bürger wissen, dass es im Kern darum geht, ob Baden-Württemberg weiter ein starkes Land ist“, sagte der Tuttlinger CDU-Politiker.