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Große Auszeichnung für Schwäbische Zeitung

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Große Auszeichnung für Schwäbische Zeitung
Veröffentlicht:24.11.2017, 19:41
Aktualisiert:23.10.2019, 00:00

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Der „Petersburger Dialog“ hat die „Schwäbische Zeitung“ am Freitagabend in Berlin für die Multimedia-Reportage „Schmerz“ mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Yannick Dillinger , stellvertretender Chefredakteur und Leiter Digitales der „Schwäbischen“, nahm den Preis entgegen. Dem Projektteam gehörten an: Yannick Dillinger, Christian Schellenberger, Martin Hennings, Simon Haas, Michael Scheyer, David Weinert und Alexei Makartsev.

Auf russischer Seite freute sich Anastasia Arinushkina (russische Redaktion bei „Deutsche Welle“) über die diesjährige Auszeichnung. Den Sonderpreis bekam der exzellente Russland-Spezialist und frühere Hörfunkdirektor des BR, Professor Dr. Johannes Grotzky.

„Wir freuen uns sehr über diesen renommierten Preis“, sagt Chefredakteur Hendrik Groth. „Er zeichnet ein Projekt aus, auf das wir wirklich stolz sind. Das Projektteam hat das Flugzeugunglück von Überlingen , bei dem vor 15 Jahren 71 Menschen - darunter 52 russische Kinder - starben,  in angemessener Tonalität, modern und äußerst professionell aufgearbeitet. Ein Meilenstein war auch die russische Übersetzung.“ Die Jury sah das genauso.

Die Jury-Begründung im Wortlaut:

„Für die Multimedia-Reportage 'Schmerz' verleiht der Petersburger Dialog den Peter-Boenisch-Gedächtnispreis an Yannick Dillinger. Dem Autor und seinem Team ist es gelungen, das tragische Unglück des Flugzeugabsturzes bei Überlingen am 1. Juli 2002 dem heutigen Betrachter sowohl mit Mitteln der klassischen Reportage, als auch den modernsten Möglichkeiten des digitalen Storytellings nahezubringen. Die Jury kommt zu dem Urteil: großartiger Journalismus, der alle modernen Darstellungsmöglichkeiten souverän beherrscht, sie aber dem Thema gegenüber äußerst respektvoll einzusetzen weiß.“

Das Projekt:

Am Abend des 1. Juli 2002 stoßen im Himmel über Owingen bei Überlingen am Bodensee zwei Flugzeuge zusammen: DHL-Flug 611 und Bashkirian Airlines-Flug 2937. Alle 71 Insassen sterben, unter ihnen befinden sich 52 russische Kinder. Witali Kalojew, ein Angehöriger, tötet zwei Jahre später den damals diensthabenden Fluglotsen Peter Nielsen. Das Unglück von Überlingen hat die Leben vieler für immer verändert - in Russland wie am Bodensee.

Die „ Schwäbische Zeitung “ hat Anfang Juli 2017 in einer aufwendigen Multimedia-Reportage Menschen zu Wort kommen lassen, deren Leben durch das Flugzeugunglück von Überlingen geprägt wurde. Auf www.schwaebische.de/schmerz erzählt etwa Bernhard Kitt, wie er Kinderleichen in seinem Obstgarten entdeckte, Sulfat Chammatov lässt die Betrachter Anteil nehmen an seiner Trauer über den Tod seines Sohns an Bord des russischen Flugzeugs, Hans-Peter Walser blickt auf seine schwierigen Aufgaben als Einsatzleiter inmitten des Chaos zurück, die Journalisten Martin Hennings und Alexei Makartsev schildern ihre Suche nach Worten für eine Katastrophe, für die es eigentlich kaum Worte geben konnte.

Sie alle – und einige Menschen mehr – sind die Protagonisten in einem „Storytelling“, das in Videos, 360-Grad-Panoramen, Bildern und Texten versucht, des historischen Ereignisses angemessen zu gedenken. Eine russische Version der Multimedia-Reportage finden Sie unter www.schwaebische.de/bol .

Die Intention:

Wieso die „Schwäbische Zeitung“ so viel Kraft investiert hat für dieses Leuchtturmprojekt, hat Yannick Dillinger im Interview mit dem Branchendienst „Kress“ beantwortet.​

Die Reaktionen:

Tausende Menschen - Deutsche und Russen - haben auf schwäbische.de, Facebook, bashinform.ru und Twitter über das Unglück von damals diskutiert. 56 Prozent der Leser sind jünger als 34 Jahre. 47 Prozent der Leser sind weiblich, 53 Prozent männlich. Das Feedback war durchweg positiv.

Auch aus Russland erreichten die „Schwäbische Zeitung“ Dutzende positive Stimmen. „Wir hatten uns für die russische Übersetzung und die Suche nach einem Partner, der das Spezial auf seinen Kanälen ausspielt, entschieden, da das Thema natürlich besonders in Russland auch 15 Jahre danach noch überaus präsent ist. Wir wollten aktiv den Dialog zwischen Russen und Deutschen fördern - analog wie digital“, erklärt Yannick Dillinger.

Der Peter-Boenisch-Gedächtnispreis:

Mit dem Peter-Boenisch-Gedächtnispreis zeichnet der „Petersburger Dialog“ jedes Jahr jeweils einen jungen Journalisten aus Deutschland und Russland aus. Zudem wird ein Sonderpreis vergeben.

Alle Preisträger haben laut Jury durch eine sachgerechte und lebensnahe Darstellung des Lebensalltags im jeweils anderen Land zum besseren Verständnis zwischen Deutschen und Russen beigetragen. Der Preis wird im Gedenken an den 2005 Journalisten Peter Boenisch (1927 - 2005) verliehen, der sich als Gründungsvorsitzender des „Petersburger Dialogs“ für die Verständigung zwischen Russen und Deutschen, besonders für die junge Generation, eingesetzt hatte.

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