StartseiteRegionalBaden-WürttembergPer Bahn zum Skifahren: Vom Bodensee–Airport nur schwer zu machen

Flughafen in Alpennähe

Per Bahn zum Skifahren: Vom Bodensee–Airport nur schwer zu machen

Friedrichshafen / Lesedauer: 4 min

Der Bodensee–Airport lockt Skitouristen an. Beim Transfer zu den Skiorten fällt Bahn dann aber weitgehend aus — doch eine gute Nachricht für Skifreunde gibt es.
Veröffentlicht:01.08.2023, 05:00

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Am Bodensee–Airport war die Nachricht ein Grund zur Freude: Im kommenden Winter bietet die Lufthansa eine wöchentliche Direktverbindung nach London–Heathrow an. Zielgruppe sind vor allem britische Skiurlauber, die damit die Auswahl zwischen zwei Fluggesellschaften haben: Neben Lufthansa verbindet auch der britische Billigflieger Easyjet London–Gatwick mit dem Bodensee.

Von Friedrichshafen reisen die Briten weiter in die Alpen — und zwar mit dem Bus oder mit dem Auto. Dem Fahrgastverband Pro Bahn gefällt das nicht. Er sähe es lieber, wenn die Winterurlauber mit dem Zug weiterreisen könnten.

„Wenn die Skiurlauber ein Package bei einem Reiseveranstalter gebucht haben, schließt das in der Regel einen Bustransfer ein“, sagt Flughafen–Sprecher Bernd Behrend über die Weiterreise der Briten vom Bodensee–Airport. „Wenn sie individuell anreisen, bekommen sie einen Shuttle–Service vom Hotel, oder sie nehmen einen Mietwagen.“

Jeden Samstag kommen im Winter zwei Flieger an

Ab 16. Dezember landet jeden Samstag bis Mitte März um 16.45 Uhr ein Airbus A320 der Lufthansa, der bis zu 180 Passagiere fasst. Easyjet landet um 12.25 Uhr mit einem A319. Dieser bietet 140 Menschen Platz. Es fahren also viele Autos zur selben Zeit an die selben Orte am Arlberg, im Montafon oder Brandnertal. Und das, obwohl der Flughafen Friedrichshafen — anders als etwa der Allgäu Airport in Memmingen — einen eigenen Bahnhalt hat.

Seit die Südbahn elektrifiziert ist, wäre der Einsatz durchgehender Züge nach Vorarlberg möglich. „Die Lufthansa kennt die Kundenwünsche offensichtlich gut oder erwartet zumindest ein gewisses Potenzial an Skiurlaubern“, sagt Matthias Beß, stellvertretender Landesvorsitzender von Pro Bahn in Baden–Württemberg. „Eher weniger kundenfreundlich ist es, diese dann am Flughafen Friedrichshafen sich selbst zu überlassen.“

Sonderzüge oder Taktzüge

Der Fahrgastverband wirbt dafür, eine möglichst umsteigefreie Reise der Gäste auf der Schiene zu möglichen. Beß bringt sowohl den Einsatz möglicher Sonderzüge ins Spiel als auch Züge, die in den normalen Takt eingebunden sind — die aber die Bedürfnisse der Skitouristen mit ihrem teils sperrigem Gepäck berücksichtigen. Würden solche Züge vom Bodensee–Airport beispielsweise durchgängig bis Bludenz, Langen am Arlberg oder St. Anton fahren, könnte der Einsatz der Hotel–Shuttles auf deutlich kürzere Strecken reduziert werden.

Immerhin hat das Land Vorarlberg die „nachhaltige Entwicklung“ als einen von vier „Werten“ in seiner offiziellen Tourismusstrategie verankert. Daher könne man sich gut vorstellen, ein solches Angebot zu bewerben und die Hotellerie im Land darin zu bestärken, dieses „aktiv an die Gäste zu kommunizieren“, teilt Daniela Kaulfuß, Sprecherin von Vorarlberg Tourismus, mit.

Enge Fahrpläne auf der Südbahn

Wenn es ein solches Angebot denn gäbe. Zu entsprechenden Überlegungen ist dem Vorarlberger Tourismusverband aber nichts bekannt, ebenso wenig wie einer Sprecherin der Deutschen Bahn. Umsteigefrei geht es vom Flughafen bislang nur bis zum Friedrichshafener Stadtbahnhof. Am Airport stoppt lediglich einmal stündlich die Bodensee–Oberschwaben–Bahn.

Für Skifahrer etwa aus Oberschwaben, die vom Volumen her sicherlich eine interessantere Zielgruppe wären als Flugreisende aus London, wäre eine solche Verbindung äußerst interessant.

Matthias Beß

Der Halt zumindest eines IRE–Zuges sei dort nicht möglich, heißt es vom baden–württembergischen Verkehrsministerium. Ein Ministeriumssprecher verweist auf die „enge Fahrzeit“ auf der Südbahn — gemeint sind die festen Zeiten, die der Fahrplan etwa durch die Wende des Zuges in Friedrichshafen und die Anschlüsse in Aulendorf einhalten muss.

Sonderzüge würden in der Regel nicht ausreichend angenommen und könnten aus technischen Gründen nicht am Flughafen starten, so der Sprecher weiter. Hinzu komme, dass die Strecke „mit den Bestandsverkehren schon sehr stark ausgelastet“ sei. Letzteres zielt vor allem auf den weit gehend eingleisigen Streckenabschnitt Friedrichshafen–Lindau. Die Idee, die Kapazität auf diesem Abschnitt im Zuge der Südbahn–Elekrtifizierung durch den Bau eines zweiten Gleises zu erhöhen, war vor Jahren verworfen worden.

Mehr Direktverbindungen nach Vorarlberg

Eine gute Nachricht hat das Verkehrsministerium aber doch: Das Land plane grundsätzlich, die Anbindung Friedrichshafens an Vorarlberg zu verbessern, so der Sprecher. „Dabei soll es künftig mehr Direktverbindungen in Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg geben.“

Für den Skitourismus in der Region spielen die Briten eine eher untergeordnete Rolle. Laut Vorarlberg Tourismus stehen sie für zwei Prozent der Ankünfte in der Wintersaison. Durchgehende Züge vom Bodensee–Airport über Friedrichshafen in die Wintersportregionen als Teil des normalen Fahrplans wären aber auch für Einheimische attraktiv, meint Matthias Beß von Pro Bahn: „Für Skifahrer etwa aus Oberschwaben, die vom Volumen her sicherlich eine interessantere Zielgruppe wären als Flugreisende aus London, wäre eine solche Verbindung äußerst interessant.“