Notbetrieb

Umfrage zeigt eklatanten Lehrermangel im Land: Jede zehnte Grundschule arbeitet im Notbetrieb

Baden-Württemberg / Lesedauer: 2 min

Dass Lehrer und Lehrerinnen im Land fehlen, ist per se nichts Neues. Wie es aber wirklich um den Lehrermangel bestellt ist, zeigt eine Umfrage an den Schulen. Das Ergebnis ist erschreckend.
Veröffentlicht:05.10.2022, 10:29
Aktualisiert:05.10.2022, 13:05

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Jede zehnte Grundschule in Baden-Württemberg kann derzeit den vorgesehenen Unterricht nicht vollständig erteilen, weil Lehrer fehlen. Auch an jeder Sekundarschule und 40 Prozent der Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) kann wegen fehlender Lehrkräfte nur im Notbetrieb gearbeitet werden.

Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung Baden-Württemberg an 884 Schulen im Land. Befragt wurden Schulleitungen einige Wochen nach Start des Schuljahres, und zwar zwischen dem 22. Und 27. September.

„Unterm Strich sind wir über alle Schularten hinweg an einem kritischen Punkt angekommen“, sagte VBE-Landeschef Gerhard Brand am Mittwoch in Stuttgart. Die Qualität sei des Schulsystems sei bedroht. Auch in jenen Schulen, die den Regelbetrieb aufrechterhalten könnten, seien zum Teil drastische Maßnahmen notwendig geworden. So seien an jeder fünften Grundschule weniger als 90 Prozent der Lehrerstellen besetzt. In 40 Prozent der Fälle seien Klassen zusammengelegt worden, in 20 Prozent erteilten Pensionäre oder Personal ohne Lehramtsausbildung Vertretungsstunden.

15 Prozent der Stellen bleiben zum neuen Schuljahr unbesetzt

Auch bei den weiterführenden Schulen außer Gymnasien und Berufsschulen gibt es, laut Brand, einen „dramatischen Lehrermangel“. Dort laufe an jeder fünften Schule ein Notbetrieb. Von den übrigen Schulen falle in der Hälfte der Standorte Unterricht aus, es wurden auch hier Klassenbereiche zusammengelegt. „Baden-Württemberg war mal ein Bildungsland, stand in jedem Ranking auf den vorderen Plätzen. Das ist lange vorbei.“ Bei den Sonderschulen sei der Mangel zum Teil so dramatisch, dass es im Winter durch Krankheitsausfälle zu Schulschließungen kommen könne.

Schon zu Schuljahresbeginn hatten laut Kultusministerium 890 Lehrer in Baden-Württemberg gefehlt, damit waren 15 Prozent der Stellen nicht besetzt. Die Situation werde seit Jahren immer schlechter, so Brand. Wenige Wochen nach Start des Schuljahres habe sich die Situation noch einmal verschärft, sagte Brand.

Weitere Engpässe durch Krankheiten, Grippesaison, Corona-Infektionen oder Schwangerschaften seien zu erwarten. „Wir erwarten von der Politik, dass sie sich ehrlich macht und den Blick auf die desolate Situation nicht verschleiert“. Das gelte weniger für Grünen-Kultusministerin Theresa Schopper als für Spitzenpolitiker in Fraktionen und Parteien. Vor allem Grundschullehrer müssten besser bezahlt werden, die Arbeitsbelastung gesenkt, um den Beruf für Nachwuchs attraktiver zu machen. „Ohne massive Anstrengungen und Investitionen können wir die Qualität nicht halten“, erklärte Brand.