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Solarpflicht

Kretschmann will Solarpflicht auf allen Dächern

Donaueschingen / Lesedauer: 2 min

Regierungschef gehen die bisherigen Regelungen nicht weit genug
Veröffentlicht:24.09.2022, 17:36

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat beim Parteitag seiner Landesgrünen die Bürger im Land in die Pflicht genommen. Konkret schwebt dem Regierungschef vor, alle Hausbesitzer dazu zu verpflichten, Solaranlagen auf ihren Dächern zu montieren. Nicht nur der Staat, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger müssten Verantwortung in den Zeiten der Krisen und des Wandels übernehmen.

„Ich möchte die Solardachpflicht für alle Gebäude im Land“, sagte Kretschmann zum Auftakt des zweitägigen Parteitags in Donaueschingen. Für Neubauten aller Art gilt eine solche bereits, für grundlegende Dachsanierungen ist sie schon beschlossen und kommt zum Jahreswechsel. „Jedes geeignete Haus im Land soll ein kleines Sonnenkraftwerk werden.“

Dass mit einer solchen Regelung tief ins Eigentumsrecht der Menschen eingegriffen würde, sei schwierig. Aber: „In einer Krise muss man auch disruptiv denken.“ Es sei doch „Wahnsinn“, die Infrastruktur an Dächern im Land nicht zu nutzen. Wären alle mit Photovoltaikanlagen ausgestattet, könnten damit 17 Millionen Haushalte im Land versorgt werden – drei Mal so viele als es im Südwesten gibt. 80 Prozent des Strombedarfs könne damit abgedeckt werden.

Das sei zwar nicht von heute auf morgen möglich, Kretschmann sprach von Zeithorizont 2035. Man dürfe aber nicht endlos lange über den Eigentumsbegriff streiten, sagte er. „Das ist der Spirit, den ich aus dem Silicon Valley mitgenommen hab“, nämlich Dinge zu ermöglichen und groß zu denken. Das sei schließlich schon immer der Kern der Grünen gewesen und habe die Partei gerade in ihren Anfängen stark gemacht.

Den Menschen sei es zumutbar, sie auch in die Pflicht für die Gesellschaft zu nehmen, so Kretschmann. Er klang dabei ein wenig wie der US-Präsidenten John F. Kennedy in seiner Antrittsrede von 1961, in der er frei übersetzt sagte: Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann, sondern was Du für Dein Land tun kannst.“ Kretschmanns Version: „Die Botschaft lautet also nicht nur, ,wir kümmern uns’, sondern auch, ,wir brauchen Euch’“.