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Population im Bodensee begrenzen

Kormoran: Regierung will Zeitplan für weiteres Vorgehen erarbeiten

Baden-Württemberg / Lesedauer: 4 min

Im Landtag wird debattiert, wie die Kormoran-Population am Bodensee wirksam begrenzt werden kann. Ein Antrag aller Fraktionen soll das Vorhaben voranbringen.
Veröffentlicht:31.01.2024, 19:30

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Die Kormoran-Population am Bodensee soll wirksam begrenzt werden. Außerdem sollen Fischer und Betreiber von Aquakulturen Entschädigungen erhalten, wenn ihnen Verdienst durch Kormorane entgeht. Baden-Württembergs Landesregierung soll einen Zeitplan für das weitere Vorgehen erarbeiten. Das verlangen alle Landtagsfraktionen von Umweltministerin Thekla Walker (Grüne). Einen entsprechenden Antrag verabschiedeten die Abgeordneten der Regierungsparteien Grünen und CDU, aber auch die Oppositionsparteien AfD, SPD und FDP am Mittwoch in Stuttgart.

Es geht jetzt darum, dass wir ein internationales Kormoran-Management auf den Weg bringen.

Thekla Walker

Die zuständige Landesumweltministerin Thekla Walker sagte dazu, man befinde sich bereits auf einem guten Weg, um das Problem zu lösen. „Es geht jetzt darum, dass wir ein internationales Kormoran-Management auf den Weg bringen“. Ohne solche Absprachen mit den übrigen Bodensee-Anrainern seien Maßnahmen nicht sinnvoll. „Wir prüfen auch, ob Eingriffe in Brutkolonien rechtlich möglich sind“, so Walker.

So viele Kormorane gibt es am Bodensee

Seit Jahren wachsen die Kormoran-Kolonien am See stark. So zählte die Landesanstalt für Umwelt (LUBW) 2022 rund 1780 Brutpaare im Südwesten, 1200 davon am Bodensee. Das bringt Probleme für den Fischebestand im See, für die Berufsfischer und das gesamte Ökosystem mit sich. Insgesamt sind das 500 mehr als zwei Jahre zuvor. Die größten Kolonien liegen am Bodensee.

Hinzu kommen durchziehende Vögel und einzelne Kormorane, der Bestand gesamt wird allein am baden-württembergische Bodensee-Ufer auf 6000 Tiere geschätzt. Sie fressen pro Jahr rund 300 Tonnen Fisch, ihr aggressiver Kot zerstört Bäume und Vegetation. Welche Auswirkungen das auf Fischbestand und das gesamte Ökosystem am See hat, ist laut mehrerer Studien nicht genau zu beziffern - doch dass es in Teilen problematische Konsequenzen etwa für andere gefährdete Arten gibt, ist unbestritten.

Streit um Begrenzung

Wie man die Population begrenzt, ist dagegen seit Jahrzehnten Streitpunkt vor allem zwischen Naturschützern und Berufsfischern. Zuletzt hatten sich die Beteiligten unter Moderation der grün-schwarzen Landesregierung auf ein Positionspapier geeinigt - das am Ende aber Naturschutzverbände doch ablehnten. Aus ihrer Sicht ist eine massive Reduzierung der Kormoran-Kolonen nicht notwendig.

Die Landesregierung hat beim Kormoran-Problem lange nach Vogel-Strauß-Manier den Kopf in den Sand gesteckt.

Klaus Hoher

Die FDP im Landtag hatte daher wissen wollen, wie es mit den Kormoranen weitergeht und das Thema auf die Tagesordnung des Landtags gesetzt. Die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU einigten sich daraufhin auf einen eigenen Antrag an die Landesregierung, dem schlossen sich dann auch die Oppositionsfraktionen von FDP und SPD an. Die Abgeordneten fordern darin einen Zeitplan für das weitere Vorgehen. Außerdem soll eine EU-Richtlinie auch in Baden-Württemberg umgesetzt werden. Diese eröffnet den Bundesländern die Möglichkeiten, Berufsfischern und Besitzern von Aquakulturen vom Kormoran verursachte Verdienstausfälle zu ersetzen. Doch bislang nutzt Baden-Württemberg diese rechtliche Möglichkeit nicht.

FDP-Mann Hoher kritisiert Landesregierung

Der FDP-Abgeordnete Klaus Hoher kritisierte: „Die Landesregierung hat beim Kormoran-Problem lange nach Vogel-Strauß-Manier den Kopf in den Sand gesteckt“. Es sei aber gut, dass es nun auch von den Regierungsfraktionen mehr Druck in der Sache gemacht werden. „Der Kormoran ist ein schützenswerter Vogel, aber wenn er zur Plage wird, muss man etwas unternehmen“, forderte Hoher - auch und ganz besonders im Interesse der Berufsfischer.

Für die CDU ist der Kormoran mittlerweile ein „Problemtier“ geworden, so die Unions-Abgeordnete Sarah Schweizer. Er bereite Menschen und anderen Tieren Schwierigkeiten. „Ich erwarte von der Landesregierung, dass bis zum Ende der Brutsaison, also noch vor der parlamentarischen Sommerpause, Lösungen vorliegen.“

Hartes Schicksal für Berufsfischer

Der SPD-Politiker Hans-Peter Storz nahm vor allem die Situation der Berufsfischer in den Blick. Der Kormoran rage dazu bei, dass die Fischbestände schwänden. „Die Zahl der Berufsfischer geht rapide zurück. Dieser Beruf stirbt leise, die Fischer werden irgendwann einfach nicht mehr da sein. Das ist traurig“, sagte Storz. Dennoch stimme seine Fraktion dem Antrag von Grünen und CDU zu, er sei ein Schritt in die richtige Richtung.

Aus diesem Grund votierte auch die AfD dafür. Es sei seit Langem klar, dass der Kormoran massive Probleme verursache. „Sie weisen auf Jahren auf das Problem hin, konkrete Lösungen benennen sie nicht“, sagte der AfD-Abgeordnete Bernhard Eisenhut in Richtung der FDP. Auch die Regierung habe nur Gespräche geführt, ohne zu handeln. Das müsse sich dringend ändern.