Informationskampagne

Kendine Güven - Mach eine Ausbildung

Stuttgart / Lesedauer: 3 min

Land, Industrie- und Handelskammern werben bei Jugendlichen mit türkischen Wurzeln
Veröffentlicht:31.03.2014, 19:00
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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„Baden-Württemberg braucht dich!“ Oder auf türkisch: „Baden-Württemberg‘in sana ihtiyac1 var!“ Die Landesregierung spricht mit einer neuen Informationskampagne zusammen mit dem Industrie- und Handelskammertag gezielt zunächst türkischstämmige Jugendliche an, um diese für eine Ausbildung zu begeistern. Am Montag stellten Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) und der baden-württembergische Kammerpräsident Peter Kulitz das Konzept vor.

Das Maskottchen Ibuza (Azubi von hinten gelesen) gibt der Kampagne ein Gesicht. Es erinnert an einen völlig deformierten Außerirdischen. Ein übergroßer Kopf sitzt auf einem spindeldürren Hals. Um die Hüfte baumelt ein Gurt mit Werkzeug, in der Hand hält der Werbeträger einen Akkubohrer. Für die Figur des Ibuza haben dessen Macher aber schon einen Wirtschaftsfilmpreis erhalten.

Rund 1,7 Millionen Menschen ohne einen Berufs- oder Hochschulabschluss leben im Land. „Wir können uns eine so große Zahl an ungelernten Kräften nicht länger leisten“, betont Schmid. Unter Zugewanderten oder Kindern aus Migrantenfamilien sind Ungelernte besonders stark vertreten. Die türkische Bevölkerungsgruppe rückt laut Schmid deshalb zunächst in den Mittelpunkt, weil sie mit einem Anteil von 19 Prozent unter den Migranten die größte Gruppe stellt. Rund 200000 Euro sind für die Kampagne vorgesehen, für Nils Schmid sowohl aus wirtschaftlichen als auch sozialen Gründen gut angelegtes Geld.

Peter Kulitz will insbesondere bei den Eltern der Jugendlichen dafür werben, nicht von vorneherein in einem akademischen Abschluss das Optimum zu sehen. „Alle Prognosen zeigen, dass wir vor allem auf der mittleren Qualifikationsebene Engpässe bekommen werden.“ Deshalb erneuert er seine Forderung, an den Schulen die berufliche Orientierung stärker auszubauen. Einen Vorteil für die im Ausland engagierten Firmen sieht er darin, den Nachwuchs in spe bei Bedarf auch an nichtdeutschen Standorten einzusetzen. Gerade in der Türkei, Nils Schmid stattet dem Land demnächst einen Besuch ab, seien immer mehr baden-württembergische Firmen präsent. „Kendine Güven, Meslek Ögren“ (Mach eine Ausbildung, lerne einen Beruf) steht in dicken Lettern auf den Broschüren und im neuen Internetportal. Unter anderem sollen sogenannte Berufswerber, 60 sind derzeit im Land schon unterwegs, jeweils muttersprachlich über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt informieren und auch Tipps für Bewerbungsgespräche geben. Häufig scheiterten Jugendliche schon an dieser ersten Schwelle.

Nicht nur der Notenschnitt zählt

Als vorbildlich bei der Integration gilt die Firma Mader aus Leinfelden-Echterdingen, ein Spezialist für Drucklufttechnik mit 80 Mitarbeitern. Deren Geschäftsführer Werner Landhäußer rät allen Personalabteilungen, „Zeugnisse anders zu lesen“. Nicht der Notenschnitt sei in seinem Haus der alleinige Gradmesser. Mehr als die Hälfte der zehn Azubis hat einen Migrationshintergrund. Auf Nachwuchssuche geht die Firma auch durch Schulpartnerschaften, die Personalleiterin ist türkischstämmig. Bei Betriebsfesten ist es längst üblich, zwei Grills aufzustellen, damit sich auch der muslimische Teil der Belegschaft wohl fühlt. Mader bezeichnet seine Firma als attraktiven Arbeitgeber für „alle offenen und neugierigen Menschen“. Das hat sich herumgesprochen. Vor knapp einem Jahr besuchte schon Kanzlerin Angela Merkel den Vorzeigebetrieb.

Mehr unter

www.gut-ausgebildet.de und

www.meslek-bw.de