Waldkindergarten

Gemeinderat besichtigt Waldkindergarten

Denkingen / Lesedauer: 3 min

Denkinger holen sich Anregungen in Wellendingen zum Bau einer neuen Kita
Veröffentlicht:29.07.2022, 12:05
Aktualisiert:29.07.2022, 12:06

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Die Kindertagesstätten in Denkingen stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen, so wie in vielen anderen Kommunen im Land. Der Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg Steffen Jäger hat daher jüngst in einer Pressemitteilung des Gemeindetags vor einem Kollaps des frühkindlichen Bildungssystems gewarnt. Personalmangel und mangelnde Flexibilisierungsmöglichkeiten würden dazu führen, dass im Land tausende von Kindern keinen Kita-Platz bekommen.

Die Verwaltung in Denkingen werde deshalb noch einmal anhand der Geburten, Zuzüge und Belegung der Einrichtungen die Zahl der künftig notwendigen Kindergartenplätze berechnen, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde. Klar sei dabei allerdings auch, dass sich die Gemeinde aus ganz unterschiedlichen Gründen keinen Neubau eines weiteren Gruppenraums werde leisten können. Im Schnitt rechne man hier für einen Gruppenraum mit Bau- und Einrichtungskosten von einer Million Euro.

Daher hat Bürgermeister Rudolf Wuhrer bereits auf der letzten Gemeinderatsklausur vorgeschlagen sich einmal mit dem Thema „Waldkindergarten“ zu beschäftigen. Zum einen liege diese Art der Kinderbetreuung derzeit stark im Trend und zum anderen könne ein Waldkindergarten in der Regel mit Investitionskosten von zirka 150 000 bis 250 000 Euro realisiert werden. Auch die laufenden Kosten, wie zum Beispiel Energie und Unterhalt seien wesentlich günstiger.

Während sich die Gemeindeverwaltung schon länger mit dem Thema beschäftige, habe nun der Gemeinderat (anwesend waren fünf von zwöl Gemeinderäten: Gemeinderätin Monika Fischer, sowie die Gemeinderäte Jürgen Thieringer, Martin Schnee, David Dreher und Florian Ott) zusammen mit dem Bürgermeister und Hauptamtsleiter Frank Nann den Waldkindergarten in Wellendingen besichtigt.

Wellendingens Bürgermeister Thomas Albrecht sowie die Leiterin des Waldkindergartens Michaela Geiger haben dem laut Pressemitteilung interessierten und am Ende der Besichtigung auch begeisterten Gemeinderäten die Einrichtung, die Entstehungsgeschichte und der tägliche Ablauf vorgestellt. Kernstück des Waldkindergartens ist ein Kindergartenwagen als Aufenthaltsraum und Beschäftigungsraum bei sehr schlechtem Wetter. Diese Wagen würden beispielsweise in Aixheim hergestellt und hätten derzeit eine Lieferzeit von ein bis eineinhalb Jahren. Sie werden jeweils individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Auftraggebers abgestimmt. Die Alternative wäre somit auch ein Blockhaus.

Der Wellendinger Waldkindergarten kommt ohne Strom und fließendes Wasser aus, heißt es in der Pressemitteilung. Die Toilette ist eine Bio-Toilette und das Wasser wird täglich frisch mit Kanistern von den Eltern gebracht. Für die Kinder sei der Waldkindergarten ein einziger und großer Abenteuerspielplatz, der laut der Leiterin Michaela Geiger wenige Regeln kennt, die aber sehr konsequent umgesetzt werden. Der sehr intensive Kontakt mit der Natur, das Erkunden der Natur und das intensive Erleben der unterschiedlichen Jahreszeiten formten die Kreativität und Sozialkompetenz der Kinder.

Bürgermeister Albrecht berichtete über die vielen bürokratischen Hemmnisse und Hürden die mit dem Bau und Betrieb eines solchen Kindergartens verbunden gewesen seien – letztendlich eine typisch deutsche Baustelle mit dem typisch deutschen Bürokratiemonster. Das Interesse an dem Waldkindergarten sei weiter sehr groß. Er besteht aus einer Gruppe mit 20 Kindern, wobei es bereits eine Warteliste mit derzeit 4 Kindern gibt. Er wird als Kindergarten mit verlängerter Öffnungszeit geführt. Der Waldkindergarten habe auch dazu geführt, dass es nunmehr in den eigentlichen Kindergärten wieder freie Plätze gebe.

Zum Schluss bedankte sich Bürgermeister Rudolf Wuhrer für die interessanten Einblicke. Die Resonanz der anwesenden Gemeinderäte war laut Pressemitteilung sehr positiv und beeindruckend.