StartseiteRegionalBaden-WürttembergKomplizierte Grundsteuererklärung für BaWü? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen

Grundsteuererklärung

Komplizierte Grundsteuererklärung für BaWü? Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen

Ravensburg / Lesedauer: 6 min

Steuerzahlerbund Baden-Württemberg hat Fragen zur Steuerreform beantwortet
Veröffentlicht:15.09.2022, 08:38

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Bis Ende Oktober müssen Eigentümer von Grundstücken in Baden-Württemberg eine Grundsteuererklärung abgeben. Wer dazu noch Fragen hatte, konnte diese am Dienstag im Webinar des Steuerzahlerbunds Baden-Württemberg und der „ Schwäbischen Zeitung “ loswerden. Andrea Schmid-Förster, stellvertretende Landesvorsitzende des Steuerzahlerbunds, gab den 750 zugeschalteten Leserinnen und Lesern Tipps.

HINWEIS: Zusätzlich zu den Antworten aus unserem Webinar finden Sie eine Anleitung , ein Erklärvideo und die Information über den benötigten Bodenrichtwert auf der sowie HIER im Steuerprogramm ELSTER.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten aus dem Webinar auf einen Blick:

Warum wird die Grundsteuer reformiert?

Die Grundsteuer wurde bislang auf Basis von Einheitswerten aus dem Jahr 1964 bewertet. Das ist laut einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts verfassungswidrig. „In Baden-Württemberg ist das ein Großprojekt, weil etwa 5,6 Millionen wirtschaftliche Einheiten neu bewertet werden müssen“, sagt Schmid-Förster. Deshalb muss bis zum 31. Oktober beim Finanzamt eine sogenannte Feststellungserklärung abgegeben werden, aus der die neue Grundsteuer errechnet wird. Diese gilt ab 2025.

Den Bundesländern stand es frei, eigene Grundsteuermodelle zu schaffen. Baden-Württemberg hat das getan und nutzt zur Bemessung der neuen Grundsteuer das Bodenrichtwertmodell. Für die Berechnung ist demnach allein die Grundstücksgröße und der Bodenrichtwert von Belang. „Gebäude bleiben unberücksichtigt“, erklärt Schmid-Förster.

Wer muss die Erklärung abgeben?

Jeder, der Eigentümer eines Grundstücks ist. Derjenige, der zum Stichtag am 1. Januar 2022 Grundstückseigentümer war, ist für die Steuererklärung zuständig. Für den Fall, dass derjenige inzwischen verstorben ist, rücken dessen Erben nach.

Was benötigt man für die Feststellungserklärung?

Zuallererst den Brief, den jeder Grundstückseigentümer vom Finanzamt erhalten hat. Auf diesem ist das Aktenzeichen für das betreffende Grundstück zu finden. Am besten legt der Steuerpflichtige zudem noch den Kaufvertrag und einen Grundbuchauszug bereit.

Wichtig sind nun vor allem der Bodenrichtwert und die Grundstücksgröße, erklärt die Expertin. Um diese herauszufinden, lohnt sich auch ein Blick in die Datenbank der baden-württembergischen Gutachterausschüsse ( www.gutachterausschuesse-bw.de ). In einigen Fällen ist hierbei der Bodenrichtwert aber noch gar nicht eingetragen. „Dann können Sie auch den heimischen Gutachterausschuss anrufen und dort nachfragen“, sagt Schmid-Förster. Falls die Werte aber noch gar nicht erhoben sind, ist das ein Fall für eine Fristverlängerung. Konsequenzen, weil deshalb die Erklärung bis Ende Oktober noch nicht eingegangen ist, hätten Steuerpflichtige nicht zu befürchten, sagt die Expertin.

Was ist, wenn mir der Bodenrichtwert zu hoch erscheint?

„Wenn Sie sagen, der Bodenrichtwert kommt mir zu hoch vor, können Sie einen Gutachter beauftragen, der womöglich einen niedrigeren Wert nachweist“, erklärt Schmid-Förster. Relevant wird dies aber nur dann, wenn dieser dabei eine Wertabweichung von mehr als 30 Prozent feststellt. „Das muss ein qualifiziertes Gutachten sein“, erklärt Schmid-Förster. Der Eigentümer trägt die Kosten selbst. Dabei müsse man sich allerdings die Frage stellen: Lohnt sich das? Das Gutachten gilt nur für sieben Jahre.

Was müssen Eigentümer mit mehreren Grundstücken beachten?

Sie müssen unter Umständen mehrere Steuererklärungen abgeben. Entscheidend ist hier das Aktenzeichen, das mit dem Brief des Finanzamts kam. Hat das Finanzamt mehrere Aktenzeichen versandt, muss für jedes eine gesonderte Grundsteuererklärung gemacht werden.

Dabei gilt es darauf zu achten, in welchem Bundesland sich die Grundstücke befinden. Wohne ich in Baden-Württemberg, habe aber ein weiteres Grundstück in Bayern, muss die Grundsteuererklärung dafür auch bei einem bayerischen Finanzamt eingehen. Denn: In Bayern errechnet sich die Grundsteuer – wie in allen anderen Bundesländern auch – anhand eines ganz anderen Modells als in Baden-Württemberg.

Was ist mit dem Anteil an der wirtschaftlichen Einheit gemeint?

Bei einer wirtschaftlichen Einheit handelt es sich vereinfacht gesagt um ein Grundstück. Wenn es nun darum geht, Angaben zu Gemarkung und Flurstück zu machen, geht es vor allem um den Besitzanteil des Eigentümers daran. In Steuerprogramm Elster ist dieser Anteil immer als Bruch dargestellt. Das heißt: Wer beispielsweise Alleineigentümer ist, dem gehört ein Eintel. Genannt werden muss jedoch immer die gesamte Grundstücksfläche.

Bei einer Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus ist der Besitzanteil an der Grundstücksfläche anzugeben. „Denn hier gehört ihnen nicht das ganze Mehrfamilienhaus, sondern nur der Miteigentumsanteil“, sagt die Expertin. Dabei geht es aber nicht um die Wohnfläche. Es geht lediglich um den Teil des Grundstücks, der den Eigentümern laut Kaufvertrag tatsächlich gehört.

Ein Beispiel: Es geht um einen Besitzanteil von 333,33/10 000 an einem 1500 Quadratmeter großen Grundstück. Jetzt muss erstmal gerechnet werden. „Multiplizieren Sie den Bruch mit der Grundstücksgesamtfläche“, erklärt Schmid-Förster. Also: 333,33 geteilt durch 10 000 mal 1500. Im Beispiel wären das 49 Quadratmeter – hier darf das Ergebnis abgerundet werden. Im Hauptvordruck wird dann die Gesamtfläche angegeben, in der Anlage (GW2) dann die 49 Quadratmeter.

Steigt die Grundsteuer überall?

Die endgültige Belastung regeln die Kommunen durch die Höhe der Hebesätze selbst. Dadurch, dass nur noch das Grundstück als Maßzahl gilt, könnten die Hebesätze in ländlichen Kommunen steigen, sagt Schmid-Förster. „Egal ob kleines Einfamilienhaus oder große Villa: Wenn die Grundstücke gleich groß sind und nebeneinander liegen, gilt dieselbe Bodenrichtwertzone und somit dieselbe Grundsteuer.“

Das könnte künftig noch zu Streitigkeiten führen. „Die Hebesätze der Kommunen in Ballungsräumen müssen deutlich sinken, damit es nicht zu Steuererhöhungen kommt“, fordert die Expertin und hofft, dass diese dem nachkommen.

Was kann man tun, um bei der Grundsteuer zu sparen?

Dient ein Grundstück überwiegend zu Wohnzwecken, gewährt das Finanzamt einen Steuerabschlag von 30 Prozent. Deshalb sollten Steuerpflichtige hier beim Ausfüllen des Formulars unbedingt das Häkchen setzen. „Machen Sie zur Sicherheit einen Screenshot. Dann sind Sie ganz sicher, dass Sie die Angabe gemacht haben.“ Bei gemischt genutzten Grundstücken gilt: Eine überwiegende Wohnnutzung liegt vor, wenn der Anteil der Wohnfläche größer als die gewerbliche Nutzfläche ist, also über 50 Prozent der Grundstücksfläche beträgt.

Wie ist die Steuererklärung einzureichen?

Die Steuererklärung ist grundsätzlich online beim Finanzamt einzureichen. „Die einfachste Möglichkeit ist über Elster“, sagt Schmid-Förster. Sollte eine Online-Einreichung nicht möglich sein, können bei sogenannten Härtefällen Erklärungen in Papierform abgegeben werden. Diese Formulare gibt es direkt beim Finanzamt. Seit Mitte August wird auch ein PDF-Format vom Finanzamt auf Anforderung im Härtefall per E-Mail zugesendet.