Haltestelle

Bahn sucht Bahnhof

Baden-Württemberg / Lesedauer: 3 min

„Stationsoffensive“ könnte Südwesten bis zu 60 neue Haltepunkte bringen
Veröffentlicht:16.03.2015, 18:24
Aktualisiert:24.10.2019, 04:00

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Die Bahn will in den kommenden Jahren auch in Baden-Württemberg ihr Netz von Bahnhöfen und Haltestellen deutlich ausbauen. Am Mittwoch wird der Aufsichtsrat unter anderem über die sogenannte Stationsoffensive beraten, die das Bahnfahren attraktiver machen soll. Nach ersten Kalkulationen sollen bundesweit etwa 350 neue Haltemöglichkeiten entstehen. Bis zu 60 davon könnten in Baden-Württemberg liegen. Tausende potenzielle Standorte seien bereits untersucht worden.

In Bayern wurde Anfang März bereits ein Pilotprojekt gestartet. „Wir wollen mehr Verkehr auf der Schiene generieren“, sagte vor zwei Wochen der Vorstandsvorsitzende der Bahntochter „DB Station&Service“, André Zeug. Mehr als 20 neue Halte mit einem Investitionsvolumen von mehr als 40 Millionen Euro gehören in Bayern zu der ersten Tranche, an der sich zur Hälfte der Freistaat beteiligt. Fünf neue Stationen sind entlang der Strecke Lindau – Hergatz geplant. Die Bahn bezahlt den Bau, das Land will seinen Anteil über zusätzliche Einnahmen beim Fahrkartenverkauf refinanzieren.

Ein Sprecher der für Baden-Württemberg zuständigen Regionaldirektion bestätigte am Montag, dass der Konzern auch Gespräche mit dem Land über eine engere Zusammenarbeit vorbereite. Eine konkrete Liste mit Haltepunkten läge aber noch nicht vor. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) betonte, dass mit seinem Haus über die Stationsoffensive noch nicht gesprochen worden sei. Grundsätzlich sei er aber froh, wenn die Bahn ihr Angebot verbessern wolle. Die Bahn kalkuliert unter anderem damit, über die sogenannten Stationspreise auch dann von Investitionen zu profitieren, wenn andere Anbieter auf den Strecken den Zuschlag erhalten.

„Das Programm Stationsoffensive sucht intensiv und systematisch nach verkehrlich sinnvollen und zugleich wirtschaftlich betreibbaren Stationen “, teilte der Konzern schon zu Monatsbeginn mit. In den Blickpunkt rückten dabei vermehrt auch Haltestellen in der Nähe größerer Wohngebiete, in der Nähe von Einkaufszentren oder auch Krankenhäusern. Für bis zu zwei Millionen Menschen sollen so bundesweit kürzere Wege zur nächsten Umsteigemöglichkeit auf die Bahn geschaffen werden. Rund 200 000 Reisende zusätzlich könnten nach Bahnberechnungen täglich befördert werden.

Land wartet auf Gespräche

Hermann will sich Gesprächen nicht verschließen. Er verwies zwar darauf, dass es nicht originäre Landesaufgabe sei, Bahnhöfe zu bauen. Andererseits wirbt er seit Amtsantritt dafür, den öffentlichen Schienennahverkehr auszubauen. Nur das verhindere in Ballungsräumen den Verkehrskollaps.

Aber nicht nur in das bestehende Netz will die Bahn investieren. Dem Aufsichtsrat liegt auch eine modifizierte Fernverkehrsstrategie vor. Demnach will die Bahn mit rund 200Millionen Euro in den kommenden drei Jahren ihre Fernzüge modernisieren. Zuletzt hatten vermehrt Fernbuslinien der Bahn zu schaffen gemacht. Angeblich ging der Umsatz im Fernverkehr um 120 Millionen Euro zurück. Schon am Wochenende hatte der Fahrgastverband „Pro Bahn“ günstigere Preise gefordert, um die Bahn attraktiv zu halten.