Mischwald

Scheidender Stadtförster machte in 31 Jahren aus Wangens Wald einen Mischwald

Wangen / Lesedauer: 5 min

Früher prägte Nadelgehölz das Bild, heute sind es viele verschiedene Baumarten. Wie Paul Müller den Forst umkrempelte und wie das Wetter immer wieder einen Strich durch die Rechnung machte.
Veröffentlicht:01.04.2022, 14:00

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Ein Abend ganz im Zeichen des Waldes: In den Ansprachen sowohl von OB Michael Lang wie auch von Marijan Gogic, Leiter des Forstamts beim Landkreis Ravensburg, wurde deutlich, mit welch lenkender Hand Paul Müller in all den Jahren den Zustand des Wangener Waldes bestimmte. Der Leiter des hiesigen Forstreviers wurde in den Ruhestand verabschiedet.

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Symbolisch überreichten Paul Müller die Jäger eine Fichte. Bei einer gemeinsamen Pflanzaktion wird eine Elsbeere gesetzt werden. (Foto: Stadt/sum/Schwäbische.de)

Wangens Wald ist gewachsen

Als Paul Müller den Wald übernahm, war die Fläche von städtischem und Hospitalwald 293 Hektar groß, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. 82 Prozent davon waren von Nadelgehölz bedeckt. Heute umfasst die Gesamtfläche 343 Hektar, wovon nur noch 60 Prozent Nadelhölzer seien. Der Anteil der Fichte habe um ein Drittel abgenommen.

Diese Vielfalt macht den Wald deutlich klimastabiler.

Marjan Gogic

„Der Umbau des Waldes ist in vollem Gange. In der Durchmischung haben Sie viel bewegt“, sagte OB Lang. Das bescheinigte ihm laut Mitteilung auch Marjan Gogic. Es sei das große Verdienst von Paul Müller, dass er massiv Eichen, Buchen, Bergahorn, Spitzahorn und Linden gepflanzt habe, sagte Gogic. „Diese Vielfalt macht den Wald deutlich klimastabiler.“

Immer wieder Verwaltungsreformen

Dabei sei an ein kontinuierliches Arbeiten nicht zu denken gewesen, denn der Forst musste sich immer wieder mit neuen großen Schadenslagen befassen. Stürme, Orkane, Borkenkäfer und Schneebruch setzten den Wäldern zu und erforderten großen Einsatz aller im Wald Beschäftigter. Zudem wurden die Forstämter und damit auch Paul Müller immer wieder von Reformen der Verwaltungseinheiten eingeholt, heißt es weiter. Das führte zuletzt dazu, dass er nicht nur für den Stadtwald, den Stiftungswald in Wangen , Kirchenwälder und den Amtzeller Wald zuständig war, sondern auch noch für die gesamte Kisslegger Waldfläche: insgesamt also für 1530 Hektar.

Den Wald verständlich gemacht

Die Themen des Waldes verständlich machen, das habe Paul Müller besonders gut gekonnt. „Wir erinnern uns gern an diese Begehungen“, sagte OB Lang. Dem Stadtförster sei es dabei auch gelungen, das Spannungsfeld zu beleuchten zwischen dem Wald als Ort der Natur, der Ruhe und Erholung und dem Wunsch so mancher Sportfreunde, dort zu joggen oder mit dem Mountainbike zu fahren. Das Abschiedsgeschenk, das ihm der Rathauschef überreichte, sei bei einer solchen Begehung entstanden. Es ist das Foto eines herbstlichen Buchenwaldes.

Insgesamt 45 Jahre lang arbeitete Paul Müller im Dienst des Forsts. Der gebürtige Wangener wuchs in Ratzenried auf und machte am Rupert-Neß-Gymnasium sein Abitur. Im Lauf von Ausbildung und Studium wurde ihm 1978 vom Forstamt Biberach bestätigt, dass er nicht nur sehr korrekt, gewissenhaft und selbstsicher sei, sondern auch „auf einen guten Beamten hoffen lasse“, wie OB Lang zitierte. Und fügte hinzu: 45 Jahre später können wir bestätigen, dass die Prognosen der damaligen Zeit richtig waren.“

Seit 1991 Revierleiter in Wangen

Hartnäckig habe sich Paul Müller bemüht, nach Stationen in Tettnang und Sigmaringen ins Allgäu zu kommen, was ihm 1988 auch gelang. Im Januar 1991 übernahm er die Revierleitung in Wangen. OB Lang würdigte auch die Verdienste Paul Müllers im Ehrenamt. So gehört er viele Jahre dem Gemeinderat und dem Aufsichtsrat der Landesgartenschau GmbH an. Das Angebot, sich auch während der Ausstellung im Jahr 2024 für das Forstthema einzubringen, besteht. „Es freut uns, wenn Sie dort etwas machen mögen“, sagte OB Lang.

Dass Paul Müller auch unter den Kollegen sehr beliebt war, zeigte laut Mitteilung nicht nur der Besuch bei der Feierstunde, sondern auch der Programmbeitrag der Wangener Jäger. Sie schenkten ihm einen Baum, eine Elsbeere, die bis zu 300 Jahre alt werden könne. Ihr Holz sei im Übrigen besonders wertvoll. Ein Stamm könne bis zu 14 000 Euro kosten, wie Alois Müller sagte. Die Früchte empfahl er OB Lang wegen der schmerzlindernden Wirkung, die man ihnen nachsagt, „für Sitzungen mit Bauchschmerzpotenzial.“

Wie Napoleon einwirkte

Spannend war auch der kurze Einblick, den Paul Müller in die Geschichte des Wangener Stadtwaldes gab. Im Jahr 1800 betrug die Waldfläche 273 Hektar. Die napoleonische Zeit führte dazu, dass die vormaligen Reichsstädte große Waldflächen abtreten mussten – so auch Wangen. Erst im Jahr 2016 sei es gelungen, wieder ungefähr die Größe von 1800 zu erreichen.

Über die Zeit wurden Waldflächen zugekauft, gerade auch unter Paul Müller, heißt es weiter. Er empfahl, „weiter solche Gelegenheiten zu nutzen. Denn vielleicht könnte der Wald auch wieder wichtiger zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz sein“. Der langjährige Revierleiter dankte allen Weggefährten im Forst, der Jagd, unter den Waldbesitzern und bei der Stadt Wangen, für die Unterstützung. Und er zeigte sich äußerst dankbar dafür, dass während seiner Dienstzeit nie ein schwerer oder gar tödlicher Unfall im Wald passierte.

Korbinian Feierle ist der Nachfolger

Nicht den Stab, sondern das Tablet weitergegeben hat er inzwischen schon an seinen Nachfolger Korbinian Feierle, den er als „angenehmen, jungen Kollegen“ kennengelernt habe. „Das Revier ist bei dir bestimmt in guten Händen“, sagte Paul Müller. Schließlich dankte er seiner Frau Birgit, die es all die Jahre geduldig und wohlwollend ertragen habe, dass er „– wie bei Forstleuten üblich – immer mit dreckigen Schuhen und nie pünktlich“ nach Hause kam.