Saisonabschluss

Wangens Handballer Stefan Rosenwirth: „Ich kann beruhigt aufhören“

Wangen / Lesedauer: 5 min

Der 31-Jährige beendet nach 14 Jahren im MTG-Trikot aktive Laufbahn
Veröffentlicht:28.04.2017, 15:03
Aktualisiert:23.10.2019, 06:00

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Beim Saisonabschluss der Handball-Württembergliga am Samstag zuhause gegen den TSV Zizishausen wird Stefan Rosenwirth das letzten Mal das MTG-Trikot tragen. Nach 14 Jahre in der Herrenmannschaft beendet der 31-Jährige seine aktive Laufbahn. Im Vereins-Interview blickt der Außenspieler noch einmal zurück und auf seine Zukunft (fast) ohne Handball.

Mittlerweile spielst du die 14. Saison im Trikot der MTG-Herren 1. Kannst du dich noch an dein erstes Spiel erinnern?

Stefan Rosenwirth: Das ist echt schon lange her und war im Herbst 2003. Genaue Erinnerungen an dieses Spiel habe ich leider nicht mehr, aber wie so ziemlich jeder junge Spieler, der zum ersten Mal in der ersten Männermannschaft spielt, war ich damals schon auch nervös und aufgeregt.

Wem haben wir es eigentlich zu verdanken, dass ein solches Talent zum Handball kam?

Das weiß ich selbst nicht so recht, da ich nicht aus der „klassischen“ Handballerfamilie stamme und meine Eltern erst über meinen Bruder und mich zu der Sportart kamen. Ich war aber schon von ganz klein auf sehr sportlich unterwegs und dabei durfte ein Ball eigentlich nie fehlen. Nach Fußball und Volleyball bin ich dann irgendwann immer öfters in die Argenhalle zu den Handballspielen gekommen und heute sehr froh, dass ich bei dieser Sportart geblieben bin und einige Erfolge feiern durfte.

Was waren dein schönsten Erlebnisse in der Argensporthalle? Da waren ja einige Highlights dabei…

Das waren als Spieler natürlich vor allem die Meisterschaften und Aufstiege. In der Jugend wurden wir mehrmals Meister, wobei vor allem der Württembergische Meistertitel 2002 besonders war, als wir in der B-Jugend bereits die Erfahrung vor über 500 Zuschauern machen durften. Dann natürlich die Aufstiege 2004 in die Verbandsliga und der Durchmarsch 2005 in die Württembergliga. Ab da kamen dann die schönen und zumeist erfolgreichen Derbyduelle gegen Saulgau. Und am aktuellsten sind dann eben die zwei Aufstiege in die BWOL in den Jahren 2008 und 2012, wobei spannender der Aufstieg 2008 war, aber emotionaler und am Ende dann vielleicht auch verdienter der Aufstieg 2012.

Nun am Samstag dein voraussichtlich letztes Spiel in der „Hölle Süd“. Was überwiegt: Die Wehmut, dass dieser sportliche Abschnitt deines Lebens endet, oder die Freude auf das Neue und vor allem das Mehr an Zeit für dich?

Schwierige Frage, aber ich würde nach dieser langen Zeit sagen, dass im Moment die Vorfreude auf das, was kommt und wofür ich jetzt dann einfach mehr Zeit habe, überwiegt. Wie es dann am Samstag gegen 21Uhr aussieht, kann ich jetzt noch nicht sagen.

Wenn einer mit so viel Leidenschaft seinen Sport ausübt fällt es oft schwer loszulassen. Was waren die ausschlaggebenden Gründe und wäre es nicht auch reizvoll, noch eine Saison mit Deinem Bruder als Trainer zu spielen?

Die Frage wurde mir schon häufig gestellt, ob ich keine Lust habe, unter meinem Bruder noch zu spielen. Dazu muss klargestellt werden, dass meine Entscheidung bereits seit längerer Zeit steht und mein Bruder zu dieser Zeit noch gar nicht als Nachfolger für Timo Feistle im Raum stand. Die ausschlaggebenden Gründe sind zum einen, dass ich seit drei Jahren immer wieder schwerere Verletzungen hinnehmen musste und ich mich dann immer wieder aufs Neue rankämpfen musste. Mein Körper musste dem Handball einfach Tribut zollen und mittlerweile merke ich, dass ich nach Spielen und Trainingseinheiten nicht mehr so schnell regeneriere wie vor 14 Jahren. Zum anderen stehen einfach privat mit der Geburt unserer Paula und dem Hausbau neue Aufgaben an.

Was sind deine Ziele und Wünsche für die Zukunft?

Zunächst möchte ich einfach die neugewonnene Freizeit genießen und hoffe natürlich, dass ich gesund bleibe. Außerdem bleibe ich der Wangener Handballfamilie auch als Trainer treu und möchte die Jungs, die ich seit ein paar Wochen mit Reini Geyer – übrigens mein erster Trainer bei den Männern – trainiere, weiterentwickeln und hoffe, dass ein paar aus dieser Truppe einmal den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.

Was wird dir ganz besonders fehlen am aktiven Sport? Oder geht es in Zukunft bei deinen ehemaligen Teamkameraden Maier, Feistle & Co. beim Team 1c auf Torejagd?

Also, ich vermute, dass ich in diesem Team nächstes Jahr das ein oder andere Mal wieder auf der Platte stehe. Wobei ich schon gesehen habe, dass ich da nicht mehr mit der ganz großen Zuschauerresonanz rechnen darf, die mir dann vermutlich schon etwas fehlen wird.

Wie ist deine Einschätzung für die MTG-Herren für die nächsten Jahre? Der Generationswechsel ist nahezu abgeschlossen…

Der Generationenwechsel ist ein weiterer Grund, warum ich jetzt beruhigt aufhören kann. Wir haben bereits jetzt so viele junge und gute Spieler wieder in der ersten Mannschaft, die sehr talentiert sind. Diese Jungs werden sich in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln und Erfahrung sammeln. Außerdem kommen auch in den nächsten Jahren gute Jugendspieler nach, womit wir unsere Philosophie mit Eigengewächsen weiterverfolgen können und ich mir keine Sorgen mache, dass meine Karriereende jetzt allzu große negativen Auswirkungen hat.