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Lokalredaktion

Kretschmann in Wangen: Ich will wirklich nicht Bundeskanzler werden

Wangen / Lesedauer: 3 min

Kretschmann in Wangen: Ich will wirklich nicht Bundeskanzler werden
Veröffentlicht:15.09.2013, 15:18

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Samstagnachmittag, Redaktion der Schwäbischen Zeitung in Wangen: Geduldig warten Vertreter der Chef-, Mantel und Lokalredaktion und der Geschäftsführung auf den hochrangigsten Grünen-Politiker Deutschlands. Schon gut eine Stunde zuvor haben Polizei und Sicherheitspersonal Position bezogen, wurden die Innenräume der Wangener Geschäftsstelle begutachtet. Dann endlich fährt Winfried Kretschmann vor. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite brandet Jubel auf: Die Feuerwehr Aalen, die im Rahmen ihres Ausfluges zufällig zeitgleich nach Wangen kommt, erkennt die politische Prominenz. Christa Woletz spaziert aus der Gruppe heraus und auf den Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten zu. Lässig zieht er seine Jacke an, winkt in die Menge, gibt Woletz die Hand. Dann verschwindet Kretschmann in den Räumen der SZ zum Redaktionsgespräch.

Keine halbe Stunde später kommt er zu Fuß durchs Ratloch auf den Marktplatz, wo er von 200 Bürgern erwartet wird. Ein freundlicher Applaus, Platz nehmen in der ersten Reihe. Grünen-Stadt- und Kreisrat Siegfried Spangenberg heißt den prominenten Gast willkommen. Die verspätete Ankunft hat eine Abordnung der Stadtkapelle überbrückt. Jene Stadtkapelle, deren Qualität und Auszeichnungen Oberbürgermeister Michael Lang dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten kurz darauf ans Herz legt: „Das sind die Deutschen Meister der Blasmusik. Sollten Sie in Stuttgart mal eine richtig gute Blasmusik brauchen, erinnern Sie sich doch an sie.“ Lang nutzt die Wahlkampfveranstaltung der Grünen auch für seine „bescheidene Bitte“ um die Elektrifizierung der Allgäubahn: „Wenn Sie sich mit aller Kraft dahinter stellen würden, wäre das wertvoll für die Region.“

Bundestagsabgeordnete und -kandidatin Agnieszka Brugger spult ihr Wahlprogramm ab. Dabei geizt sie auch nicht mit Komplimenten an den Ministerpräsidenten: „Du bist mein absoluter Lieblingspolitiker, jemand mit Herz und Verstand, der die Ärmel hochkrempelt und den Wandel beschreitet.“ Das „Gegenprojekt zu Angela Merkel“ nimmt es gelassen und mit Humor: „Sicher isch, i will wirklich nicht Bundeskanzler werden!“ Kretschmann fegt durch die Themen, äußert sein Unverständnis zu seiner Meinung nach müßigen Problemthemen wie Veggie-Day oder Steinbrück-Stinkefinger, spricht von der Vorbildfunktion des Hochtechnologielandes Baden-Württembergs, Klimawandel, Stromkosten und über die gerade besuchte Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt und dem geringen CO2-Ausstoß eines 600 PS starken Gefährts der Marke des Schwarzen Pferdes mit Stuttgarter Schriftzug: „Da habe ich mir gedacht: Kretschmann, jetzt bisch durch – wenn sogar schon Sportwagen grün sind und mit öko werben.“ Für lokale Themen bleibt keine Zeit. Der Blick auf die Uhr lässt nur noch einen kurzen Streifzug zum Themenbereich Bildungspolitik zu. Dann gibt Kretschmann eine Wahlempfehlung: „Nehmen Sie sich solch wichtige Dinge vor! Überlegen Sie, was wer dazu sagt und treffen Sie dann eine Entscheidung.“ Nie sei es so, dass einem alles an einer Partei gefalle: „Das geht mir mit der eigenen schon so. Wenn Sie die Grünen wählen, machen Sie jedenfalls nichts falsch.“

Zwei, drei Autogrammwünsche werden noch erledigt, die eine oder andere Bürgerfrage beantwortet. Dann ist Kretschmann auch schon wieder weg. Zu jenen, denen Kretschmanns Auftritt in Wangen gefallen hat, gehört Franz Mosch aus Bad Waldsee: „Kretschmann spricht Dinge direkter an, weicht nicht aus und versucht, was zu bewegen. Wer allerdings was bewegen will, braucht auch Mehrheiten.“ Mehr konkrete Aussagen hätte sich hingegen Patricia Ebel gewünscht: „Ich denke an so etwas wie: Wir wollen das und das einführen!“ Insgesamt erlebte die 17-Jährige aus Neuravensburg den Ministerpräsidenten zum ersten Mal und in einem ihr ausreichenden Zeitfenster: „Das war okay so.“

Ein Interview mit Winfried Kretschmann lesen Sie am Montag in der Schwäbischen Zeitung.