Klimawandel

Roland Roth über konkrete Folgen des Klimawandels in Oberschwaben und im Allgäu

Wangen / Lesedauer: 3 min

Wetterexperte Roland Roth referiert über den Klimawandel und seine Auswirkungen
Veröffentlicht:09.06.2022, 05:00
Aktualisiert:09.06.2022, 13:30

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Warum hat sich das Klima verändert? Was sind die Ursachen dafür und was für Auswirkungen erwarten uns in den kommenden Jahren? Zu diesen Fragen äußert sich der Wetter- und Klimaexperte Roland Roth von der Wetterwarte in Bad Schussenried.

Dabei wird deutlich: Auch in der Region wurden und werden die Folgen immer prägnanter spürbar.

1980 war das Jahr der „Wende“

1980 sei das Jahr der „Wende“ gewesen, erklärt Roth. Zuvor sei es in etwa vier bis fünf Grad Celsius kälter gewesen. Seit dieser Zeit steigen die Temperaturen stetig und für die Region Ravensburg bedeutet das konkret: zwei Grad mehr.

Er habe zudem feststellen können, dass die Mainlinie eine entscheidende Rolle spiele. Richtung Norden erwärme sich die Luft deutlich weniger, als im Rückstau der Alpen .

„Wir werden zunehmend Wetterextreme erleben“, sagte der Klimaspezialist. „Starkregen, Hagel, Stürme und mitunter auch knackige Frostperioden mit starkem Schneefall sind zu erwarten und selbst Tornados und Wasserhosen werden wir beobachten können“, führte er bei einer Vortragsveranstaltung der Wangener Volkshochschule im Rupert-Neß-Gymnasium weiter aus.

Die konkreten Folgen in der Region

Das zeigte sich in der Region in den vergangenen Monaten mehrfach: Im Sommer 2021 gab es bis dahin nicht gekannte Unwetterschäden, als zum Beispiel der Bach in Epplings sich in eine reißende Flut verwandelte, Keller unter Wasser setzte und sogar eine kleine Brücke mitriss. Anders der März dieses Jahres: Er war von ausgeprägter Trockenheit geprägt, sodass Land- und Forstwirtschaft bereits Alarm schlugen.

Auch die Wirtschaft werde verstärkt unter den materiellen und wirtschaftlichen Schäden zu leiden haben, so Roland Roth. Alleine im Jahr 2021 wurden diese auf rund zwölf Milliarden Euro beziffert. Die Jahrhundertflut im Ahrtal trug ihr übriges dazu bei.

Natürliche und menschengemachte Ursachen

Der Klimawandel sei, so Roth, eine Mischung aus natürlichen und von Menschen gemachten Ursachen. Eine veränderte Sonnenfleckenaktivität und intensive Vulkanausbrüche wirken sich auf die Temperaturen aus.

Allerdings seien die Folgen davon ein langwieriger Prozess, er sprach von einem Zeitraum von etwa 1000 Jahren. Die menschengemachten Faktoren lösen hingegen geradezu einen Zeitraffereffekt aus, argumentierte er und verwies erneut auf die Zeit seit 1980.

Insgesamt fünf „Stellschrauben“ könnten, so Roth, die Erderwärmung bremsen. Neben Ernährung, Landbewirtschaftung, Industrie und die Lebensweise eines jeden Einzelnen, ist für ihn der Faktor Verkehr und Mobilität entscheidend.

In seinen Statements sparte er nicht an Kritik an Politik und Wirtschaft. Oftmals würden Gelder ausgegeben für Zwecke, die für einen wirklich Klimawandel nicht sinnvoll seien.

Mahnung an die Jugend

Die Jugend ermahnte er, das Konsumverhalten zu verändern und mit Ressourcen und auch Lebensmitteln verantwortlich umzugehen, denn mit 90 Prozent Lebensmittelvernichtung liegt die Gruppe der Zehn- bis 30-Jährigen ganz vorn. Bedauerlicherweise erreichte seine Mahnung die Zielgruppe bei seinem Vortrag in Wangens Gymnasium nicht, denn sie war unter den zahlreichen Zuhörern äußerst spärlich vertreten.