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Kathedrale

Kathedralen à la Szalanska

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Die Malerin Jolanta Szalanska bespielt die Stadtbücherei mit „Gotischen Etüden in Farbe“
Veröffentlicht:10.03.2014, 17:50

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Mailand, Köln, Strassburg, Barcelona und Venedig sind berühmte Städtenamen, die sich mit ihren Wahrzeichen, den Kathedralen, auf den Bilder von Jolanta Szalanska versammeln. Allerdings nicht so, wie sie als Postkartenmotive massenhaft kursieren, sondern künstlerisch stark verfremdet. „Gotische Etüden in Farbe“ titelt die Ausstellung, die sie am Samstag in der Stadtbücherei im Kornhaus eröffnet hat.

Alles andere als Postkartenkitsch

„Funkensprühende Kreativität“ nennt Büchereileiterin Gisela Stetter die Malerei der seit 2002 in Lindau lebenden und freischaffend tätigen Jolanta Szalanska. Der Blick fällt dabei auf 24 teils großformatige Bilder, die Architekturfragmente gotischer Dome unter gestisch-expressiv aufgetragenen Ölfarbschichten durchscheinen lassen.

Chaos lautet eine spontane Assoziation, die sich in Richtung Zerstörung oder Zusammenbruch wenden könnte, genauso aber Szalanskas Intention einer gemalten Fortführung der jahrhundertealten filigranen Baustrukturen. Von einer „magischen Entdeckung der Dome“ sprach Laudatorin Weronika Kovac aus Florenz.

Musikalisch stimmte die Sopranistin Irena Metzger auf die Erlebnisreise ein, welche mit der ersten Reise Szalanskas nach Frankreich begann. Dort, wo die Gotik erfunden worden sei, sagte die 1966 in der polnischen Stadt Lubaczow geborene Malerin. In Krakau hat sie an der Akademie der Schönen Künste Malerei studiert.

Fasziniert gibt sie sich von der Kirchenarchitektur, deren baulicher Perfektion und Fragilität. Grundlage ihrer Bilder sind Silbergelantineabzüge, welche die Sagrada Familia in Barcelona in extremer Untersicht ablichten. Das treibt sie im Falle der „Mailand-Burg“-Serie so weit, dass es unterhalb des Baus Farbe regnet. Selbiger bleibt oben einsam und schwebend stehen, um die mystische Verwegenheit so noch mehr hervorzuheben. In violettroten und blaugrauen Tönen laufen die pastosen Farbgemische die Leinwände herunter, um die Doppelturmfassaden und Portale, die Spitzbögen und Strebepfeiler gestrüppartig in Neues verwandeln. Gemäß dem Ausstellungstitel „Etüden“ als sich ständig wiederholende Übungen. Abweichend davon gestattet Szalanska dem Betrachter schöne mehrdimensionale Blicke auf die Rialto-Brücke, die sich über dem in düsteres Licht getauchten Canal Grande abzeichnet. Schemenhaft durchzieht ein Gondoliere das Gewässer. Venezianisches in Mischtechniken und Öl auf Holz gemalt, beruhigt die farbgewaltigen Explosionen. Akte, sagt sie, sind ihre andere große Leidenschaft. Beides, Gotik und Akte, zu vereinen, schwebt ihr noch vor. Schön wäre es sicher auch, ihre farbstrotzenden „Gotischen Etüden“ in großen, den Blick freigebenden Räumen erleben zu können.

Die Ausstellung „Gotische Etünden in Farbe. Malerei 2009 - 2014“ von Jolanta Szalanska in der Stadtbücherei im Kornhaus dauert bis 29. März. Geöffnet ist sie dienstags und donnerstags von 11 bis 18.30 Uhr, mittwochs und freitags von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr.