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Frotzeleien zwischen Wangen und Kißlegg: OB Lang im Hudelmale-Häs

Wangen / Lesedauer: 3 min

Die beiden Narrenhochburgen im Allgäu nehmen sich immer wieder aufs Korn. Doch zur Landesgartenschau sind die Kißlegger dennoch eingeladen.
Veröffentlicht:12.02.2024, 17:30

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Selten ist es im Wangener Rathaussaal derartig heiter und voll wie am Fasnetsmontag. Das war auch 2024 nicht anders. Die Landesgartenschau warf beim Zunftmeisterempfang ihre Schatten voraus. Aber auch das närrische Gezetter zwischen Wangen und Kißlegg fand seine Fortsetzung. Verbandsehren erhielt Petra Göttner - durch Paul Martin, Schriftführer der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte (VSAN). Und natürlich fehlten auch die Schunkelrunden nicht.

Lang verspricht eine offene Bundesstraße

„Fasnetsmontag in Wange - wie heißt es so schee? Do bleib ma hange!“ So begrüßte Zunftmeister Wolfgang Tengler die Gäste - und hieß auch „OB Lang, ein Stadtoberhaupt von erstem Rang“ willkommen. Wegen „guter Führung“ sei Lang wieder aus dem Verbannungsort Kißlegg entlassen, sagte Tengler zur am vergangenen Mittwoch erfolgten Amtsenthebung und „frühzeitigen Rückkehr“ des Hausherren.

Der wiederum konterte: „Ich habe am Mittwoch von den städtischen Verfehlungen erfahren - und war überrascht, dass es so wenige waren.“ Ein hochheiliges Versprechen konnte Lang in jedem Fall abgeben: „Zu unseren Lebzeiten werden wir die Brücke in Herfatz nicht mehr erneuern und auch die Bundesstraße dort nicht mehr sperren.“

Schon 19.300 Dauerkarten verkauft

Sein Zugticket verschenkte Lang an Kißleggs Zunftmeister Hajö Schuwerk wegen Nichtgebrauchs: 

Immer, wenn ich am Bahnhof war, kam nie ein Zug und auch sonst nie jemand, der nach Kißlegg fahren wollte.

Michael Lang

Zur Landesgartenschau (LGS) lud Lang aber alle Zünfte, ausdrücklich auch die Kißlegger, ein. Zunftmeister Wolfgang Tengler ließ er schon einmal mit einem (kleinen) LGS-Schubkarren durch den Rathaussaal fahren: „Die Fasnet ist bald rum. Aber da feiern wir dann weiter ein halbes Jahr.“ Bis zum Sonntag wurden für die Schau laut Lang im Übrigen bereits 19.300 Dauerkarten verkauft.

„Die fünf Topacts für die Landesgartenschau sind ja schon vergeben“, bedauerte Stadtrat Gerhard Lang und „Chorleiter“ des Gemeinderatchors: „Vielleicht werden wir ja der sechste.“ Beim 16. Choreinsatz mit immerhin sieben Stadträten aller Couleur ging es unter anderem um die vielen Baustellen, die Gartenschau, das nicht mehr vorhandene Narrahaus (Alte Sporthalle) und die Gemeinderatsneuwahl in diesem Jahr.

Wenn die Narren selbst Blumen setzen

Narrenvater Bernd (Rothacker), der Bärtige, wehrte sich gegen den Vorwurf, dass die Narren während der OB-Abwesenheit nicht gearbeitet hätten: „Scho mol was von Homeoffice g’hert? I hon Dag und Nacht g’schaffet!“

„Immer, wenn ich am Bahnhof war, kam nie ein Zug und auch sonst nie jemand, der nach Kißlegg fahren wollte.“
„Immer, wenn ich am Bahnhof war, kam nie ein Zug und auch sonst nie jemand, der nach Kißlegg fahren wollte.“ (Foto: Susi Weber)

Apropos Schaffen: Das mussten dann auch Oberbürgermeister und die Landesgartenschau-Verantwortlichen Edith Hepperle und Wolf Grünenwald, die Zunftmeister Wolfgang Tengler mit Pflanzkübele, Schäufele und Boden ausstattete und Blumen setzen ließ.

Sorgen um die Wangemer Häserordnung machte sich Kißleggs Zunftmeister, der ein Bild eines in einer Wangener Bäckerei aufgestellten Spindelnarres in rosa Badeschlappen dabei hatte. Dann ließ er „zwei Neuhudler“ auflaufen, von denen einer behauptete, er „hudle“ jeden Tag. Unter der Maske dieses Neuhudlers steckte Oberbürgermeister Michael Lang.

Keller nimmt die Bauhofs aufs Korn

Tettnangs Zunftmeister Michael Pfau ließ sich über den Nutri Score (Anm. der Red.: System zur Nährwertkennzeichnung von Lebensmitteln) aus und überreichte dem „Dreigestirn“ der Wangemer Zunft „schöne Orden“: Bernd Rothacker wurde mit dem „Immer am Goscha“-, Vizezunftmeister Sascha Reichl mit dem „Mir wurscht“- und Zunftmeister Wolfgang Tengler mit dem „Nie z‘friede“-Orden ausgezeichnet.

Für die Wangemer Ortszünfte dichtete Karsees Ortsvorsteherin Kornelia Keller: „Schilder stellt de Bauhof na / weil des bloß de Bauhof derf und ka. Überstunde sott der aber it mache / doch Fescht sind am Wochenend, des isch zum lache. Für alles brauchsch en Kurs und die Qualifikation / do frag i mi manchmal schon: Macht das alles wirklich noch Sinn? Dass i in einem Verein noch bin?“ Für die musikalische Umrahmung sorgten die Kißlegger Dilldabba und Zunftmusiker Uli Müller.

Wer beim Empfang geehrt wurde

Paul Martin holte als VSAN-Schriftführer noch die Ehrung von Petra Göttner nach, die am Zunftabend nicht dabei sein konnte und das VSAN-Ehrenzeichen in Silber erhielt. Damals bereits ausgezeichnet wurden Heiko Fischer (Bronze), Michael Reichl (Bronze), Tanja Hack (Silber), Roland Kuppek (Silber) und Markus Orsingher (Gold). Zudem wurde am Zunftabend Sascha Reichl, heute Vizezunftmeister und von 2019 bis 2023 Narrenvater, zum 54. Bonifare-Ordensträger gekürt - und damit mit den höchsten Weihen der Wangener Fasnet „gesegnet“.