Erweiterungsplan

Freier Altstadt-Mobilfunk für alle – auch in Wangen?

Wangen / Lesedauer: 3 min

Stadt informiert sich in St. Gallen über ein innerstädtisches Antennen-Netz mit W-LAN-Hotspots
Veröffentlicht:07.04.2014, 15:45
Aktualisiert:24.10.2019, 15:00

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Mit dem Protest der Martinstorschule gegen die Erweiterungspläne der Telekom für ihren Sendemast an der Bahnhofsstraße ist das Thema Mobilfunk-Versorgung der Wangener Altstadt vor wenigen Wochen wieder in den Fokus gerückt. Wie ein leistungsstarkes Mobilfunknetz in einem historischen Stadtkern funktionieren kann, ohne dass die elektromagnetische Strahlung weiter steigt, zeigt das Beispiel des schweizerischen St. Gallen. Das dortige Antennen-System mit vielen frei zugänglichen, drahtlosen lokalen Netzwerken (so genannte W-LAN-Hotspots) könnte auch für Wangen interessant sein.

St. Gallen scheint mit dem Funkzellen-System eine Lösung gefunden zu haben, wie sie die Anforderungen an eine zeitgemäße mobile Kommunikation in der Altstadt erfüllt und gleichzeitig den Elektrosmog, also die elektromagnetische Strahlenbelastung eindämmt. Um sich näher darüber zu informieren, reiste vor einigen Wochen eine Wangener Delegation mit OB Michael Lang an der Spitze in die Schweiz. „Sehr interessant und gut gemacht“, lautete hernach das Fazit des Rathauschefs. Und: „Wir könnten etwas Ähnliches in kleinerem Maßstab vielleicht auch in Wangen realisieren.“

Die Vorreiterrolle in Deutschland hat in dieser Beziehung Pforzheim übernommen. Seit September 2013 ist im Zentrum und in einigen Randlagen der badischen Stadt ein freies Hochgeschwindigkeits-W-LAN für mobile Endgeräte wie Laptop, Tablet oder Smartphone verfügbar. Möglich gemacht haben dies dort ansässige Firmen, die sich zu seiner Initiative zusammenschlossen und einen Teil der Finanzierung übernahmen. Finanzielle Unterstützung kommt außerdem von einer Bank, der IHK, von der Stadt und vom Landkreis.

Auch für den Handel und das Gewerbe in Wangen, sprich die Leistungsgemeinschaft, müsste ein solches Funksystem mit vielen W-LAN-Hotspots interessant sein, findet Wolfram Dreier. „Eine kostenlose Internet-Grundversorgung wäre für die Altstadt ein Attraktivitätsgewinn, und die Betriebe könnten dann ihre eigenen W-LAN-Netze abstellen und damit Kosten sparen“, sagt der Stadtrat, der sich schon länger mit der Thematik befasst. „Die Organisation und die Verhandlungen mit eventuellen Netzbetreibern müsste aber die Stadt übernehmen.“ Weil der Wunsch, dass „in deutschen Städten mobiles Internet über W-LAN für jeden verfügbar ist“ sogar im Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU stehe, müsste es für ein solches Projekt auch Zuschüsse geben, meint Dreier und nennt einen weiteren Vorteil: „Die Strahlenbelastung durch die vielen Hotspots fällt vergleichsweise gering aus.“

„Langfristig beste Lösung“

Das bestätigt auch Hubert Jörg vom Arbeitskreis Mobilfunk. Er fuhr mit nach St. Gallen und ist überzeugt, dass das dortige System „langfristig die beste Lösung ist“. „Die Strahlenbelastung wird auf jeden Fall verbessert“, sagt Jörg. „Aber in Wangen ist dies noch ein technisches Problem, weil die Versorgung mit Glasfaserkabeln in der Stadt noch nicht vorhanden ist.“

Niedrige Strahlenbelastung, zeitgemäße Infrastruktur für mobile Kommunikation und vielleicht auch ein Trumpf in Sachen Stadtmarketing. „Es ist sicherlich eine Überlegung wert, in diese Richtung etwas zu machen“, sagt Michael Lang, der erst prüfen lassen will, welche Breitband-Leitungen in der Altstadt für ein solches Hotspot-System nötig wären. „Das ist ein Thema für die nächsten beiden Jahre, aber wenn es erfolgversprechend ist, wird es in den Gemeinderat kommen.“

Ob dann wie in St. Gallen oder in Pforzheim irgendwann auch an vielen Stellen der Wangener Altstadt kleine, meist unauffällige Sender unter Dächern, an Schildern oder gar an Bussen angebracht sind, wird sich zeigen. Wolfram Dreier jedenfalls würde dies begrüßen: „Wangen könnte sich damit profilieren und zeigen, dass sie neuen Medien aufgeschlossen ist.“