Einbruchserie

Einbruchserie in der Region Wangen: Angeklagter gesteht Diebstähle

Wangen / Lesedauer: 4 min

Gericht sieht Wiederholungsgefahr und verhängt Freiheitsstrafe
Veröffentlicht:24.02.2022, 15:00

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„Man ist ein bisschen sprachlos angesichts der vielen, vielen Straftaten des Angeklagten“, sagte die Staatsanwältin bei ihrem Plädoyer am Ende des Verfahrens vor dem Amtsgericht Wangen. Sie nahm dabei Bezug auf weit mehr als 50 Diebstähle, die der Mann aus dem südlichen Kreisgebiet im Laufe seiner Jugend und seines Erwachsenenlebens begangen hat. Nun hatte sich der Angeklagte wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in sechs Fällen zu verantworten. Es sind nicht die einzigen Vergehen, die im vorgeworfen werden.

Auch ohne Führerschein unterwegs zum Einbruch

Im jetzigen Verfahren war der Mann in sechs Fällen wegen gewerbsmäßigem Diebstahl im Kreisgebiet sowie wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angeklagt. Weitere Diebstähle, vor allem in Kißlegg , werden zu einem späteren Zeitpunkt noch verhandelt. Alle seine Taten hat der 36-Jährige gestanden und sie waren ihm auch mit Fingerabdrücken beziehungsweise DNA-Proben von verschiedenen Tatorten nachweisbar.

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Sein Vorstrafenregister geht bis ins Jahr 2000 zurück, enthält Fälle von Raub, Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Immer wieder erhielt er Jugendstrafen, später Bewährungsstrafen und schließlich landete er im Gefängnis, aus dem er im Juli 2020 entlassen wurde. Danach versuchte er, wieder Fuß zu fassen und sich von Drogen fernzuhalten. Er sei motiviert aus der Entzugstherapie gekommen, berichtete er vor Gericht. Doch die fremde Umgebung in Ludwigsburg, wo er damals wohnte, der Mangel an Ansprechpartnern, die schwierigen Pandemiebedingungen machten ihm das Leben schwer.

Nach abgesessener Haftstrafe zurück in die alte Heimat

So beschloss er wieder in seine alte Heimat im Kreis Ravensburg zu seiner Mutter zu ziehen. In Wangen fand er Arbeit. Er fand eine neue Lebensgefährtin, die schwanger wurde. Daraufhin habe er all sein Bemühen auf die neue Familie ausgerichtet, wollte sie versorgen und Verantwortung übernehmen. Für die Familie, zu der noch weitere Kinder gehörten, mietete das Paar gemeinsam ein Haus.

Jedes Mal ging es ihm nur um Bargeld. Andere Wertgegenstände ließ er in der Regel zurück.

Zeugenaussage eines Polizisten

Bei der Arbeit gab es immer wieder Probleme durch Krankheit oder weil ihm die Arbeit nicht so recht lag und so war der gelernte Maler und Lackierer nicht durchgehend beschäftigt. Damit geriet er mehr und mehr in eine Situation der emotionalen und finanziellen Überforderung und griff irgendwann erneut zum Kokain.

Drogensucht spielt wieder eine Rolle

Um den Lebensunterhalt und seine Drogensucht zu finanzieren, verlegte er sich im Juli 2021 erneut auf Diebstähle. Er brach in Amtzell, Kißlegg, Argenbühl und Wangen vor allem in Geschäfte und Betriebe und je einmal in einen Kindergarten und ein Wohngebäude ein. „Jedes Mal ging es ihm nur um Bargeld. Andere Wertgegenstände ließ er in der Regel zurück“, berichtete der Polizist, der als Zeuge geladen war und der den Angeklagten schon von früheren Straftaten kannte. Jedes Mal versuchte er es über ein Fenster oder eine Tür, wo die Scheiben eingeschlagen oder der Schließmechanismus ausgehebelt wurde.

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In Kißlegg betraf die Einbruchserie, von der hier nur ein Fall behandelt wurde, einen ganzen Straßenzug, so dass sich die dortige Bevölkerung nicht mehr sicher sein konnte, wann es den nächsten trifft. Zu manchen Einbrüchen in der Zeit von Juli bis Oktober fuhr der Angeklagte, ohne eine Fahrerlaubnis zu besitzen.

Im November 2021 wurde er desorientiert ohne Hose und Schuhe, nur in eine Decke gehüllt, von der Polizei aufgegriffen und traf auf eben jenen Polizisten, der als Zeuge beim jetzigen Prozess geladen war. Der riet ihm ein Geständnis abzulegen, was der Angeklagte wenig später auch tat.

Verteidiger fordert Bewährungsstrafe für seinen Mandanten

In diesem Verfahren half ihm jedoch seine Kooperation und seine Aufklärungshilfe vor Gericht nicht. Auch dass er versicherte, keine Drogen mehr konsumieren und eine weitere Therapie machen zu wollen, dass er mit seiner Familie ein ruhiges Leben führen wolle, nahm ihm das Gericht nach dem langen und einschlägigen Vorstrafenregister nicht mehr ab und folgte nicht dem Plädoyer des Verteidigers, der eine Bewährungsstrafe mit Auflagen forderte.

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Vielmehr folgte das Schöffengericht im Großen und Ganzen dem Antrag der Staatsanwältin, die zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsentzug gefordert hatte. Sie verwies darauf, dass der Angeklagte in der Vergangenheit keine einzige Bewährungsfrist bestanden habe, dass auch Entzug und Therapie sowie die neuen Lebensumstände nichts genutzt und ihn von Straftaten abgehalten haben. In Kißlegg komme hinzu, dass das allgemeine Sicherheitsgefühl der Bevölkerung beeinträchtigt gewesen sei. Ein Schöffe verwies außerdem darauf, dass der Angeklagte die Taten zwar bedaure, jedoch kaum einmal an die vielen Geschädigten gedacht habe.

So fiel letztlich das Urteil aus

Das Gericht folgte all diesen Argumenten und entschied auch wegen einer gewissen „Wiederholungsgefahr“ auf zwei Jahre und vier Monate Freiheitsentzug, auf die die Untersuchungshaft angerechnet wird. Außerdem erfolgt eine sogenannte „Wertersatzeinziehung“ in Höhe von etwas mehr als 3400 Euro und der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens.