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Endlich neue Räume: Wangens Boxer freuen sich über einen „Sechser im Lotto“

Wangen / Lesedauer: 3 min

Der BC Wangen hat in einem alten Kinosaal wieder eine Heimat – Dort trat wohl auch schon Max Greger auf
Veröffentlicht:30.06.2022, 08:00

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Der Ring ist aufgebaut, die Boxsäcke hängen von der Decke, die Theke mit Getränken ist eingerichtet. 700 Quadratmeter im Untergeschoss des einstigen Kaufhaus X hat der Boxclub Wangen angemietet und daraus in Eigenregie ein Fitness- und Boxstudio geschaffen.

Als „absoluten Glücksfall“ und existenziell notwendig beschreibt Vorsitzender Jürgen Rölli die neuen Räumlichkeiten für seinen Verein: „Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren rund 60 Austritte, im Gros von jugendlichen Heranwachsenden.“ Dem wollte und muss der Verein entgegenwirken.

Träume sind noch Zukunftsmusik

Früher war es der alte Kinosaal. In ihm traten, so sagen es ältere Wangener, auch Größen wie beispielsweise Max Greger oder andere auf, und es wurden auch Veranstaltungen durchgeführt. Veranstaltungen – auch das könnte sich Jürgen Rölli hier heute wieder vorstellen: „Kleinere Boxkämpfe kann man da sicherlich machen.“

Das aber ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart ist Rölli einfach nur froh, dass sein Verein nach zwei Jahren Corona und dem Abriss der alten Sporthalle im vergangenen Sommer wieder eine neue Heimat gefunden hat, wieder trainieren kann. Die Immobilienmakler Heyen und Schneider, das städtische Sport- und Kulturamt, Mitglieder: Alle, sagt Rölli, hätten sich umgeschaut, viele Räume angesehen.

Hausmeisterservice zog aus

Mit dem Auszug des Hausmeister-Dienstleisters Mo im Untergeschoss des Sohler-Gebäudes tat sich eine neue Chance auf. „Zuerst war Corona, dann keine Halle mehr da“, erzählt Rölli über die Jahre der Box-Vakanz. Die Folge: Der BC Wangen konnte in jüngerer Zeit lediglich noch an einem Abend pro Woche in einem Drittel der WFV-Halle Fitness trainieren, die Mitglieder verließen den Verein reihenweise.

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Rund zwei Monate lang haben nun bis zu zehn Mitglieder nahezu täglich nach Feierabend gearbeitet, das einstige Mo-Lager ausgehöhlt, die Wände gestrichen, die Elektrik erneuert, den Trockenbau bewältigt. An den Wänden sind Spiegel angebracht. Auch eine kleine Ecke mit Sofa, TV-Gerät und Tischen ist eingerichtet – fürs Gesellige. Rölli: „So ist jetzt auch wieder ein Vereinsleben möglich. Und gleichzeitig haben wir jetzt auch erstmals ein Büro außerhalb privater Räume.“

Ehemaliges Mitglied spendierte Duschen und WCs

Im hinteren Teil des Kellers gibt es getrennte Umkleide- und Sanitärräume. „Die Duschen und Toiletten hat uns Fabian Frokaj, ein ehemaliger Boxer und heute Gas- und Wasserinstallateur, gesponsert. Er wollte damit dem Verein etwas zurückgeben“, erzählt Rölli.

Mit rund 5000 investierten Euro Gesamtkosten hat der BC Wangen recht sparsam gehaushaltet. Für die Miete wird der Verein auf Sponsoren angewiesen sein – und auf neue Einnahmen und Angebote, wie beispielsweise Selbstverteidigungskurse für Frauen, Antiaggressionstrainings oder anderes.

Mitglieder sollen zurückkehren

„Ich will auch auf das Polizeipräsidium Ravensburg zugehen und dort ein Fitnessboxtraining für Polizisten vorschlagen“, sagt Rölli, inzwischen pensionierter Polizist. Daneben hofft er auch, dass mit den vereinseigenen Räumen auch neue Kinder, Jugendliche, Frauen und Männer zu den 180 bestehenden Mitgliedern hinzugewonnen werden können – oder ausgetretene zurückkehren.

Mit dem Boxkeller besteht für den BC Wangen zudem nun wieder die Möglichkeit, Nachwuchsboxer zu Meisterschaften und Wettkämpfen zu schicken oder selbst entsprechendes zu veranstalten. Im Herbst soll es einen Tag der offenen Tür geben, um auch der Öffentlichkeit die neuen Räume vorzustellen. Seit Montag wird übrigens an der Lindauer Straße trainiert. Und für Jürgen Rölli gibt es nur ein Fazit: „Das Ganze ist für uns wie ein Sechser im Lotto.“