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Belegschaft geschockt

Diehl Controls will in Wangen mehrere Hundert Stellen streichen

Wangen / Lesedauer: 3 min

Beim Elektronikzulieferer für Kühlschränke & Co. soll mehr als die Hälfte aller Jobs wegfallen. Für die Beschäftigten ist das ein Schock. Der Betriebsrat will gegenhalten.
Veröffentlicht:01.12.2023, 18:27

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Bei Diehl Controls mit Hauptsitz in Wangen im Allgäu (Landkreis Ravensburg) droht ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen. Der Produzent von Steuerungs- und Regelsystemen für Waschmaschinen, Kühlschränke und andere Haushaltsgeräte will bis zum Jahr 2026 mehr als die Hälfte der Jobs im Allgäu streichen. Als Grund nennt das zum Nürnberger Diehl-Konzern gehörende Unternehmen die in Deutschland zu teuer gewordene Produktion.

Weniger Wohnungen, weniger Nachfrage

Die Preise im Inland seien nicht mehr wettbewerbsfähig, zumal Haushaltsgerätehersteller inzwischen selbst die Steuerungssysteme für die so genannte „weiße Ware“ herstellten und zunehmend branchenfremde Elektronikzulieferer in den „hart umkämpften Markt“ einträten, erklärte Diehl am Freitag auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Hinzu komme die deutschland- und europaweite Krise des Immobilienmarkts und der Bauindustrie. Sprich: Wenn weniger Wohnungen neu gebaut werden, verkaufen sich auch Haushaltsgeräte schwerer.

Fertigungsanlage bei Diehl Controls in Wangen. Vor einigen Jahren wurde das Werk zur „Fabrik des Jahres“ gekürt. Jetzt werden Stellen gestrichen.
Fertigungsanlage bei Diehl Controls in Wangen. Vor einigen Jahren wurde das Werk zur „Fabrik des Jahres“ gekürt. Jetzt werden Stellen gestrichen. (Foto: Diehl)

Nach Einschätzung des Betriebsrats haben sich überdies Hoffnungen in einem vergleichsweise neuen Geschäftsfeld nicht erfüllt: der Bau von Steuerungselektronik für Wärmepumpen. Hier sei der Markt durch endlose politische Diskussionen um das so genannte Heizungsgesetz „tot geredet“ worden, so Vorsitzender Jürgen Rist.

60 Prozent alles Stellen in Gefahr

Insgesamt könnten bei Diehl Controls bis zu 320 Menschen von dem Stellenabbau betroffen sein. Das geht aus einem der „Schwäbischen Zeitung“ vorliegenden Rundschreiben des Unternehmens an die Beschäftigten hervor. Diese waren am Mittwoch zusätzlich in einer Betriebsversammlung am Wangener Hauptsitz informiert worden. Diehl und der Betriebsrat wollten die Zahl weder bestätigen noch dementieren.

Zur Einordnung: Aktuell beschäftigt Diehl Controls im Allgäu 542 Menschen, in Nürnberg sind es noch einmal rund zwei Dutzend. Das heißt auch: Mehr als 60 Prozent aller Stellen in Wangen sollen in den kommenden drei Jahren wegfallen. Der Abbau soll nach Unternehmensangaben sozialverträglich erfolgen, auf betriebsbedingte Kündigungen will man „möglichst verzichten“.

Betriebsratschef erst „sprachlos“

Dennoch sind die Pläne ein herber Schlag für Belegschaft. Viele Menschen sind seit Jahrzehnten im Unternehmen tätig, teilweise ganze Familien. Überdies liegt zumindest in der Fertigung das Durchschnittsalter bei mehr als 50 Jahren, berichtet Jürgen Rist, der „sprachlos“ war, als er von den Plänen erfuhr. Und auch für Wangen sind die geplanten, massiven Einschnitte schmerzhaft: Diehl Controls zählt zu den großen Arbeitgebern in der Stadt.

Die Arbeitnehmervertretung kündigte am Freitag an, die Stellenabbau so nicht hinnehmen zu wollen. Einen ersten Fragenkatalog will man dem Bereichsvorstand am Montag vorlegen. Auch den vom Unternehmen für Anfang Januar geplanten Verhandlungsstart zieht sie in Zweifel. Zunächst müssten Pläne und Zahlen von der Gewerkschaft, dem eigenen Rechtsbeistand und einem noch einzuschaltenden Institut geprüft werden. Dann will man eigene Vorschläge machen.

Neue Werke in Rumänien und China

Der Diehl-Konzern bekennt indes, am Hauptsitz Wangen festhalten zu wollen - wenngleich dies nicht mehr als Produktionsstandort der Fall sein dürfte. Stattdessen sieht man dessen Zukunft als „wichtigen Innovations- und Entwicklungsstandort innerhalb des globalen Know-how-Netzwerks“.

Global ist Controls mit insgesamt mehr als 3000 Beschäftigten auf drei Kontinenten schon lange unterwegs - mit steigender Tendenz. Erst im September wurde ein zweites Werk in China eröffnet und im rumänischen Brasov ist ebenfalls eines im Aufbau. Ein Sprecher erklärte am Freitag dazu: Ostasien und Osteuropa seien Wachstumsmärkte.