Zehrung

Die Wangener Gesellschaft verstand, wie bei Hofe zu tafeln

Wangen / Lesedauer: 4 min

Teil 18 der Serie zum Stadtjubiläum „1200 Jahre Wangen“ – Heute geht es ums „Essen im barocken Wangen“
Veröffentlicht:02.12.2015, 19:52
Aktualisiert:23.10.2019, 21:00

Von:
Artikel teilen:

Unter dem Begriff „Zehrungen“ haben sich im Stadtarchiv Wangen zahlreiche Rechnungsbelege von Wangener Wirten erhalten. Diese Rechnungen waren auf Kosten der Stadtkasse entstanden. Meist waren sie anlässlich von hohen Festen oder beim Besuch von hohen Persönlichkeiten in der Stadt entstanden.

Als beispielsweise am 22. August 1731 der Konstanzer Weihbischof in Wangen weilte, entstand ein „Tractament für seine bischöfliche Gnaden Herrn Baron von Syrgenstein nebst 6Bedienten und Pferden“ in Höhe von 40 Gulden. Ein zwölf Gulden teures „Tractament“ aus dem Jahr 1719, das am Fest des Hl. Franziskus im Gasthaus Engel gegeben wurde, führt die dargereichten Speisen bei diesem Mahl auf. Das waren 3 Schafbäuch, 3 Hennen mit Nudeln, 2 Pasteten mit Kalb- und Schaffleisch, 3 Platten Finken in Brühe, 2 gebratene Wildbret, 3 Platten mit Halbvögeln und Lerchen, 2 gebratene Schafe und Kälbernes, 2 Platten Krebse, 2 Platten Küchle und 2 Platten Bratwürste.

Weitere Rechnungen von verschiedenen Wirten im Jahr 1719 bestanden in der Zeche des Bilhauers Kuen aus Bregenz , der die Rathausfassade gestaltete. Im Monat Juni wurden Brot, Dinate (Dinnete) und Bretzgen nach Nieratz in das Bad und das sogenannte „Thobel-Bier“ in die Schießhütte geliefert. Dann wurden beispielsweise auch die Arbeiter (Froner) verköstigt, die das Prassberger Haus auf dem Marktplatz abzubrechen hatten und am Rathaus bauten, ferner die Komödianten und Musikanten, die sich 3 Eimer Bier auf der Stadt Kosten zu verzehren erlaubten. Am 2. August 1720 lieferte der Löwenwirt ins Kapuzinerkloster 2 große Karpfen, 2 große Platten Forellen, 2 Platten gebackene Karpfen, 2 Platten gebackene Äschen, 1 Platte Baurenkiechle, 2 Mandeltorten, 2 Platten „Ehrle“ und 2 Platten Krebse.

Der Aufrichtschmaus des barocken Rathausvorbaus im Jahr 1720 kam vom Taubenwirt. Der Adlerwirt lieferte am 1720 ins Kloster Hühner und Kalbspasteten, gebratene Hühner, Kalbsviertel, Mandeltorten, Küchle und Hippen (Waffeln), Zitronen, gesottenes Schmalz, Kapern und Zitronen, Memminger Mehl, Nägele (Nelken), Muskatnuß, Pfeffer, Imber (Ingwer), Salz und Brot, Kirschwasser, Lerchen und Finken. Im Jahr 1721 erscheinen darüber hinaus Platten mit Kutteln samt gerösteter Leber, 1 Korb (Zeine) mit Hippen, Veltliner Wein, Elsässer Wein, Rebhühner, Öhrleküchle, Weinbeertorten, gerauchtes Fleisch, geschnitzelte Lungen, 1 welscher Hahn und Rehschlegel. Diese Rechnungsbelege zeigen, dass man in der offiziellen Wangener Gesellschaft durchaus wie bei Hofe zu tafeln verstand.

Neben den besonderen Empfängen der Stadt boten vor allem die jährlich wiederkehrenden Kirchenfeste wie „Corporis Christi“ (Fronleichnam), die Kreuzwoche und die Kapuziner-Hochfeste Portiuncula und St. Franziskus Anlässe für reichliches Schmausen. Die Festtafel für weltliche und geistliche Ehrengäste fand im Refektorium des Kapuzinerklosters, aber auch in den großen Stuben der führenden Gasthäuser statt. Dabei fehlte es auch nicht an Musik. 1737 wurden 10 Herren Musikanten, die bei St. Francisci-Fest im Kloster musiziert hatten, mit Essen verköstigt. Die meisten von ihnen waren Wangener Bürgersöhne, die als Studenten auch in der Ausübung von Musik geschult wurden.

Ein Zehrungskonto vom 16.9. 1737 in der Gesamtsumme von 117 Gulden beinhaltet die Ausgaben, die wohl anlässlich eines Besuchs des Bischofs von Konstanz in Wangen ausgegeben wurden. Allein dem bischöflichen Mundkoch waren in die Küche gegeben worden: 1 Haselhuhn samt Botenlohn von Bregenz, 1 Schnepfe, 12 halbe Vögel, 1 Zemer Wildbret, 10 Hühner, 2 Kapaunen, 2 Hennen, 20 Pfund Rindfleisch, 10 Pfund Kalbfleisch, 8 Pfund Schaffleisch, Ulmer Gersten, Weiße Erbsen, 17 Pfund Karpfen, 12 Pfund Forellen, 20 Forellen, 9 Pfund Stockfisch, Carviol, Rüben, Kraut, 100 Krebse, 40 Pfund Schmalz, 12 Pfund Butter, 7 Pfund Zucker, 6 Pfund Mandeln, 6 Lot Nelken, 5 Lot Muskatblei, 3 Lot Zimmet, 2 Lot Muskatnuss, 6 Lot Pfeffer, 10 Stück Zitronen, 140 Eier, Confekt, 5 Maß Essig, 40 Maß Markgräfler Wein, 24 Maß Neckarwein, 13 Maß Roter Schaffhauser, 17 Maß Seewein in die Küche und Saal, 42 Maß Bier, Brot, 1 Maß Kirschenwasser, ¼ Pfund Tee und „Cavee“. Weitere Ausgabeposten waren die 10 Pferde für den Bagagewagen, 2 Maultiere, Buchenholz auf den Herd, Baumöl für Licht beim Essen und für die Nachtwächter, 5 ½ Pfund Wachskerzen, 5 Pfund Unschlittkerzen, dem Postmeister von Leutkirch und seinen 12 Knechten für Wein, Käs und Brot, 4 Soldaten und 13 Bürgern für die Nachtwache, Servis für 6 Zimmer, 10 Better und für 30 Schaub Stroh.