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Wenn das Wasser kommt

So ist die Hochwasser-Lage am Dienstagabend in Wangen

Wangen / Lesedauer: 5 min

Der Wasserstand der Argen stieg in der Nacht rasant an. Aktuell wird die Lage beobachtet, denn der Fluss hat seine Tücken. Doch was passiert in einem echten Alarmfall? 
Veröffentlicht:14.11.2023, 11:19
Aktualisiert:14.11.2023, 18:57

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Gibt es in Wangen einmal mehr ein Hochwasser? Diese Frage hat sich in der Stadt seit Dienstagmorgen gestellt. In der Nacht war der Wasserstand der Obere Argen aufgrund der anhaltenden Regenfälle um rund einen Meter in die Höhe geschnellt. Gegen 8 Uhr gab es zudem eine Meldung der Katwarn-App des Bundes: Unter anderem entlang der Argen gebe es eine „mässige Hochwassergefährdung“.

Wann der Warnmelder auslöst

Um 10.30 Uhr lag der Pegel an der für die Lage in der Wangener Innen- und Altstadt wichtigen Messstelle in Epplings bei 1,75 Meter. Später hörten die Niederschläge zwischenzeitlich auf, und auch der Wasserstand sank deutlich – auf rund 1,25 Meter. Das änderte sich am frühen Abend erneut. Zuvor hatte es abermals begonnen, ausgiebig zu regnen.

Auch wenn die Argen seit Tagen und zu diesem Zeitpunkt enorme Wassermassen in ihrem Bett führte, hieß dies bis zum Redaktionsschluss für Stadt und Einsatzkräfte aber noch längst nicht, dass man in Wangen und ringsum bereits offiziell von einem Hochwasser sprechen konnte, das entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet hätte. Denn der automatische Warnmelder löst erst bei einem Pegelstand von 2,20 Meter aus.



Aber auch das muss noch nichts heißen. Denn erst wenn sich abzeichnet, dass der Wasserstand weiter klettert, entscheidet eine so genannte Beurteilungsgruppe, ob und wann Voralarm ausgerufen wird. Die Gruppe besteht aus Wangens OB Michael Lang, Feuerwehrchef Christoph Bock sowie Leitern der im Katastrophenschutz verantwortlichen Ämtern.

Aktuelle Hochwasser-Situation in der Bildergalerie:

Lautsprecherdurchsagen bei ernster Hochwasserlage

Erste Schutzmaßnahmen wäre in diesem Fall unter anderem der Einbau von Dammbalken am Großparkplatz P14 nahe der Altstadt. Auch der Fußgängersteg über die Obere Argen bei der Gallusbrücke würde angehoben.

Berücksichtigt wird jeweils auch immer die Wetterlage im Oberallgäu, wo die Argen entspringt. Regnet es dort stark oder kommen von dort große Mengen Tauwasser, hat dies in der Regel Folgen für den Pegelstand der Argen in Wangen.

Stadt Wangen

Ernst wird die Lage in der Stadt ab einem Epplingser Pegel von 2,40 Metern. Dann informiert die Polizei die Wangener Bevölkerung per Lautsprecherdurchsagen. Falls nötig, wird der Verkehr umgeleitet und am Argenufer wird die Straße gesperrt. In diesem Fall entscheidet die Beurteilungsgruppe auch, ob tatsächlich Hochwasseralarm ausgelöst werden muss. Dann greifen weitere Maßnahmen: So werden beispielsweise Sandsäcke verteilt.

Wenn in Wangen Hochwasseralarm herrscht, wird der Fußgängersteg an der Argen gesperrt und hochgelassen. Aktuell ist das aber noch nicht nötig. Das Foto stammt von einem früheren Ereignis.
Wenn in Wangen Hochwasseralarm herrscht, wird der Fußgängersteg an der Argen gesperrt und hochgelassen. Aktuell ist das aber noch nicht nötig. Das Foto stammt von einem früheren Ereignis. (Foto: sz)

So ist die aktuelle Hochwasser-Situation

Stand Dienstagabend war all dies noch nicht nötig, allerdings gab es auch noch keinen Grund für eine generelle Entspannung. Zum einen, weil es weiter regnete und Niederschläge bis weit in die Nacht hinein prognostiziert wurden.

In Amtzell hatte es nach Auskunft von Feuerwehrsprecher Achim Reißner schon am Mittag eine Alarmierung wegen eines übergelaufenen Bachs gegeben.

Zum anderen sind für die Entwicklung der Lage nicht allein die über Wangen niedergehenden Regenfälle entscheidend: „Berücksichtigt wird jeweils auch immer die Wetterlage im Oberallgäu, wo die Argen entspringt. Regnet es dort stark oder kommen von dort große Mengen Tauwasser, hat dies in der Regel Folgen für den Pegelstand der Argen in Wangen“, heißt es in einer Erläuterung auf der städtischen Internetseite. Zudem sorgt die topografische Lage der Argen dafür, dass die Wasserstände besonders schnell in die Höhe schnellen können – und das macht sie besonders tückisch.

Das weiß man in Wangen. Denn mit Hochwasser hat die Bevölkerung in der jüngeren Vergangenheit leidvolle Erfahrungen sammeln müssen. Immer noch vielen in Erinnerung ist das Pfingsthochwasser im Jahr 1999, als weite Teile der Innenstadt unter Wasser standen – die Argen war bei Wasserständen von mehr als drei Metern über die Ufer getreten.

Welche Erfahrungen Wangen mit Hochwasser hat

In der Folge wurden in der Stadt umfangreiche bauliche Schutzvorkehrungen gegen Wassermassen getroffen. Die bestanden ihre Nagelprobe im Jahr 2005, als die Obere Argen erneut die Marke von drei Metern überschritt – und das just, als die Bauwerke gerade fertig waren. Hochwasseralarme gab es auch in den Folgejahren immer wieder. So zum Beispiel 2013. Da wurde die Altstadt zusätzlich mit Sandsäcken gesichert. Gefahr drohte seinerzeit für das ufernahe Stadtarchiv in der Langen Gasse und seine wertvollen historischen Schätze.

Historische Hochwassermarken an der Wangener Argen dienen der Erinnerung und Mahnung.
Historische Hochwassermarken an der Wangener Argen dienen der Erinnerung und Mahnung. (Foto: Michael Wollny/SZ)

Zuletzt war Wangen im Sommer 2021 von den Folgen starker Regenfälle betroffen. Damals trat aber nicht die Argen über die Ufer, sondern das Wasser kam zur Überraschung aller aus Hängen beziehungsweise lief nur oberflächlich ab, weil das Erdreich es nicht mehr aufnehmen konnte. Überschwemmungen und voll gelaufene Keller in Epplings und Deuchelried waren die Folge. Ein Bach riss zudem eine kleine Brücke mit. Seither laufen auch für diese Fälle planerische Vorbereitungen für einen Hochwasserschutz.

Hangwasser ist wieder Thema

Dass dieser nötig ist, zeigt sich dieser Tage erneut. Denn unabhängig davon, ob die Argen über die Ufer tritt oder nicht, haben sich die Böden wieder bis zum Anschlag mit Wasser vollgesogen. Und wie es der Zufall will, werden Stadt und Planer genau an diesem Mittwoch über den Planungsstand informieren.

Stadt lädt zu Info-Abend

Auf Einladung von Stadt Wangen und Ortschaft Deuchelried ist am Mittwoch, 15. November, 18 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus Deuchelried eine weitere Infoveranstaltung zum Thema Starkregen-Risikomanagement. An diesem Abend stellt das Ingenieurbüro Fassnacht nun das Handlungskonzept vor, das sich aus der Gefährdungs- und Risikoanalyse ergeben hat. Es werden Lösungsvorschläge aufgezeigt, wie die Risiken von zukünftigen Starkregenereignissen eingeschränkt werden können. Im Anschluss gibt es Gelegenheit für Fragen an das Ingenieurbüro und die Vertreter des Tiefbauamts.