StartseiteRegionalRegion AllgäuWangenMehrere Hinweistafeln an der A 96 müssen ausgetauscht werden

30.000 Euro pro Schild

Mehrere Hinweistafeln an der A 96 müssen ausgetauscht werden

Kreis Ravensburg / Lesedauer: 7 min

Die Kosten sind den Verantwortlichen aber zu hoch. Gleich mehrere Schilder könnten deshalb verschwinden. Allen voran die, die aufs Schloss Waldburg verweisen.
Veröffentlicht:03.12.2023, 08:00

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13 grasende Kühe werden die Autofahrer auf der A 96 bald vorerst nicht mehr im Württembergischen Allgäu begrüßen: Die braunen Hinweistafeln müssen wegen Rissen in der Beschichtung abgebaut werden. So seien sie nicht mehr verkehrssicher, wie die Autobahn GmbH ans Landratsamt Ravensburg schreibt. Doch neue Schilder sind teuer, richtig teuer. Dafür müssen sich nun drei Geldgeber zusammenschließen.

Zu alledem ist die Liste der zu tauschenden Schilder noch länger: Auch die Schlösser Achberg und Waldburg brauchen neue Tafeln. Diese aufzustellen, könnte allerdings an strikten Vorgaben und fehlendem Geld scheitern. Der Förderverein Schloss Waldburg kritisiert die strengen Richtlinien und fühlt sich im Behördendschungel allein gelassen. Um wenigstens das Schloss-Achberg-Schild zu retten, muss der Landkreis kreativ werden.

Hinweistafel „Schloss Achberg“:

Wer von Lindau in Richtung Wangen fährt, kommt an diesem Schild vorbei. Es steht seit 2005. Dort könnte auch das neue stehen. Es gibt aber einen Haken. Bevor eine Hinweistafel erneuert wird, prüft die Autobahn GmbH, ob das touristische Ziel überhaupt noch die entsprechenden Vorgaben erfüllt.

Eine Regel besagt, dass beworbene Orte für Besucherinnen und Besucher ganzjährig zugänglich sein müssen. Das Schloss Achberg ist aber nur von Mitte April bis Ende Oktober freitags bis sonntags geöffnet. Deshalb könne die Autobahn GmbH ein Schild im gleichen Design nicht nochmal genehmigen, wie die Gesellschaft mitteilt, die zum Bundesverkehrsministerium gehört.

Der Landkreis Ravensburg hat aber ein Schlupfloch gefunden. Er möchte den Weg gehen, den die Gemeinde Kißlegg bei ihrem Schild gegangen ist, wie am Donnerstag in einer Ausschusssitzung bekannt wurde. Das Kißlegger Schild weist auf die Schlösser und Seen in der Region hin. Wenn auf dem Achberger Schild also künftig das Argental abgebildet wäre, könnte die Vorgabe mit den Öffnungszeiten umgangen werden, so die Idee des Ausschusses. Das Argental sei schließlich immer zugänglich, sagte Landrat Harald Sievers. Der Landkreis müsse seine Idee aber zunächst der Autobahn GmbH vorstellen.

Bleibt noch die Frage, wer das Schild bezahlt. Sievers versicherte: „Es ist völlig klar, dass das Aufgabe des Landkreises ist.“ Das Schloss Achberg gehört seit 1988 dem Landkreis Ravensburg, der es auch betreibt.

Hinweistafel „Württembergischen Allgäu“:

Ganz so klar ist die Antwort auf die Finanzierungsfrage bei diesen beiden Schildern nicht. Denn sie repräsentieren eine ganze Region. Die Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege Württembergisches Allgäu war vor 30 Jahren beteiligt, als die Schilder aufgestellt wurden, jeweils eins pro Fahrtrichtung.

Der Verein allein kann die Kosten der neuen Schilder aber nicht tragen. Denn es bräuchte nicht nur neue Schilder. Weil diese inzwischen größer sein müssen - die Maße sind exakt vorgeschrieben -, müssen laut Autobahn GmbH die Befestigungsstangen und Fundamente angepasst werden.

So sieht das Schild für das „Württembergische Allgäu“ heute aus. Wenn es nach der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege Württembergisches Allgäu geht, soll es auch künftig so bleiben. Es ist auch das Logo des Vereins.
So sieht das Schild für das „Württembergische Allgäu“ heute aus. Wenn es nach der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege Württembergisches Allgäu geht, soll es auch künftig so bleiben. Es ist auch das Logo des Vereins. (Foto: Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege Württembergisches Allgäu )

All das kostet laut Erfahrungen der Autobahn GmbH zwischen 25.000 Euro und 35.000 Euro. Zum Vergleich: Kißlegg hat im Jahr 2010 ein neues Schild bekommen. Das kostete nach Angaben der Gemeinde rund 3000 Euro.

„Wir könnten lange diskutieren, ob Bürokratieabbau und das, was die Autobahn GmbH hier verlangt, nicht im Gegensatz zueinander stehen“, sagte Roland Sauter, Bürgermeister der Gemeinde Argenbühl. Damit komme der Kreis aber nicht weiter. An dem Schild würden täglich 40.000 Fahrzeuge vorbeikommen. Deshalb fordert er, dass sich der Landkreis beteiligt. Leutkirchs Oberbürgermeister Hans-Jörg Henle stimmte dem zu: „Hier würden wir einen Werbeplatz aufgeben, und das kann aus meiner Sicht nicht sein.“

Der Landkreis möchte nun mit der Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege Württembergisches Allgäu und dem Zweckverband Tourismus Württembergisches Allgäu darüber sprechen, wer wie viel von den Kosten übernimmt. Die Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege sicherte bereits 5000 Euro zu und wünscht sich, dass das Design gleich bleibt.

Wird das Vorhaben allerdings zu teuer, könnte auch nur das Schild an der Fahrbahn aus Memmingen kommend ersetzt werden, so Landrat Harald Sievers. Das zweite würde dann verschwinden.

Hinweistafel „Schloss Waldburg“:

Ganz verschwinden werden voraussichtlich auch diese beiden Schilder wegen Rissen in der Beschichtung. Der Förderverein Schloss Waldburg und der Betreiber der Burg, Max Haller, hatten sich für den Erhalt der Schilder eingesetzt, sogar eine Spendenaktion gestartet. Zusammen kam aber nur ein niedriger vierstelliger Betrag, wie der Vorsitzende des Fördervereins, Christoph Wegele, mitteilt.

„Wir hatten vorgeschlagen, die bestehenden Schilder zu überholen, also die Folie zu ersetzen, was mit unseren Spendengeldern und wenigen Eigenmitteln machbar gewesen wäre, aber das kam nicht in Frage“, schreibt Christoph Wegele. „Wir müssen also kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, dass in Zeiten von Fachkräftemangel und Rufen nach mehr Nachhaltigkeit, besserem Umgang mit den Geldern der Behörden und Bürokratieabbau das genaue Gegenteil gemacht wird. Wir werden die Spendengelder für die nächste Sonderausstellung nutzen.“

Bereits im August wurde bekannt, dass die Schilder ausgetauscht werden müssen. Der Landkreis hält sich nicht für zuständig. Die Gemeinde Waldburg allein kann die Schilder nicht finanzieren. Tatsächlich muss laut Autobahn GmbH im Falle einer Reparatur oder Ersatz der jeweilige Antragsteller eines Schildes für die Kosten aufkommen. Die Betriebsgesellschaft „Museum auf der Waldburg“ hatte die Schilder ursprünglich aufstellen lassen. Sie existiert aber inzwischen nicht mehr.

Bis heute ist nicht geklärt, wer nun für die Schilder verantwortlich ist. Spätestens im neuen Jahr muss eine Entscheidung her, denn dann sollen die Schilder abgebaut werden - und der Abbau muss bezahlt werden.