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Diese Spuren hinterließen die Römer in Oberschwaben

Argenbühl / Lesedauer: 3 min

Diese Spuren hinterließen die Römer in Oberschwaben
Veröffentlicht:15.11.2018, 16:16

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Marcus Meyer vom Landesamt für Denkmalpflege Esslingen hat in der Schule Ratzenried über die Besiedlung der Römer in Oberschwaben referiert. „Spuren der Römer im Westallgäu während des ersten bis vierten Jahrhunderts nach Christi“ lautete der Titel des eindrucksvollen und informativen Vortrags.

Den Stein – oder besser die Münze – ins Rollen brachte der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins Ratzenried, Berthold Büchele . Er hatte auf einer Wiese bei Sechshöf neben herumliegenden Scherben auch Münzen gefunden, die sich später als römisches Zahlungsmittel dokumentieren ließen. Dieser Fund erweckte bei ihm die Neugier, mehr über diese spannende Epoche zu erfahren. Dafür habe er sich einen hochkarätigen Kenner der oberschwäbischen Geschichte ins Boot geholt, sagte Büchele bei der Vorstellung des Referenten.

Schwierig Funde zu entdecken

Marcus Meyer beschäftigte sich über 14 Jahre lang mit der Besiedlung der Römer im Raum Oberschwaben. Im Rahmen seiner Dissertation über die römische Besiedlung mit Gutshöfen, befasste er sich intensiv mit der Region. Doch die Suche sei sehr mühsam. Da die Landschaft hauptsächlich aus Wiesen besteht, sei es schwierig, Funde zu entdecken, so Meyer. Neben Feldbegehungen wird auch das Ährenwachstum beobachtet. Stehen an einer Stelle die Pflanzen kürzer, kann man darunter ein Überbleibsel aus vergangener Zeit vermuten. Geophysikalisch kann gemessen werden, was im Boden vorhanden ist. Ein modernes Mittel auf Feldern nach Fragmenten aus der Römerzeit zu suchen, seien sogenannte Oberflächenscans. Dabei wird zum Beispiel mit einem Hubschrauber die Erdoberfläche gescannt und später ausgewertet. Und da es so gut wie keine Schriftquellen gäbe, sei es unumgänglich die Spuren im Gelände zu suchen. Des Rätsels Lösung wäre dann schließlich die Ausgrabung. „Alles, was man über diese Zeit weiß, wissen wir von Forschungen der vergangenen 200 Jahre,“ so Meyer. Ein Ausschnitt einer Straßenkarte, der Tabula Peutingeriana, zeigt anschaulich die Situation der „Verkehrsnetze“ der damaligen Zeit. Dabei hätten die Römer die Straßen dem Gelände angepasst. Damals wurden Entfernungen noch in Doppelschritten gemessen. So seien 11 000 Doppelschritte ungefähr 16 Kilometer.

Mindestens 75 Gutshöfe

Auch Seewege gab es. An Flüssen wurden Boote häufig vom Land aus gezogen. Entweder von Tieren oder Menschen. Schwerpunkt von Meyers Forschungsarbeiten waren die Gutshöfe im Raum Oberschwaben. Nachweislich gäbe es davon 75, doch wahrscheinlich seien es viel mehr. Diese Gutshöfe dienten der Lebensmittelversorgung. Dort wurde Dinkel – das Lieblingskorn der Römer angebaut – oder Tiere gehalten. Neben den dort wohnenden Familien halfen vermutlich auch Wanderarbeiter bei der Ernte oder sonstigen ländlichen Arbeiten. Als Baumaterial fand man Marmor oder Schiefer. Neben Stein wurde für den Bau der Häuser auch Holz verwendet. Mit zahlreichen Bildern dokumentierte Meyer bedeutende Funde, die in der Region gemacht wurden. Geschirr, Vasen, Schmuckstücke und Skulpturen. Funde, die die Geschichte einer hochentwickelten Kultur dokumentieren. Von einer Kultur, die neben der lateinischen Sprache und Schrift ganze Landschaften prägten. Wasserleitungen, Straßen und Brücken bauten.

Doch wer waren die Menschen, die hinter dieser Kultur steckten? Über deren Lebensweise wisse man sehr wenig, so Meyer. Am meisten Aufschluss gäben die Friedhöfe. Die Menschen wurden hauptsächlich verbrannt und die Asche in Urnen gegeben. Auf dem Scheiterhaufen gab man noch Gegenstände dazu, die dem Verstorbenen zu Lebzeiten viel bedeuteten. Schmuck, Geschirr oder sonstige Kostbarkeiten. Im Jahr 254 nach Christus seien die Gutshöfe dann aufgegeben worden. Auch wenn in Ratzenried bis jetzt noch keine Anzeichen für die Existenz eines Gutshofs entdeckt wurden, so sei der Fund der Münzen dennoch ein Grund zur Annahme, dass auch hier ein Gehöft gestanden haben könnte. Dass die Zeit der Römer noch lange nicht Geschichte ist, zeigte auch das zahlreiche Erscheinen der 130 Gäste.