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„Lieb Heimatland ade“

Ratzenried / Lesedauer: 2min

Vom Wert und Verfall der Allgäuer Mundarten
Veröffentlicht:04.12.2023, 12:51
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Der Heimatverein Ratzenried lud zu der Vorstellung des neuen Buches von Heimatforscher Berthold Büchele ins Foyer der Ratzenrieder Schule ein. Der Autor berichtete, wie er sich schon als Jugendlicher für dieses Thema interessierte. Im Laufe der Jahrzehnte weitete er sein Forschungsgebiet auf das württembergische und angrenzende bayerische West-Allgäu aus und machte in rund 60 Orten Tonaufnahmen und Befragungen.

Dabei stellte er Unterschiede und Feinheiten der Dialekte und sammelte rund 5000 besondere Wörter und etwa 1000 Redensarten in alemannischer und schwäbischer Mundart. Um diesen besonderen kulturellen Wert der Nachwelt zu erhalten, entschloss Büchele sich, dieses Buch zu veröffentlichen.

Viele Kostproben zeigten dem Publikum den unerschöpflichen Reichtum, den Humor, die Treffsicherheit und die Tiefsinnigkeit der Dialekte. Neben diesen Wortsammlungen interessierte er sich auch für die Herkunft, Entwicklung und Unterschiede der Allgäuer Dialekte im besagten Kulturraum. Anhand von alten Urkunden und sonstigen schriftlichen Zeugnissen des 14. bis 18. Jahrhunderts wollte er den allmählichen Wandel und die beginnenden Verluste aufzeigen.

Der Aspekt der historischen Entwicklung wird in der Gegenwart besonders aktuell, weil der Verfall der Mundarten in den letzten Jahrzehnten unaufhaltsam voranschreitet. Die Ursachen dieses Verfalls werden an den Beispielen Familie, Schule, Gesellschaft und Medien aufgezeigt. Inzwischen ist die alemannische Mundart im württembergischen Allgäu schon fast ausgestorben, im bayerischen Allgäu auf dem Rückzug. Über kurz oder lang ist auch der schwäbische Dialekt gefährdet.

Am Schluss der Vorstellung bemerkte der Autor: Während mancherorts besondere, vom Aussterben bedrohte Sprachen und Dialekte zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt würden, sei vielen nicht bewusst, dass auch unsere heimatlichen Mundarten vom Aussterben bedrohte Sprachen seien. Wenn dem nicht Einhalt gegeben werde, heiße es wohl in Zukunft: „Wir können alles außer Mundart“ oder „Lieb Heimatland, ade!“.


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