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Was ist wichtiger?

Windkraft versus Flugverkehr in Leutkirch: Grüne wollen Kompromiss

Leutkirch / Lesedauer: 4 min

Kann die Platzrunde am Flugplatz Unterzeil verlegt werden? Was der Flugplatz–Betriebsleiter und die Luftfahrtbehörde dazu sagen.
Veröffentlicht:17.03.2023, 06:59

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Die Pläne für die Windkraft im Unteren Stadtwald von Leutkirch werden nicht weiterverfolgt. Der Grund: Die geplanten Standorte hätten die bestehenden Schutzbereiche für Flugzeuge rund um den Flugplatz in Unterzeil tangiert.

Der Orts– und der Kreisverband der Grünen bringen in einer Pressemitteilung ihr Bedauern über das Aus für die Windkraft im Stadtwald zum Ausdruck. Sie werfen unter anderem die Frage auf, ob die Interessen der Flieger und des Flugplatzes höher zu bewerten sind als die der Allgemeinheit — und ob es nicht zumindest einen Kompromiss geben kann.

„Auch wir in Leutkirch sind Zeugen des weltweiten Klimawandels“, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen. Um die festgeschriebenen Klimaziele zu erreichen, sei es „unerlässlich, den Ausbau der Erneuerbaren Energien mutig und zielstrebig voranzutreiben“, wird Esther Straub, Vorsitzende des Leutkircher Ortsverbandes, zitiert. Es gelte unter anderem auch, Gewohnheiten zu überdenken und bei Bedarf anzupassen.

Ergebnisoffene Diskussion gefordert

Deshalb sind die Grünen der Meinung, dass „zumindest ergebnisoffen darüber diskutiert werden soll“, welche Interessen höher zu bewerten sind und ob ein Kompromiss mit dem Flugbetrieb im Unteren Stadtwald möglich ist.

Wenn der notwendige Ausbau der Erneuerbaren Energien so gedacht wird, dass es Veränderungen nur dann geben darf, wenn bitteschön alles so bleibt wie es ist, dann werden wir weder unsere gesetzlich verankerten Klimaschutzziele noch regionale Energiesicherheit erreichen,

sagt Klaus Häring–Becker, Vorsitzender des Grünen–Kreisverbandes Wangen.

Ähnlicher Ansicht ist Alfons Notz, der als stellvertretender Fraktionsvorsitzender des Leutkircher Bürgerforums im Gemeinderat sitzt. Er spricht von einer „epochalen Transformationsherausforderung“, will man die Bewohnbarkeit der Erde auf Dauer erhalten. Für die Gewinnung erneuerbarer, bezahlbarer und CO₂–armer Energie müssen seiner Einschätzung nach „im Konfliktfall die Interessen der Hobbyflieger nachrangig priorisiert“ werden.

„Schutzbereiche gibt es nicht umsonst“

Notz ist überzeugt davon, dass sich „bei gutem Willen aller Beteiligten“ sichere Flugrouten finden lassen, die potenzielle Windräder im Unteren Stadtwald nicht tangieren würden. Der Stadtrat spricht von „erträglichen Abstrichen an individuellen Ansprüchen“, die im Sinne des Gemeinwohls zugemutet werden dürfen und können.

Es gibt sicher andere Standorte, die weniger Gefahr für den Flugbetrieb darstellen als die unmittelbare Nähe zu einem gut frequentierten Verkehrslandeplatz,

teilt hingegen Theo Kibler, Betriebsleiter des Waldburg–Zeil–Flugplatzes, auf Anfrage von Schwäbische.de mit.

Die Planung von Windrädern innerhalb der Hindernisfreifläche und des Einflugsbereiches eines Verkehrslandeplatzes hätte die Flugleiter „schon sehr verwundert“. Schließlich gebe es die Schutzbereiche nicht umsonst.

Sicherheitsabstände seien umstritten

Zudem sind die aktuell gültigen Sicherheitsabstände zu Windrädern nach Einschätzung von Kibler umstritten, „da sie für kleinere Anlagen entwickelt wurden“. Für den Stadtwald waren Räder mit einer Gesamthöhe von rund 250 Metern vorgesehen. Selbst die „gefiederten Kollegen“ würden von manchen Windkraftanlagen getötet werden, „da die hohe Blattgeschwindigkeit und deren Wirbelschleppen von über 250 Kilometern pro Stunde für die geborenen Flugspezialisten nicht beherrschbar ist“.

Der Verkehrslandeplatz in Unterzeil kann laut Flugleiter auf fast 70 Jahre sicheren Betrieb zurückblicken. „Er ist einer der beliebtesten Flugplätze im süddeutschen Raum und deutschlandweit bekannt und beliebt.“

Ist eine Verlegung der Flugroute möglich?

Auch nach Einschätzung des Stuttgarter Regierungspräsidiums (RP), das für den Luftverkehr in Baden–Württemberg zuständig ist, handelt es sich bei der Anlage in Unterzeil um ein „wichtiges Infrastrukturelement“. Wie eine Pressesprecherin auf Anfrage mitteilt, sei — um Windenergie unter Umständen ermöglichen zu können — bereits geprüft worden, ob der Einflug in die sogenannte Platzrunde verlegt werden kann. Diese sorgt für einen sicheren und geordneten Ablauf sämtlicher An– und Abflüge am Flughafen.

Die Prüfung hat ergeben, dass Überlegung für eine Verlegung nicht weiterverfolgt werden. Ausschlaggebend dafür waren laut RP Sicherheitsbedenken von Seiten der Flugplatz–Verantwortlichen in Unterzeil. „Nach eingehender Prüfung“ seien die Bedenken von der Landesluftfahrtbehörde (RP) als plausibel bewertet worden, „da sie konkrete Gefährdungsmöglichkeiten der Sicherheit und Leichtigkeit der Luftverkehrsabwicklung“ aufzeigen.

Weitere Windkraft–Pläne in Leutkirch

Vom Thema Flugsicherung unabhängig sind indes die Windkraft–Pläne von ForstBW auf Landesflächen in Leutkirch, die sich im Staatswald deutlich weiter im Osten in Richtung Rotis befinden. Die Anstalt öffentlichen Rechts plant dort im Auftrag des Landes Baden–Württemberg weiterhin mit mehreren Windkraftanlagen. Vor einiger Zeit war bekannt geworden, dass die Firma RWE mit der Entwicklung der Anlagen beauftragt worden war.