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Klartext in der Fasnet

Weniger Fasnets-Sticheleien, dafür ein flammender Appell für die Demokratie

Leutkirch / Lesedauer: 3 min

Beim Zunftmeisterempfang der Leutkircher Narrenzunft Nibelgau wurde Präsident Blum ernst und sprach eine klare Botschaft aus. Das Publikum reagiert mit lauter Zustimmung.
Veröffentlicht:12.02.2024, 15:10

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Direkt vor dem großen Leutkircher Narrensprung am Sonntag hatte die Nibelgauer Zunft ihren traditionellen Zunftmeisterempfang veranstaltet. In der aufwändig geschmückten Festhalle begrüßte Präsident Thomas Blum die Vertreter der am Umzug teilnehmenden Gruppen, verdiente Mitglieder der Narrenzunft Nibelgau und auch einige Ehrengäste.

Eigentlich nutzen die (Ober)-Bürgermeister aus Leutkirch, Isny und Aitrach den launigen Empfang auch dazu, sich gegenseitig auf die Schippe zu nehmen. In diesem Jahr ließen sie sich allerdings etwas anderes einfallen.

„Im Nibelgau sind heute die Narren los“, verkündete Thomas Blum bei seiner Begrüßung. Die Leutkircher Zunft befindet sich mittlerweile bereits im 68. Narrenjahr. Und wieder einmal haben die Mitglieder viel Zeit investiert - laut Blum waren es in diesem Jahr rund 1100 Stunden - um die Festhalle umzugestalten und auf die närrischen Veranstaltungen unter dem Motto „NZ Nibelgau goes Vienna“ vorzubereiten.

Appell für Menschenrechte

Neben vielen Späßen und humorvollen Aussagen gab es aber auch ein paar ernste Töne. Der Präsident nutzte die Bühne zum Beispiel für ein politisches Statement. Genauer gesagt für einen flammenden Appell für die Demokratie und für Menschenrechte.

„Die freiheitliche Demokratie lassen wir uns nicht zerstören“, verkündete Blum. Bei der Fasnet, bei der friedlich und unbeschwert miteinander gelacht werden kann, „zählt allein der Mensch“ - unabhängig von Faktoren wie zum Beispiel der Herkunft. Die fünfte Jahreszeit sei „kein Nährboden für Gewalt und Menschenfeindlichkeit“, stellte Blum klar, wofür er vom Publikum begeisternden Applaus erhielt.

Ein ähnliches Anliegen hatten die Rathauschefs aus Leutkirch, Isny und Aitrach. Statt wie gewohnt gegeneinander zu sticheln, entschlossen sich Hans-Jörg Henle, Rainer Magenreuter und Thomas Kellenberger dazu, das Miteinander zu demonstrieren.

„Die Fasnet ist bunt. Jeder darf mitmachen“, erklärte Henle. Das Leutkircher Stadtoberhaupt wünscht sich, dass sich im Land wieder so eine „super Stimmung“ wie beim Sommermärchen 2006 ausbreitet. „So stellen wir uns eigentlich das Leben vor.“

Bürgermeister singen

Passend dazu sangen die (Ober)-Bürgermeister das Lied von Franz Beckenbauer mit dem Titel „Gute Freunde kann niemand trennen“. Vor allem Rainer Magenreuter zeigte sich mit Gitarre von seiner besten musikalischen Seite. Das Publikum war begeistert und stimmte gleich mit ein. Sogar Freundschaftsbänder ließen sich Henle, Magenreuter und Kellenberger im Anschluss anlegen.

Ganz konnten oder wollten die Rathauschefs die Sticheleien dann aber doch nicht lassen. So hatten die Aitracher ein Plakat unter dem Titel „Der Kaiser von Leutkirch“ entworfen, das Hans-Jörg Henle als Franz Beckenbauer in jungen Jahren darstellte. Schließlich ist Henle nach Angaben von Kellenberger „die Lichtgestalt der Stadt Leutkirch“.

Warnweste für OB Henle

Und auch die Narrenzunft ließ es sich nicht nehmen, ihren „Oberschultes“ auf die Schippe zu nehmen. Deshalb überreichte ihm Thomas Blum einige „wichtige Utensilien“ für die im Juni anstehende OB-Wahl. Dazu zählte etwa eine Krone, damit potenzielle Gegenkandidaten Respekt bekämen. Dazu zählte eine Warnweste, damit klar ersichtlich sei, dass es sich beim OB-Kandidaten um eine „schützenswerte Spezies“ handele. Und dazu zählte auch ein Topflappen, „damit er heiße Themen anfassen kann“.

Für die musikalische Unterhaltung beim Zunftmeisterempfang sorgten die „Allgaier Long Dongs“.