Bürgertisch

„Politik aus einem Guss“ verspricht die Leutkircher Kandidatin

Leutkirch / Lesedauer: 4 min

Maria Kreiner will vor der OB-Wahl am 12. Juni bei Bürgertischen erfahren, was die Menschen beschäftigt
Veröffentlicht:30.05.2016, 18:33
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

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„Bürgertische“ nennt Maria Kreiner, Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl am 12. Juni, ihre Wahlkampfveranstaltungen in Leutkirch und den Ortschaften. Mit der Resonanz bisher ist sie zufrieden: „Ich komme gut ins Gespräch mit den Leuten“, sagt die 41-jährige Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin. Was die Leute beschäftigt, fasst sie unter den Stichworten Verkehrsbelastung, Bebauungspläne, Kinderbetreuung, Südumfahrung zusammen. Auffallend sei, dass in Leutkirch sehr viele Einzelprojekte angegangen würden. Was aus ihrer Sicht fehlt, ist „eine Politik aus einem Guss“. Das, verspricht sie, will sie ändern, sollte sie am 12. Juni gewählt werden.

Montag, Markttag in Leutkirch. Maria Kreiner hat um 11 Uhr zum Frühschoppen in den „Mohren“ geladen. Eine Viertelstunde später sitzen drei Interessierte mit der Kandidatin am Bürgertisch: das Ehepaar Härle senior und Kurt Lillich . Mehr werden es nicht, vielleicht auch, weil die SZ den Termin zwar in der Gesamtübersicht angekündigt hatte, nicht aber aktuell am Montag. „Was bewegt Sie?“ fragt Maria Kreiner, und Clemens Härle antwortet wie aus der Pistole geschossen: „der Verkehr“. Ob an der Kreuzung Mohrenbrücke oder in der Oberen Vorstadtstraße: „Überall gibt es Stau.“ Der LKW-Verkehr habe durch die Milei-Erweiterung spürbar zugenommen, die Innenstadt sei völlig überlastet. Und schon fällt es wieder, das Stichwort Südumfahrung, auch wenn allen Beteiligten klar ist, dass es für eine Umsetzung der ursprünglichen Pläne längst zu spät ist. Die Bebauung an der Isnyer Straße hat dem im wahrsten Sinne einen Riegel vorgeschoben.

Für Maria Kreiner ist das Anlass genug, für ein Verkehrskonzept für die Innenstadt zu werben – mit Tempo-30-Zonen angesichts der Senioreneinrichtungen in der Stadt. Aber auch mit Beobachtung sogenannter „Krawallfahrer“, die abends Runde für Runde durch die Innenstadt drehen, wie Clemens und Eleonore Härle bestätigen. „Da könnte man doch auch Polizisten in Zivil einsetzen“, schlägt Kreiner vor. „Man müsste einfach die Initiative ergreifen und die Leute direkt beim Krawallmachen überführen.“ Manch ein Anwohner wünsche sich das schon seit langem.

Kurt Lillich ist gekommen, um sich „ein Bild von der Kandidatin zu machen“, wie er sagt. Dass er selbst 16 Jahre das Amt des Leutkircher Bürgermeisters innehatte und „vergeblich versucht“ hat, OB zu werden, verschweigt er nicht. Seine Frage, inwieweit sie sich für die Vielzahl der Verwaltungsaufgaben einer Großen Kreisstadt qualifiziert sehe, beantwortet Kreiner mit der Absicht, den Referatsleitern künftig mehr Spielraum zu geben als bisher und, wo nötig, „Kompetenzen hinzuzukaufen“. Überhaupt sehe sie ihr Ziel darin, eine „Vertrauenskultur“ zu entwickeln: „Als Oberbürgermeisterin stehe ich hinter meinen Mitarbeitern, und meine Mitarbeiter stehen hinter mir.“

Angesprochen auf die Stelle des Beigeordneten, die mit dem Wechsel von Bürgermeister Martin Bendel nach Ulm frei wird, sagt Kreiner, sie würde diese Stelle wieder besetzen. Das bisherige Profil sollte beibehalten werden, findet die Kandidatin, „denn der Bereich Finanzen ist zentral und prägt die Politik“. Dem kann Lillich nur zustimmen.

Angesichts reduzierter Mitarbeiterzahlen in den Ortsverwaltungen möchte der frühere Bürgermeister von der Kandidatin zudem wissen: „Wie stehen Sie zu den Ortschaften?“. Sie habe, sagt Maria Kreiner, vor Ort den Eindruck gewonnen, die Bürger in den Ortschaften fühlten sich „nicht immer ganz ernst genommen“. Oder gar gegeneinander ausgespielt – wie etwa beim geplanten Mobilfunkmasten in Ottmannshofen. Als Oberbürgermeisterin wolle sie ausgleichen zwischen den Ortschaften und darauf achten, dass auf eine Belastung immer auch wieder eine positive Entwicklung folge.

Gefragt nach ihrer Einschätzung zum Thema Center Parcs („Fluch oder Segen für die Stadt?“) meint Kreiner, die Entscheidung sei gefallen, man habe sich nun den Aufgaben zu stellen. Die sieht sie vor allem darin, die (finanziellen) Belastungen für die Stadt möglichst gering zu halten und andererseits bei allen Entscheidungen zu fragen: „Was hat Leutkirch davon?“. Dass sich die Stadt und besonders die Ortschaften Urlau und Winterstetten verändern werden, wenn sich alljährlich Tausende von Urlaubern dort aufhalten werden, darin sind sich Lillich und Kreiner einig. Ebenso in der Einschätzung, dass Politik heute mehr denn je erklärt werden muss. Maria Kreiner sagt: „Tatsachen müssen kommuniziert, Prozesse weiterentwickelt und Alternativen gesucht werden.“

Eineinhalb Stunden wird diskutiert beim Bürgertisch im Mohren, auch Schulentwicklung und Personalführung sind Themen. Ob die Teilnehmer bereits eine Wahlentscheidung getroffen haben? Gut möglich. Aber welche, das bleibt ihr (Wahl-) Geheimnis.

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