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Abschied

Ordnungsamtsleiter musste viel Kritik einstecken

Leutkirch / Lesedauer: 3 min

Nach mehr als 25 Jahren geht Elmar Haag in den Ruhestand. Warum der Posten eine große Herausforderung darstellt.
Veröffentlicht:10.02.2024, 15:00

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Mehr als 25 Jahre lang hat Elmar Haag das Ordnungs- und Sozialamt der Stadt Leutkirch geleitet. Ende Februar ist Schluss, denn dann tritt der Reichenhofener seinen wohlverdienten Ruhestand an. Mit Andreas Ellgaß ist bereits ein Nachfolger gefunden worden. Im Gespräch mit Schwäbische.de blickt Haag auf die ereignisreiche, aber auch fordernde Zeit zurück, erklärt unter anderem, dass ein Ordnungsamtsleiter ständig in der Kritik steht und warum eine Fahrt mit dem Polizeichef vor vielen Jahren für großes Gelächter bei seinen Kollegen gesorgt hat.

Es ist ein sehr emotionaler Personalwechsel, der in den kommenden Tagen bei der Stadtverwaltung ansteht. „Die Freude auf den Ruhestand überwiegt. Aber ich habe auch Respekt davor“, sagt Elmar Haag. Beim Gespräch ist zu spüren, dass ihm der anstehende Abschied von liebgewonnenen Kollegen nahegeht. Er sei die ganzen Jahre über immer gerne ins Rathaus gegangen, versichert Haag.

Mitarbeiter stehen als „die Bösen“ da

„Hochinteressant, aber auch sehr fordernd“ - so bewertet der angehende Pensionär sein Aufgabenfeld der vergangenen Jahrzehnte. Als Leiter des Ordnungsamts stehe man „sehr oft in der Kritik“, die teilweise auch auf die persönliche Ebene gehe. Meistens seien Verkehrsthemen dafür die Ursache. Konkret zum Beispiel, wenn Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden.

Von den Leuten werden wir oft auf diejenigen reduziert, die die Strafzettel verteilen,

sagt Haag.

 Die Mitarbeiter des Ordnungsamts seien es, die in der Bevölkerung deshalb häufig als „die Bösen“ dastehen. Dabei zählen zu den Zuständigkeiten der Abteilung - mit rund 50 Personen - auch viele andere Bereiche wie das Sozialamt, das Bürgerbüro, das Feuerwehrwesen oder der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV).

Für Unfälle verantwortlich gemacht

Zu Anfeindungen komme es auch immer wieder, wenn Wünsche von Bürgern nach Tempobegrenzungen auf bestimmten Straßenabschnitten nicht berücksichtigt werden können. Weil die Behörde „immer Sach- und Rechtsentscheidungen“ treffe, sei es in den meisten Fällen aber gar nicht möglich, Höchstgeschwindigkeiten zu verändern. Zweimal sei Haag vor Jahren von Bürgern gar für den Tod von Menschen bei Verkehrsunfällen verantwortlich gemacht worden. „Herr Haag hat an der Unfallstelle keine Tempobegrenzung eingeführt“, habe es geheißen.

„Das habe ich gedanklich dann schon mit nach Hause genommen“, schildert der Reichenhofener. Ein Ordnungsamtsleiter müsse - weil er in der Öffentlichkeit stehe - eben ein dickes Fell mitbringen. „Man wird mit der Zeit aber auch abgebrüht.“ Weil das Ordnungsamt häufig in die Rechts- und Freiheitssphäre von Bürgern eingreifen müsse, liege es in der Natur der Sache, dass die negativen die positven Rückmeldungen deutlich überwiegen.

„Alles wird kritischer hinterfragt“

Vieles sei im Ordnungsamt in den vergangenen 25 Jahren ähnlich geblieben - etwa die Zuständigkeiten. Stark verändert haben sich nach Einschätzung von Haag - neben der Technik - vor allem auch die Ansprüche in der Gesellschaft. „Alles wird viel kritischer hinterfragt. Eigene Interessen werden immer mehr eingefordert“, ist er sich sicher.

Kräftig verändern wird sich in den kommenden Wochen auch der Alltag des künftigen Ruheständlers. Er habe sich deshalb extra „ein paar Hobbys zugelegt“, erzählt Haag schmunzelnd. Dazu zählten - neben Zeit mit seiner Familie zu verbringen - Schach spielen und Aktivitäten, die mit der Natur verbunden sind. So fungiert er seit einiger Zeit etwa als Imker.

Kuriose Fahrt mit dem Polizeichef

Und auch Momente zum Schmunzeln werden Elmar Haag im Ruhestand bleiben. Zum Beispiel ein Erlebnis, das vor etlichen Jahren für viel Gelächter bei seinen Rathaus-Kollegen gesorgt hat. Denn er sei eines Tages zusammen mit dem örtlichen Polizeichef mit dem Auto durch die Stadt gefahren - und während der angeregten Unterhaltung prompt mit leicht überhöhter Geschwindigkeit von einem städtischen Blitzgerät erfasst worden. „Wir haben alle gemeinsam herzhaft gelacht“, erinnert sich Haag.

Seit 1985 war er bei der Stadt Leutkirch beschäftigt - zunächst als Sachgebietsleiter in verschiedenen Bereichen. Von seinem Nachfolger Andreas Ellgaß erwartet er auch, dass künftig „neue Denkweisen installiert“ und „alte Zöpfe abgeschnitten“ werden. Das könne nach so vielen Jahren jedenfalls nicht schaden. Wie die Stadtverwaltung mitteilt, stammt der 29-jährige Ellgaß aus Wangen und war zuvor im Ordnungsamt der Gemeinde Manching (Bayern) als Leiter beschäftigt.