Holzscheibe

Noch einmal jedem Gast Aufmerksamkeit schenken

Leutkirch / Lesedauer: 3 min

Mitarbeiter gedenken in der Galluskapelle Tautenhofen den Verstorbenen aus dem Leutkircher Hospiz Ursula
Veröffentlicht:14.12.2020, 16:52

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47 individuell gestaltete Holzscheiben, 47 Lichter, 47 Namen: Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter haben in der Galluskapelle Tautenhofen der Menschen gedacht, die seit der Eröffnung im Juli 2019 im Hospiz Ursula in Leutkirch verstorben sind. Wegen der aktuellen Einschränkungen konnten Angehörige nicht dabei sein, sie bekommen eine Erinnerung an die Feier zu Ehren ihrer Lieben nach Hause geschickt, teilt die St.-Elisabeth-Stiftung mit.

Unter Einhaltung der gültigen Hygienebestimmungen, mit großem Abstand voneinander und trotzdem in spürbarer Verbundenheit hätten Hospizleiterin Evelyn Mauch und zehn ihrer Mitarbeiter sich eine Stunde Zeit genommen und gemeinsam der 47 Gäste gedacht, die sie seit Bestehen des Hospiz Ursula auf der letzten Etappe ihres Lebensweges umsorgt haben.

Holzscheiben mit Namen, Geburts- und Sterbedatum

In der Mitte des lichtdurchfluteten Rundbaus leuchtete die große Kerze, die im Hospiz immer dann entzündet wird, wenn ein Gast stirbt. Drumherum lagen strahlenförmig die Holzscheiben. Für jeden Gast eine, die vom Team mit Namen, Geburts- und Sterbedatum beschriftet, farbig und liebevoll gestaltet wurden. „Jeder unserer Gäste brachte seine eigene Lebensfarbe in seine Familie, in seinen Freundeskreis, in unser Hospiz“, sagte Dorothee Braig, Pflegedienstleiterin im Hospiz Ursula. „Wir schauen dankbar zurück auf so vieles, was sie uns geschenkt haben und was in unseren Herzen weiterleben wird.“

Aus dem Gedenkbuch las Evelyn Mauch jeden einzelnen Namen vor, während für jeden Gast eine Kerze entzündet und neben seine persönliche Astscheibe gestellt wurde. Gesungen werden durfte nicht, aber Mitarbeiterin Erika Pasian und Evelyn Mauch ließen feierliche Klaviermusik erklingen.

„Der Mensch besteht aus mehr als aus Symptomen“

„Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Evelyn Mauch stellte den von Cicely Saunders stammenden Leitsatz aller Hospize in Trägerschaft der St.-Elisabeth-Stiftung in den Mittelpunkt ihrer Ansprache. „Wir können unseren Gästen ihre Erkrankung nicht nehmen, wir können nur Symptome lindern. Aber der Mensch besteht aus mehr als aus Symptomen“, sagte die Leiterin des Hospiz Ursula.

Und sie ergänzte: „Wir müssen spüren, was dem Gast gut tut und auch die Begleitung der Angehörigen ist eine große Aufgabe. Dieses Innehalten heute ist auch für das Team wichtig.“ Die Anwesenden sprachen Fürbitten, beteten gemeinsam und schenkten jedem Gast noch einmal ein paar Minuten Aufmerksamkeit. Es war laut Mitteilung eine berührende Feier an einem besonderen Ort, nur die Angehörigen fehlten. „Wir verschicken an sie die Holzscheibe ihres Verstorbenen mit einem Foto, auf dem die brennende Kerze zu sehen ist, und hoffen, dass wir ihnen so einen Lichtblick schenken können.“