Gewusel

Mit Puck, Charme und Lineal

Leutkirch / Lesedauer: 5 min

Olympia-Teilnehmerin Susanne Fellner unterrichtet an der Otl-Aicher-Realschule
Veröffentlicht:30.01.2014, 15:30
Aktualisiert:24.10.2019, 17:00

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Allmorgendliches Gewusel prägt die Szenerie gegen 7.15 Uhr an der Otl-Aicher-Realschule in Leutkirch . Beim Gong, ihre Tasche lässig umgehängt, mit erfrischendem Gesichtsausdruck, mal einen ihrer Dreikäsehochs grüßend, mal verschmitzt einen Kollegen anlächelnd, der sich nach dem Befinden der Junglehrerin erkundigt, so wandelt Susanne Fellner im Schulhaus durch die Gänge, um Formeln, Diagramme, Strecken und analytisches Denken an den Mann zu bringen: Im Schlepptau manchmal eine ernst dreinblickende Kommission von Schulräten und -rätinnen und ihre aufmunternden Mentoren, die ihr für den anstehenden Unterrichtsbesuch Mut machen.

Ortswechsel: Schrille Sirenentöne in der Eisarena, die Olympionikin Susanne Fellner, von ihren Spielerkolleginnen und Fans „Susi“ genannt, kämpft mit Schulterschutz, Ellenbogenschonern und ihrem Stick beim Bundesligisten ECDC Memmingen um jeden Puck.

Früh übt sich

Die Lehramtsanwärterin für Realschulen in Baden-Württemberg ist zurzeit schwer im Stress, was man ihr nicht ansieht. Als angehende Lehrerin absolviert sie die zweite Phase ihres Lehramtsstudiums in den Fächern Mathematik, Sport, Informationstechnik.

Seit ihrem achten Lebensjahr spielt Susanne Fellner Eishockey. Das Schlittschuhlaufen begann sie schon mit sechs beim EV Ravensburg. Es folgten Stationen in Kornwestheim, Oberthurgau/Romanshorn in der Schweiz und schließlich in North Dakota/USA. Heuer spielt sie beim ECDC in Memmingen im vierten Jahr.

Olympia erfordert Prioritäten

Die Verbindung von Hochleistungssport und Berufsausbildung stellt schon eine anspruchsvolle Herausforderung dar. Viel Zeit für andere Dinge bleibt in dieser augenblicklichen Lebensphase nicht. Familie oder Freundeskreis werden vernachlässigt.

Warum man sich so etwas letztendlich antut, das liegt schlichtweg an Olympia , der „Station Sehnsucht“ eines jeden Sportlers. Beruf und Sport unter einen Hut zu bekommen, das ist eine Gratwanderung. Den Antrieb dazu, den spürt sie in sich, und dafür lohnt sich dieser mehrmonatige Dauerstress. Bis in die Spitzen motiviert ist die leidenschaftliche Eishockeyspielerin.

Zeitmanagement ist alles

Von Seiten ihres Arbeitgebers, in diesem Fall dem Land Baden-Württemberg, erfährt die Athletin insofern Unterstützung, als dass sie im Allgäu ihr Referendariat machen darf. Dadurch verkürzen sich für sie die Wege. Auch Freistellungen stellen kein Problem dar.

Momentan sieht der Wochenplan für die zierlich wirkende 28-Jährige recht straff aus: Montags ist immer Seminartag in Reutlingen, das bedeutet Abfahrt um 5:30 Uhr von ihrem Wohnort Memmingen, Rückkehr gegen 20 Uhr. Dienstags unterrichtet sie vormittags in Leutkirch, und nachmittags steht die dazugehörige Vorbereitung an. An diesen Tagen kann nicht so viel trainiert werden.

Am Mittwoch findet eine Vorlesung zum Schul- und Beamtenrecht in Ehingen statt, der Nachmittag ist reserviert für die Unterrichtsvorbereitung. Am Abend dann Training. Der Donnerstag ist für Unterrichtsvorbereitung, Unterrichtsentwürfe und Seminarvorbereitungen reserviert. Freitags ist Susanne Fellner an der Schule und am Nachmittag hat sie Training und an den Wochenenden am Samstag und Sonntag sind dann die Spiele in der Bundesliga und der Nationalmannschaft.

An der Otl-Aicher-Realschule fühlt sie sich wohl, von Anfang an nahmen die Kollegen sie super auf. Auch die Schüler sind angenehm. Bei den Schülern kommt das gut an, wenn da eine Lehrerein schon bei Olympia war und jetzt sehr gute Chancen auf Sotschi hat.

Zum zweiten Mal wird ein Traum wahr

Die deutsche Fraueneishockey-Nationalmannschaft hat sich im Gegensatz zu den Männern für die Olympiade in Sotschi vom 7. bis 23. Februar qualifiziert. Die sportlichen Ziele, die sich die Spielerinnen und auch Bundestrainer Peter Kathan, gesteckt haben, sind hoch. Es geht nicht nur ums Dabeisein, anvisiert ist ganz eindeutig die Bronzemedaille. Um Platz fünf hat sie schon des Öfteren gespielt, unter anderem 2006 in Turin. Um die Bronzemedaille zu erreichen, muss alles optimal funktionieren Natürlich spielen dabei auch die Tagesform und dieses Quäntchen Glück mit.

Susanne Fellner sieht diese Olympischen Spiele als Abschluss ihrer aktiven sportlichen Karriere und für sie wäre der Gewinn einer Medaille das Größte, sozusagen „ihr“ Highlight.

Früh begonnen

Um im Sport solche Höhen zu erreichen, muss man fleißig sein, die körperlichen Voraussetzungen müssen früh erkannt werden, dazu kommt ein hohes Maß an Disziplin. Schon während ihrer Schulzeit mussten bei Susanne Fellner der Sport und die Anforderungen durch die Schule unter einen Hut gebracht werden. Das kommt ihr heute zugute. Auch wenn man noch so viel Talent hat, hart arbeitet, so darf dabei der schulische Werdegang oder eben die berufliche Perspektive nicht vernachlässigt werden.

Die Eishockeybegeisterung im Hause Fellner ist im Laufe der Zeit gewachsen. Bei ihrer Berufswahl spielten unter anderem auch pragmatische Gründe eine Rolle. Sie wollte immer etwas mit Sport machen, schon im Verein war sie mit Aushilfstätigkeiten als Trainerin beschäftigt.

Die Motivation fördern

Und diese wuchsen ihr ans Herz, wenn es beispielsweise um die Förderung der Motivation ging oder Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult werden sollten. Dazu kommt die Freude, mit Kindern und Jugendlichen tagtäglich arbeiten zu dürfen und ihnen in ihrer Entwicklung weiterzuhelfen. Der Beruf der Lehrerin gibt einem viel zurück und an vielen Tagen lassen sich kleine Erfolge feiern.

Es sprudelt förmlich aus der Sportlerin heraus, wenn sie von ihrem Sport erzählt. Bei allen Erfolgen ist sie auf dem Boden geblieben. Spannend verspricht auch ihre Zukunft als Lehrerin zu werden. Sie kann ihren Schülern von ihren Erlebnissen erzählen und ihnen Mut machen, auf ihre Stärken zu vertrauen.

Wenn dann im Februar die Spiele endlich starten, dann werden zumindest im beschaulichen Allgäustädtchen Leutkirch Schüler und Kollegen mitfiebern.