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Spitzenleistung

Konzert bietet Spitzenleistungen

Leutkirch / Lesedauer: 3 min

Abschlussauftritt für die Teilnehmer der Leutkircher Sommerakademie
Veröffentlicht:14.08.2016, 16:59

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13 hochtalentierte Nachwuchsmusiker haben am Freitagabend das Abschlusskonzert der 13. Sommerakademie Leutkirch bestritten. Insgesamt waren es 41 Teilnehmer aus zehn Ländern, die sich für den zehntägigen Kurs in Violine, Viola und Violoncello eingetragen haben.

Der musikalische Höhepunkt in der nahezu ausgebuchten Festhalle umfasste Werke vorwiegend prominenter Komponisten, doch die Auswahl der Stücke bot einiges an Neuem. „Sie leisten wirklich Unglaubliches“, war vom künstlerischen Leiter Roland Glassl zu Beginn des Abends zu hören. Gemeint waren Alexei Petrov, Yukie Takai und Cornelia Weiß, die Christoph Schickedanz´ Geigenklasse, Markus Nyikos´ Celloklasse und Roland Glassls Bratschenklasse rund um die Uhr betreut haben.

Ohne sie, die auch die Klavierbegleitungen übernahmen, die Gasteltern und das Team von der Volkshochschule Leutkirch mit seinem Leiter Karl-Anton Maucher sei die Sommerakademie in dieser Qualität nicht möglich. Zehn Tage üben, proben, arbeiten, konzertieren. Das Ergebnis förderte wie in den Jahren zuvor Spitzenleistungen zu Tage, die mit großem Applaus und im Falle von Geigerin Mio Sasaki in ihrer Faust Fantasie, Op. 20 des polnischen Komponisten Henryk Wieniawski (1835-1880) mit vielen Bravorufen gefeiert wurden.

Bewunderung für die Interpreten

„Erstaunlich, was da herauskommt“ oder „alles auswendig gespielt“ äußerten sich Zuhörer bewundernd über die einzelnen Auftritte. Diese eröffneten Wolfgang Amadeus Mozarts e-Moll Sonate für Klavier und Violine, KV 304 mit Geigerin Anne Greuner und Yuxing Chen am Klavier. Das zweisätzige Werk gehört in den sechsteiligen Zyklus der „Kurfürsten-Sonaten“.

Beide Solisten haben den von Mozart angestrebten gleichberechtigten Dialog zwischen Streich- und Tasteninstrument betont und dabei die frühromantische Klangfarbe herausgestellt. So wie die 21-jährige Anne Greuner schon zweimal die Sommerakademie besucht hat, sind auch Geigerin Leila Sakamoto aus Tokyo und Mio Sasaki aus Osaka zum dritten Mal hier. Wen man fast schon Stammgast nennen könnte, ist die Bratschistin Susanne Sigg. Sie trat mit York Bowens (1884-1961) Sonate für Viola und Klavier, Nr. 1 an und lotete im Zusammenspiel mit Pianistin Cornelia Weiß Leichtigkeit und Schwere im stürmisch bewegten Allegro moderato aus. Ihre harmonischen Ausformulierungen, die ein Gefühl des getragen Werdens auslösen, zeugen von gewachsenem Selbstverständnis für Mozarts Klang.

Nervosität war kaum einem der Solisten anzumerken. Weder dem 23-jährigen Cellisten Tetsuzo Iijima in Johannes Brahms elegischer e-Moll Sonate für Violoncello und Klavier, Op. 38, noch der Bratschistin Seoyoon Chang in einer weiteren Brahms Sonate, f-Moll, Op. 120 Nr. 1. Ihr Allegro appassionato vermittelte einen dunkel-tragischen Charakter nach dem aufbrausenden Gewitter, das Geigerin Rika Tanimoto auf das Parkett legte.

Mit Sergej Prokofjews Scherzo und Moderato aus dem D-Dur Violinkonzert, Op. 19, das er 1916/1917 kurz vor seiner Emigration aus Russland schrieb. Sie bot ihrem Publikum ein wahres Feuerwerk an zugleich entfesselter und verdichteter Virtuosität. Mit technischer Bravour und ebenso großem Spielwitz brachte sie das Groteske des Vivacissimo zum Ausdruck, das zwischen folkloristischen Anklängen und bedrohlich klingenden Intermezzi pendelt.

Wie ein Tanz auf dem Vulkan

Einem Tanz auf dem Vulkan glich, nur anders ausformuliert, Dimitri Schostakowitschs 1934 entstandene d-Moll Sonate für Violoncello und Klavier, Op. 40. Yebin Kims Cellopart mit Yukie Takai am Klavier spiegelte die emotional und ironisch aufgeladene Sinfonik wider, die sich sprunghaft und kontrastreich zwischen hochfahrenden und rhythmisch getragenen Melodiebögen aufspannte.

Was zu ausgleichender Ruhe beitrug, war das Requiem für sechs Violoncelli des österreichischen Cellisten David Popper (1843-1913). Das Andante sostenuto mit Mark Brabetz, Arthur Daems, Annika Gaube, Tetsuzo Iijima, Yebin Kim und Athanassia Teliou bot sich am Freitagabend als harmonisches Ensemblespiel dar – leicht bewegt, umsichtig und bedacht.